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Wie manipulieren Google, Facebook und Amazon? Und was machen die Netzgiganten mit unseren sensiblen Daten? Markus Beckedahl von netzpolitik.org verrät, wie sich jeder Einzelne schützen kann.

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Daten im Netz: Was damit passiert, und ob Kontrolle möglich ist

Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts - denn heutzutage verdienen die großen Konzerne wie etwa Google sehr viel Geld damit. Doch kann man die Kontrolle darüber zurückgewinnen? Ein Selbstversuch.

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Von
  • Ferdinand Meyen
  • Maren Breitling

Jana will es wissen: Wie viele unliebsame Informationen über sie kursieren im Internet? Suchanfragen, Klicks, Einkäufe, Standorte - kann sie Daten über sich selbst aus dem Netz löschen? Einen Tag lang versucht sie, möglichst viele Daten aus dem Netz zu entfernen.

40 Gigabyte an Daten - allein zu Google-Suchanfragen

Anfangs entfernt Jana die Daten ihrer Social-Media-Profile. Das geht – zumindest überall, wo sie direkten Zugriff hat. Alle Posts und Bilder, die Jana nicht mehr öffentlich haben möchte, löscht sie direkt aus ihrem Profil.

Sie stellt bei Google eine Anfrage, welche Daten das Unternehmen über sie gespeichert hat. Jeder hat durch die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) inzwischen das Recht dazu. Jana bekommt von Google einen gewaltigen Datenberg zugeschickt - 40 Gigabyte an Informationen, wie, wo und wann sie Dienste von Google genutzt hat.

Daten sollten erst gar nicht im Netz landen

Um diese großen Datenmengen in der Hand einzelner Konzerne einzudämmen, rät der Internet-Experte und Gründer der Plattform netzpolitik.org, Markus Beckedahl, zur Vorsicht beim Umgang mit Daten: Man solle im Voraus verhindern, dass unliebsame Daten ins Netz gelangen, sagte er im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

Beckedahl sagt, wir stünden daher vor der Herausforderung, dass alles, was wir im Netz publizierten, im Extremfall irgendwann gegen uns verwendet werden könne. Wenn die Daten beispielsweise von Jana gegen ihren Willen auf anderen Webseiten auftauchen würden, müsste sie etwa jeden einzelnen Betreiber kontaktieren.

Nutzer wissen nicht, was mit ihren Daten passiert

Neben Daten, die User selbst hochladen, sammeln Plattformen auch Informationen über sie. Das ist auch bei Jana der Fall: "Es gibt wohl auch Daten, die in meinem Google-Account selbst nicht auftauchen." Sie wisse nicht, was generell mit den ganzen Informationen passiere, so Jana. Denn hier endet für sie die Kontrolle über ihre Privatdaten. Selbst wenn sie ihr Google-Profil löschen würde – sie weiß nicht, was Google am Ende mit den 40 Gigabyte macht.

Beckedahl nutzt eigenen Worten zufolge nie sein richtiges Geburtsdatum im Internet. "Ich verwende auch ganz gerne Zahlendreher oder Buchstabendreher, wo ich meine Adresse angeben muss, wenn ich beispielsweise Pizza oder etwas Anderes bestelle."

Politik hat sich zu wenig um Datensicherheit gekümmert

Das Problem sei laut Beckedahl aber auch, dass Politikerinnen und Politiker mehr Zeit damit verbracht hätten, sich von Facebook informieren oder etwa die eigene Seite für den Wahlkampf zu optimieren zu lassen, statt darüber nachzudenken, wie man die Plattformen regulieren kann.

Für die Konzerne brauche es dringend mehr Regularien und Gesetze. Beckedahl fordert außerdem, dass die Verbraucherzentralen mehr Förderungen und Personal bekommen müssten. Damit könnten sie die Verbraucherrechte gegenüber den Plattformen und Konzernen durchsetzen.

Lieber Vorbeugen statt löschen

Und wenn es einen doch erwischt und Fremde die eigenen Daten für Identitätsdiebstahl oder Stalking nutzen? Die Betroffenen müssen sich laut Netzexperte Beckedahl notfalls an einen Anwalt oder an Beratungsstellen wenden. Soweit ist es bei Jana zum Glück nicht. Trotzdem ist sie angesichts der Situation doch einigermaßen verzweifelt: "Du bist so gefangen bei diesen Datenkranken, und das zu löschen ist ein riesiger Aufwand." Und nach dem Selbstversuch bezweifle sie, ob das überhaupt möglich sei.

Nach einem langen Tag bleibt die Erkenntnis: Vieles kann man entfernen und beeinflussen. Wirklich alle Daten zu einer Person aus dem Netz zu löschen, ist, Stand heute, kaum möglich. Aber, damit es in Zukunft nicht noch mehr Daten werden, dafür kann jeder User etwas tun.

"Manipuliert und fremdbestimmt: Wer schützt unsere Freiheit im Netz?" - darüber diskutiert die Münchner Runde am 28.10.2020 u.a. mit Justizminister Georg Eisenreich, Netzaktivistin Katharina Nocun und Paul-Bernhard Kallen, Vorstandsvorsitzender von Burda.

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