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Deniz Yücel erhebt Foltervorwürfe gegen die Türkei | BR24

© dpa-Bildfunk/Michael Kappeler

Deniz Yücel erhebt Foltervorwürfe gegen die Türkei

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    Deniz Yücel erhebt Foltervorwürfe gegen die Türkei

    Der "Welt"-Korrespondent Yücel ist nach eigenen Angaben während seiner einjährigen Haft in der Türkei auch gefoltert worden. Im Hochsicherheitsgefängnis von Silivri sei er geschlagen, bedroht und entwürdigt worden. Ein AKP-Politiker bezweifelt das.

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    Der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel erhebt schwere Vorwürfe gegen die Türkei: Bei seinem einjährigen Gefängnisaufenthalt in der Türkei sei er auch gefoltert worden. Im Hochsicherheitsgefängnis von Silivri habe man ihn während drei Tagen systematisch geschlagen, bedroht und entwürdigt. Das berichtet "Die Welt" unter Berufung auf Yücels Verteidigungsschrift am Freitag.

    Yücel gibt die politische Verantwortung dafür dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, wenn er die Misshandlungen nicht sogar angeordnet habe, so der Journalist.

    Folter nach Freilassung bewusst nicht thematisiert

    Dem Bericht zufolge reichte Yücel seine Verteidigungsschrift in seinem türkischen Strafverfahren am Freitag beim Berliner Amtsgericht Tiergarten ein. Dieses habe die Aussage im Rahmen deutsch-türkischer Rechtshilfeabkommen entgegengenommen.

    Demnach entschied Yücel gemeinsam mit seinen Anwälten damals, die Folter nicht öffentlich zu machen. Stattdessen hätten sie versucht, über politische und diplomatische Kanäle eine Lösung zu finden. Diese Gespräche hätten schließlich zu einem Ende der Angriffe geführt.

    In seiner Verteidigungsschrift, aus der die "Welt" zitiert, schreibt Yücel, er habe vermutet, Erdogan wolle eine Eskalation seines Falles für die Abstimmung über eine Machterweiterung des Präsidenten nutzen.

    "Der Zweck war womöglich, die Krise mit Deutschland weiter zu verschärfen und die zu erwartenden Reaktionen aus Deutschland in der Referendumskampagne auszuschlachten." Deniz Yücel in seiner Verteidigungsschrift

    Freilassung nach einem Jahr Haft

    Yücel war am 14. Februar 2017 in Istanbul festgenommen worden. Ihm werden wegen seiner Artikel "Volksverhetzung" und "Terrorpropaganda" vorgeworfen, laut seinem Anwalt drohen ihm bis zu 18 Jahre Haft. Die Bundesregierung sieht die Vorwürfe als politisch motiviert an. Der Fall belastete das deutsch-türkische Verhältnis schwer.

    Ein Jahr nach seiner Verhaftung wurde Yücel freigelassen und verließ die Türkei. Das Verfahren gegen ihn vor einem türkischen Gericht läuft in seiner Abwesenheit weiter.

    AKP-Politiker Yeneroglu bezweifelt Foltervorwürfe

    Der AKP-Politiker und Erdogan-Vertraute Mustafa Yeneroglu bezweifelt, dass Yücel während seiner Haft in Istanbul gefoltert worden ist. Yeneroglu sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich kann es mir nicht vorstellen. Es widerspricht den mir bekannten Vorfällen und auch seinen späteren Äußerungen mir gegenüber." Yeneroglu, der in Deutschland aufgewachsen ist und im angespannten deutsch-türkischen Verhältnis mitunter als Brückenbauer fungiert, hat Yücel nach eigenen Angaben im Gefängnis geholfen. Die AKP ist die Regierungspartei in der Türkei.