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Corona-Experten besorgt über Verbreitung von Delta-Variante

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Corona-Experten besorgt über Verbreitung von Delta-Variante

Die WHO und Ärzte sehen die als besonders infektiös geltende Delta-Variante des Coronavirus mit Sorge. Sie warnen vor zu schnellen Lockerungen und der hohen Ansteckungsgefahr für ungeimpfte Erwachsene und Kinder.

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Von
  • Claudia Steiner

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich zunehmend aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte die erstmals in Indien nachgewiesene Variante als "besorgniserregend" ein, da sie Wissenschaftlern zufolge ansteckender ist als die Ursprungsform des Coronavirus Sars-CoV-2. In Großbritannien breitet sich die Variante weiter schnell aus, Lissabon wird wegen einer besorgniserregenden Zunahme der Corona-Infektionsfälle für rund zweieinhalb Tage abgeriegelt.

Auch in Deutschland warnen Mediziner und Gesundheitsexperten , dass spätestens im Herbst die Delta-Variante die dominierende Variante hierzulande sein könnte.

Lauterbach: Delta-Variante wird im Herbst dominierende Rolle spielen

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte, er hoffe, dass dies nicht zu einem großen Problem ausgerechnet für die Kinder werde, die nicht geimpft seien. In Deutschland gibt es bisher keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission für gesunde Kinder. "Die Geimpften werden mit der Delta-Variante keine Probleme haben", sagte Lauterbach in den ARD-"Tagesthemen".

Montgomery: Weitere FFP2-Masken tragen

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warf in einem Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe die Frage auf, ob die aktuellen Corona-Lockerungen angesichts der Entwicklung nicht zu weit gingen.

"Das Tückische bei dieser Variante ist, dass Infizierte sehr schnell eine sehr hohe Viruslast im Rachen haben und damit andere anstecken können, bevor sie überhaupt merken, dass sie sich infiziert haben." Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Weltärztebundes

Er mahnte, im öffentlichen Nahverkehr, in Geschäften und anderen Innenräumen sollten unbedingt weiterhin FFP2-Masken getragen werden. Die Länder sollten prüfen, ob die angekündigten Lockerungen nicht zu weit gingen. "Sie sollten außerdem die politische Größe haben, angekündigte Lockerungen wieder zurückzunehmen, wenn die Infektionszahlen durch die Delta-Variante wieder steigen sollten. So, wie es die britische Regierung jetzt getan hat", betonte der Mediziner.

Virus-Wiedereintrag durch Reiserückkehrer

Montgomery mahnte zudem, nicht den Fehler des vergangenen Sommers zu wiederholen. 2020 habe man den Wiedereintrag des Virus durch Reiserückkehrer unterschätzt, im Herbst folgte eine neue Welle. "Diese Gefahr besteht jetzt wieder, wenn viele noch ungeimpfte Touristen von Partyurlauben in ganz Europa nach Deutschland zurückkehren."

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Klaus Holetschek (CSU), riet angesichts der Delta-Variante zu "allerhöchster Wachsamkeit". "Ihr Auftreten und ihr hoher Ansteckungsgrad zeigen uns, dass wir Corona trotz spürbar sinkender Inzidenzwerte noch nicht besiegt haben", sagte der bayerische Minister der "Rheinischen Post".

Delta-Variante bereits in allen 16 Bundesländern

Kanzleramtschef Helge Braun rät den deutschen Fußball-Fans von einer Reise zu den entscheidenden EM-Spielen ab. "Meine große Sorge ist die sich ausbreitende Delta-Variante in Großbritannien – und London ist ein Austragungsort. Man sollte nicht in Virusvariantengebiete reisen", sagte der CDU-Politiker in einem Interview dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". In der englischen Hauptstadt finden die beiden Halbfinals und das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft statt.

Laut den jüngsten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde die Variante bereits in allen 16 Bundesländern nachgewiesen. In der 22. Kalenderwoche lag ihr Anteil an allen genauer untersuchten Corona-Infektionen in Deutschland demnach bei 6,2 Prozent. In der Woche davor waren es noch 3,7 Prozent.

Lockerungen in Großbritannien verschoben

In Großbritannien ist die Variante B.1.617.2 inzwischen für 96 Prozent aller Neuinfektionen verantwortlich. Bereits geplante weitere Lockerungen wurden aufgeschoben. Laut Lauterbach steckten sich in Großbritannien vor allem Ungeimpfte und Menschen, die erst eine Impfung bekommen hatten, an.

Eine in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass 79 Prozent der Geimpften nach einer ersten Dosis von Pfizer/Biontech "eine quantifizierbare neutralisierende Antikörperreaktion" gegen den ursprünglichen Virusstamm hatten, bei der Variante B.1.617.2 hingegen nur 32 Prozent. Das französische Institut Pasteur erklärte, eine einzelne Astrazeneca-Dosis habe "wenig bis gar keine Wirksamkeit" gegen die Delta-Variante.

Vollständige Impfung schützt vor Delta-Variante

Mit einer vollständigen Corona-Impfung lassen sich laut einer am Montag vorgestellten Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante aber ebenso wirksam vermeiden wie bei der Alpha-Variante. Zwei Dosen des Wirkstoffs von Pfizer/Biontech verhinderten demnach bei der Variante B.1.617.2 in 96 Prozent der Fälle eine stationäre Behandlung. Für das Vakzin von Astrazeneca lag die Quote bei 92 Prozent.

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In den letzten Wochen steigen in anderen Ländern die Infektionszahlen durch die Delta-Variante dramatisch an, so der Virologe Prof. Oliver T. Keppler. Deshalb sollten Geisterspiele der EM eventuell zwischen den Ländern und der Uefa diskutiert werden.

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