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Datenleck: "Menschliches Versagen ist keine Entschuldigung!" | BR24

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Münchner Runde zu Patientendaten im Netz

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Datenleck: "Menschliches Versagen ist keine Entschuldigung!"

Millionenfach findet man im Internet Patientendaten – frei zugänglich und ungeschützt. In der "Münchner Runde" stellt sich zum ersten Mal ein Verantwortlicher: Prof. Dr. Helmut Ostermann, Leiter Patientenmanagement am Klinikum München (LMU).

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Hochsensible medizinische Patientendaten millionenfach frei zugänglich im Netz: Eine gefährliche Panne. Wie eine gemeinsame Auswertung des Bayerischen Rundfunks und des US-amerikanischen Rechercheportals ProPublica ergeben hatte, betraf dies intimste Daten wie Brustkrebsscreenings, Wirbelsäulenbilder und Röntgenaufnahmen - über Jahre hinweg.

Wie können Gesundheitsdaten in einer digitalisierten Welt besser geschützt werden? Darüber haben heute in der Münchner Runde Ärzte und IT-Fachleute diskutiert.

"Das hätte nicht sein sollen!“"

Auch Patienten des Klinikums München (LMU) waren Opfer des vom BR öffentlich gemachten Datenlecks. Professor Ostermann, zuständig für das Patientenmanagement, entschuldigt sich: "Das hätte nicht sein sollen. Jeder einzelne Patient ist zu viel." Er erklärt, wie es zu diesem Leck kommen konnte: Zwei Kollegen hätten die Daten der Patienten versehentlich unanonymisiert in einem Wissenschaftsnetz verwendet. Das Datenleck sei inzwischen geschlossen, die Daten im Netz nicht mehr auffindbar.

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Der Leiter der Abteilung Patientenmanagement der Uniklinik München, Prof. Dr. Helmut Ostermann, hat in der Sendung "Münchner Runde" im BR-Fernsehen menschliches Versagen für die ins Netz geratenen Patientendaten verantwortlich gemacht.

"Menschliches Versagen ist keine Entschuldigung!"

Die Internistin Dr. Karen von Mücke kontert: "Menschliches Versagen ist keine Entschuldigung!" Und sie verweist auf die vielseitigen Gefahren, denen Patienten ausgesetzt sind, deren Daten unzureichend geschützt und für andere zugänglich sind: Das reicht von unerwünschter Werbung über Erpressung bis hin zu Verweigerung von Krediten.

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In der Sendung "Münchner Runde" im BR-Fernsehen hat die Internistin Dr. Karen von Mücke die Speicherung der Patientendaten kritisiert. Viele Ärzte seien frustriert, erklärte sie.

"Wer kriminelle Absichten hat, kann mit solchen Daten viele Dingen machen." Dirk Schrader, IT-Experte

Das bestätigt auch der IT-Experte Dirk Schrader, der den Datenskandal mit aufgedeckt hat: "Wer kriminelle Absichten hat, kann mit solchen Daten viele Dinge machen." Er sagt aber auch: Menschliches Versagen müsse man akzeptieren, im Übrigen gäbe es im Fall des Uniklinikums München (LMU) keinen Hinweis darauf, dass die Daten missbraucht wurden. Er bestätigt zudem, dass sämtliche Daten inzwischen aus dem Netz verschwunden sind.

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In der Sendung "Münchner Runde" im BR-Fernsehen hat der IT-Fachmann Dirk Schrader, der den Skandal um die Patientendaten im Netz mit aufgedeckt hat, vor weiteren Schwachstellen gewarnt.

Was können Patienten tun?

Die App-Entwicklerin und Pharmazeutin Dr. Ursula Kramer sagt, die Patienten selber hätten wenig Möglichkeiten, zu überprüfen, ob ihre Daten sicher sind: "In diesem Umfeld gibt es keine Alternative zu Vertrauen." Die Internistin Dr. Karen von Mücke sieht noch viele Hürden in der Digitalisierung der Medizin und rät ihren Patienten zur Zurückhaltung: Datenschutz und Schweigepflicht seien in Gefahr, wenn 2021 die elektronische Patientenakte kommt.