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Demokratieproteste in Hongkong - Tumult am Flughafen | BR24

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Nach den Ausschreitungen vergagene Nacht in Hongkong haben sich tausende Demonstranten am Flughafen der Stadt versammelt. Einige Demonstranten errichteten Barrikaden.

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Demokratieproteste in Hongkong - Tumult am Flughafen

Aktivisten haben den Flughafen in Hongkong belagert. Nach dem Eintreffen von Spezialkräften der Polizei zogen die Demonstranten wieder ab. Sie hinterließen Barrikaden aus Gepäckwagen.

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Wieder haben Demonstranten den internationalen Flughafen von Hongkong belagert. Einen Tag nach den schweren Ausschreitungen versammelten sich Tausende Aktivisten auf dem Parkplatz außerhalb des Gebäudes. Der Zugservice zu dem internationalen Drehkreuz in Asien wurde in beide Richtungen ausgesetzt. Die Flughafenbehörde erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen Demonstrationen auf dem Gelände, die über Lautsprecher verkündet wurde. Die Aktivisten kamen der Aufforderung zunächst nicht nach, sondern bauten Barrikaden.

Ein Großaufgebot verriegelte die Zugänge zum Flughafen der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Nur Reisende mit Flugscheinen und Ausweisen wurden eingelassen. Als Verstärkung mit Spezialkräften eintraf, zogen die Demonstranten allerdings wieder ab. Bereits vor drei Wochen hatten Demonstranten den Flughafen besetzt und den Flugverkehr für zwei Tage lahmgelegt. Vergangenes Wochenende hatten die Behörden einen Gerichtsbeschluss erwirkt, der Proteste am Flughafen untersagte.

Warnschüsse, Brandsätze, Barrikaden - Ausschreitungen gestern

Im Stadtzentrum von Hongkong waren am Samstag trotz eines Demonstrationsverbots erneut Zehntausende Menschen - teilweise mit bunten Regenschirmen zur Erinnerung an die so genannten "Regenschirm-Proteste" vor fünf Jahren - für mehr Demokratie auf die Straße gegangen. Bei den Massenprotesten kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei.

Aus Richtung der Protestierenden flogen Brandsätze und Steine, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein - mit blauer Farbe, angeblich um später Teilnehmende identifizieren zu können. In einer besonders brenzligen Situation gaben Beamte zwei Warnschüsse ab.

Für Empörung sorgten in Hongkong Berichte über Polizisten, die als Demonstranten verkleidet provoziert haben sollen. In sozialen Medien kursierten Bilder, die zeigen, wie Polizisten in voller Montur in eine U-Bahn stürmen und mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen mehrere junge Menschen vorgehen, die an Demonstrationen teilgenommen hatten. Insgesamt wurden mindestens 30 Personen verletzt. Die Polizei bestätigte mehrere Dutzend Festnahmen.

Demokratiebewegung: Was vor fünf Jahren friedlich begann, eskaliert

Seit drei Monaten gibt es in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong immer wieder Massenproteste für mehr Demokratie und gegen eine wachsende Einflussnahme der chinesischen Regierung. Bewohner der ehemaligen britischen Kolonie fürchten eine Beschneidung ihrer Rechte, die ihnen mehr Freiheiten einräumen als Chinesen in der Volksrepublik. Sie werfen Regierungschefin Carrie Lam eine zu große Nähe zur kommunistischen Regierung in Peking vor. Für Samstag hatten die Organisatoren ursprünglich eine Großdemonstration angemeldet, um an den fünften Jahrestag der Regenschirm-Proteste zu erinnern, die die Finanzmetropole 2014 wochenlang lahmgelegt hatte. Die Polizei hatte die Demonstration verboten - offiziell aufgrund von Sicherheitsbedenken. Mehrere prominente Aktivisten der Protestszene sowie politischer Unterstützer waren im Vorfeld der gestrigen Demonstrationen verhaftet worden.

Mit Informationen von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai, zzt. Hongkong