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Das"Neue Normal"-Kalifornien mit seinen Bränden und Blackouts | BR24

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Hubschrauber über brennendem Kalifornien

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    Das"Neue Normal"-Kalifornien mit seinen Bränden und Blackouts

    Der modernste Staat der USA, Kalifornien, ist 2019 ins Mittelalter zurückgefallen. Tagelang hatten die Menschen keinen Strom, weil marode Leitungen Waldbrände auslösten. Es ist das "new normal", ein neues Leben mit Feuer, Dürre und Stromausfällen.

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    Es ist der neue Begriff des Jahres 2019 in Kalifornien: "the new normal" – das neue Normal. So wie James Grasso von einer privaten Bürgerhilfe in Los Angeles sprechen viele davon, dass die Wetterbedingungen immer schlechter werden und keine schnelle Lösungen in Sicht seien. Es ist heißer, trockener als sonst – und das führt zu aggressiven Bränden, die sich schneller ausbreiten als sonst. Seit 2015 habe sich die Situation verschlechtert, sagt David Ford vom Stromversorger Edison. Und schon längst gebe es nicht mehr die klassische Feuersaison im Herbst, sondern die sei nun fast das ganze Jahr über zu erwarten.

    Die Stromversorger spielen eine ganz besondere Rolle – denn das neue Normal ist nicht nur eine Wetter- oder Feuerkrise, sondern auch eine Versorgungskrise. Marode Stromleitungen waren nämlich für viele der schlimmsten und tödlichsten Brände in den vergangenen Jahren verantwortlich. 13,5 Milliarden Dollar muss PG&E, der größte Stromversorger Kaliforniens, an Entschädigung für Betroffene zahlen, die zwischen 2015 und 2018 Opfer von Bränden wurden, verursacht durch defekte Stromleitungen.

    Misswirtschaft der Stromkonzerne

    Das trieb den Konzern in die Insolvenz – und aus Angst vor neuen Tagen schalteten die Stromversorger den Strom gleich lieber ganz ab. Millionen Menschen waren davon betroffen, teilweise mehrere Tage lang. Die Stromkonzerne hätten jahrelang Misswirtschaft betrieben, sagt der Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom:

    "Das ist ein klassisches Beispiel für unternehmerische Gier. Und die wurde mit vielen Leben bezahlt. Wir werden uns PG&E genau anschauen, sie müssen völlig neu aufgestellt werden. Bedeutet auch, dass vielleicht die Regierung stärker eingreift in ihre Geschäfte. Wir brauchen ein modernes Unternehmen, das im 21. Jahrhundert den Ansprüchen von Millionen Kaliforniern gerecht wird!" Gavin Newsom

    Neue unterirdische Leitungen sind teuer

    Doch es gibt auch Kritik an der staatlichen Regulierungsbehörde, die die Stromkonzerne überwacht. Diese hätten die Konzerne dazu gebracht mehr auf umweltfreundliche Energie zu setzen, statt in die Sicherheit zu investieren. Das hieße: alte Leitungen austauschen, regelmäßig überwachen – und teilweise auch unterirdisch verlegen.

    Doch das ist eben teuer. Kalifornien will zudem die Speerspitze der umweltfreundlicheren Bundesstaaten anführen – und damit einen Gegenpol zu Washington bilden, wo der menschgemachte Klimawandel vom Präsidenten höchstpersönlich infrage gestellt wird.

    Greta Thunberg mit der lautesten Stimme

    Die Krux ist: Der Klimawandel begünstigt wohl eher das trockene Klima Kaliforniens und führt so zu mehr Waldbränden. Das sagen viele Wissenschaftler. Eine der lautesten Stimme in diesem Fall hatte in 2019 die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie hatte sich in Kalifornien mit Überlebenden des "Paradise Feuers" getroffen. Die Wildfeuer würden durch den Klimawandel verschlimmert und das sei nicht nur in Kalifornien so. Auch in anderen Regionen der Welt würden Menschen deswegen leiden.

    Ob Kalifornien, eine der innovativsten, modernsten Regionen der Welt mit dem Klimawandel und mit den Feuern in der Zukunft besser umgehen wird? Das bleibt zu hoffen, doch erst einmal scheint kurzfristig keine Besserung in Sicht.