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© pa / dpa / Curtis Compton

Jeff Sessions

Dieser Rauswurf ist nicht überraschend - es ist eher überraschend, wie lange sich Jeff Sessions im Amt halten konnte. Präsident Donald Trump sagte immer wieder, wie unzufrieden er mit seinem Justizminister sei, kritisierte ihn öffentlich. Viele Beobachter hatten den Eindruck, er wollte einen Rücktritt provozieren.

Sessions hielt Stand - bis jetzt. In seinem Rücktrittsbrief schreibt er, er reiche seine Demission ein, weil der Präsident ihn darum gebeten habe.

Russland-Ermittlungen als Knackpunkt

Trumps Hauptvorwurf dreht sich um die Ermittlungen zur russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf. Für ihn sind sie schon lange eine Belastung, weil es auch um sein Wahlkampfteam geht.

"Eine Schande"

Bei seiner Pressekonferenz nach der Kongresswahl sagte Trump, er hätte die Ermittlungen beenden können, wann immer er dies gewollt hätte - "habe ich aber nicht". Geheime Absprachen habe es nicht gegeben. Die Ermittler hätten Hacker in Moskau und Leute mit Steuerproblemen und Krediten verfolgt - das alles habe nichts mit seinem Wahlkampf-Team zu tun. "Das sind Ermittlungen, für die viele Millionen Dollar ausgegeben wurden", kritisierte Trump. Und: "Ich denke, die Ermittlungen sind sehr schlecht für unser Land, eine Schande."

Trump hatte das Gefühl, dass Sessions als Justizminister keine Hilfe dabei war. Weil Sessions im Wahlkampf selbst Kontakte zu Russland hatte, hatte er sich aus den Ermittlungen herausgenommen und seinem Stellvertreter die Aufsicht übertragen. Trump sagte, hätte er das gewusst, hätte er Sessions nicht zum Justizminister berufen.

Warum jetzt?

Die entscheidende Frage ist nun: Musste Sessions gehen, um die Kongresswahlen zu nutzen, für einen einfachen Wechsel im Kabinett? Oder muss er gehen als Teil eines Planes, die Arbeit von Sonderermittler Robert Mueller zu stoppen? Indizien gibt es: So ernannte Trump nicht Sessions Stellvertreter zum amtierenden Justizminister, sondern den Stabschef Matthew Whitaker. Dieser hatte in der Vergangenheit laut darüber nachgedacht, wie man die Ermittlungen beenden könnte.

Die Demokraten sind alarmiert

Im Kongress schlagen die Demokraten bereits Alarm. Chuck Schumer, Minderheitsführer im Senat, sagte, es habe Priorität, Mueller und seine Ermittlungen zu schützen: "Es wäre eine Verfassungskrise, wenn dies der Beginn davon wäre, die Mueller-Ermittlungen einzuschränken oder zu beenden." Er hoffe, Trump werde darauf verzichten.

Einer der ersten Trump-Unterstützer

Sessions war als Senator von Alabama bekannt geworden, zehn Jahre hatte er den Posten inne. Er gehörte immer schon zum konservativen Flügel der Republikaner. Sein früherer Mitarbeiter Stephen Miller ist jetzt im Weißen Haus für die strikte Einwanderungspolitik zuständig, ein enger Mitarbeiter Trumps.

Sessions selbst war einer der ersten Senatoren, die Trump unterstützten, als dieser Präsidentschaftskandidat der Republikaner werden wollte - und dann war er auch ein wichtiger Berater des Präsidenten. Aber vor allem die Russland-Ermittlungen haben am Ende einen Keil zwischen die beiden getrieben.