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Das vergiftete Erbe der DDR | BR24

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Ausbildung vietnamesischer Arbeiter beim VEB Messelektronik "Otto Schön" in Dresden

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Das vergiftete Erbe der DDR

Die DDR war das letzte Paradies auf Erden, reichlich Essen, Ordnung, Pünktlichkeit: So schwärmen ehemalige Vertragsarbeiter aus Vietnam und Mosambik. Für sie war der Mauerfall zunächst ein Desaster. Von Susanne Betz

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Vor dem Fall der Mauer hielten sich in der DDR rund hunderttausend Vertragsarbeiter auf. Sie lebten abgeschottet in Wohnheimen und wurden oft von der Stasi bespitzelt. Kontakt zu oder gar Beziehungen mit Deutschen waren unerwünscht.

Traurig über den Mauerfall

Als die Mauer fiel, fielen sie in ein tiefes Loch: rechtliche Unsicherheit und bald Arbeitslosigkeit. Deshalb kehrten viele enttäuscht in ihre Heimatländer zurück. Denn sie bekamen nur 40 Prozent ihres Lohns ausgezahlt, die restlichen 60 Prozent wurden automatisch an die mosambikanische Regierung überwiesen, die damit ihre Schulden bei der DDR beglich.

"Wir waren Sklaven, es gibt kein anderes Wort" José Alfredo Cossa

Abneigung vor Fremden, vor Andersartigen

Die Afrikaner wurden schon zu DDR-Zeiten immer wieder angepöbelt und von Skinheads überfallen und geschlagen.
Der Berliner Historiker Harry Waibel hat den Rassismus und den Rechtsradikalismus im SED-Regime minutiös in Archiven recherchiert und nachgewiesen:

"Es sind 12 Tote belegt und tausende Verletzte. Alles das ist geheim gehalten worden." Harry Waibel

Die ehemalige Ost-Berliner Pastorin und erste und einzige Ausländerbeauftragte der DDR, Almuth Berger, meint, dass die Ausländerfeindlichkeit von heute ihre Wurzeln auch in der Art und Weise hatte, mit der das SED-Regime Ausländer behandelte:

"Die früheren DDR-Bürger reisen wie die Weltmeister. Aber das trägt nicht dazu bei, dass sie Ausländern hier gegenüber offener sind. Da steckt tief drinnen eine Abneigung, ja auch Angst vor Fremden, vor Andersartigen." Almuth Berger
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Passanten stehen am 02.10.2015 in Berlin an an einem Wandbild mit der deutschen Nationalflagge und zerschlagener Mauer