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Debatte über Triage: Entscheidung über Leben und Tod | BR24

© pa / dpa

Ärzte auf der Intensivstation des Uniklinikums Leipzig

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    Debatte über Triage: Entscheidung über Leben und Tod

    Wenn die Kapazitäten in den Kliniken nicht reichen, könnte das Personal vor schweren Entscheidungen stehen. Retten sie das Leben eines Patienten zu Gunsten eines anderen? In der Triage-Debatte melden sich nun Patientenschützer zu Wort.

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    • tagesschau.de

    In der Debatte um mögliche Triage-Entscheidungen in deutschen Kliniken hat der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, vor Alarmismus gewarnt. "Selbst wenn in einer Stadt die Intensivbetten komplett belegt sind, gibt es derzeit keinen Grund, Menschen unversorgt sterben zu lassen", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

    In allen Bundesländern stünden ausreichend freie Intensivplätze zur Verfügung. Ein intensivmedizinischer Transport per Hubschrauber oder Rettungswagen könne solche Situationen verhindern.

    Eine Frage der Ethik

    Normalerweise gilt in deutschen Kliniken die Regel, den akuten Notfällen zuerst zu helfen. Das Prinzip der Triage hingegen setzt eine Abwägung voraus, welcher Patient die besten Überlebens- beziehungsweise Heilungschancen hat. Bislang, so Patientschützer Brysch, hätten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland dieses Prinzip nicht anwenden müssen.

    Auslöser der aktuellen Debatte über Triage-Entscheidungen in deutschen Krankenhäusern war die Aussage des ärztlichen Direktors einer Klinik in der Oberlausitz. In einem Online-Bürgerforum hatte er gesagt, in seinem Klinikum hätte das Personal zuletzt mehrfach entscheiden müssen, welche Patienten mit den knappen Sauerstoffgeräten versorgt werden könnten. Die Klinik bestätigte oder dementierte die Schilderungen des Arztes am Mittwoch nicht ausdrücklich. Stattdessen betonte sie, die Lage sei kritisch.

    Intensivkapazitäten reichen vorerst aus

    Auch der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, sieht das medizinische Personal derzeit nicht mit dieser Gewissensfrage konfrontiert. Die aktuellen Reserven an Intensivpflegeplätzen reichten vorerst aus. Rein rechnerisch könnte sich die Zahl der aktiven Infektionen verdoppeln, bis die Kapazitäten aufgebraucht sind.

    Politische Vorgaben gefordert

    Mit zunehmender Überfüllung der Intensivstationen, würden Ärzte immer mehr vor Triage-Entscheidungen stehen, sagte hingegen der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery in einem Interview mit der Rheinischen Post. "Und die wird leider von den Ärzten allein getroffen werden müssen, weil die Politik uns hier im Stich gelassen hat." Zur Orientierung haben die Bundesärztekammer und die medzinischen Fachgesellschaften Richtlinien und Positionspapiere vorgelegt.

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