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Debatte um Schließung von Krankenhäusern | BR24

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600 statt 1.400 Krankenhäuser würden einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge in Deustchland ausreichen.

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Debatte um Schließung von Krankenhäusern

Die Bertelsmann-Stiftung sorgt mit einer neuen Studie für Aufregung. Darin heißt es, die Zahl der Kliniken könne um die Hälfte gesenkt werden. Bei Gesundheitspolitikern und Verbänden stößt der Vorschlag auf ein gemischtes Echo.

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Deutschland hat im internationalen Vergleich mehr Krankenhausbetten und auch mehr Klinik-Standorte, als eigentlich notwendig sind – schon vor der Veröffentlichung einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung kamen verschiedene Untersuchungen immer wieder zu diesem Ergebnis. Wenn Deutschland sein Krankenhaus-System so organisieren würde, wie es Dänemark tut, könnten nicht nur gut die Hälfte aller Klinik-Standorte wegfallen, stellt Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) fest – sondern noch einmal deutlich mehr.

"Ich würde da ja zwei Drittel, drei Viertel aller Standorte aufgeben und da reden wir dann nicht mehr nur um Hundert-Bettenhäuser kleine, da würden auch viele mittelgroße betroffen sein." Boris Augurzky

Gesundheitsökonom: Jedes siebte Krankenhaus schließen

Der Gesundheitsökonom hält solche Szenarien aber für zu radikal. Seiner Ansicht nach wäre es gut, wenn etwa jedes siebte Krankenhaus schließt – dann könnten die verbleibenden Standorte eine umso bessere Medizin anbieten. Das gelte für Flächenländer wie Bayern genauso wie für Stadtstaaten wie Hamburg oder Berlin.

"Wenn ich Eingriff für häufiger mache, bin ich da auch besser. Ich meine, das weiß jeder von sich aus aus dem Alltag: welchen Beruf ich auch immer habe, wenn ich etwas aufmache, wiederholt eine Tätigkeit durchführen, dann werde ich da immer besser." Boris Augurzky

Strecke zum nächsten Krankenhaus darf nicht zu lang werden

Bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hält man solche gesundheitsökonomischen Überlegungen für zu realitätsfern. Der DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum wünscht sich, dass es auch eine Rolle spielt, wie welche Wege Patienten zurücklegen wollen – und auch ihre Angehörigen. 30 Kilometer zum nächsten Krankenhaus könnten durchaus weit sein, findet er.

"Wenn wir die Auffassung vertreten, dass wir überall Hausärzte für medizinische Basisversorgung brauchen, dann haben wir im stationären Bereich auch einen Grundversorgungsbedarf. Wir brauchen deshalb Finanzierungsbedingungen, die solchen Kliniken das Überleben sichern." Georg Baum

Gesundheitsministerin Huml gegen drastische Streichung

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml von der CSU lehnt es ebenfalls ab, die Krankenhaus-Versorgung so zu umzubauen, dass weniger als halb so viele der heutigen Standorte übrig bleiben – so wie es die Bertelsmann-Stiftung in ihrer aktuellen Studie vorschlägt. Allerdings müsse auch eines klar sein, stellt die Gesundheitspolitikerin fest: Mit dem Fortschritt in der Medizin müssen auch die Krankenhäuser sich verändern.

"Das ein kleines Krankenhaus jetzt vielleicht nicht alle Fachrichtungen anbieten muss, sondern es sinnvoller ist, sich auf gewisse Fachbereiche zu konzentrieren, auch wirtschaftlich arbeiten zu können. Das ist sicherlich auch notwendig, und passiert auch in Bayern." Melanie Huml

Deshalb könnte in nächsten Jahren auch in Bayern die Zahl der Kliniken weiter sinken, glaubt die Gesundheitsministerin – in welchem Tempo und in welchem Umfang, das lasse sich nicht vorhersagen, meint sie. Aber eines sei sicher: Dass die Klinik-Landschaft so umgekrempelt wird, wie es die Wissenschaftler der Bertelsmann-Stiftung für sinnvoll halten, kann sie sich nicht vorstellen.

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Eingang zur Notaufnahme eines Krankenhauses