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Das Milliardengeschäft der Schleppermafia | BR24

© picture-alliance/dpa

Symbolbild: Reisepass auf Dollarscheinen

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Das Milliardengeschäft der Schleppermafia

Jedes Jahr werden zehntausende Menschen nach Deutschland geschleust – etwa mit erschlichenen Touristenvisa oder Scheinarbeitsverträgen. Die Methoden werden dabei immer raffinierter. Ein Milliardengeschäft für die Schleppermafia.

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Im Verborgenen werden zehntausende Menschen nach Europa und nach Deutschland über kriminelle Netzwerke geschleust. Mit Erfüllungsgehilfen auf allen Ebenen und über Grenzen hinweg verschleiern die Schlepper ihre Geschäfte.

Mit erschlichenem Touristenvisum nach Europa

Die Schleuser verschicken eine Einladung eines fiktiven Gastgebers aus Polen an den Flüchtling, der mittlerweile aus einem Krisengebiet in einen Golfstaat oder nach Saudi-Arabien geflohen ist. Dort kann er mit dieser Einladung in der polnischen Botschaft ein Touristenvisum beantragen. Ebenso werden fingierte Bankunterlagen übermittelt, mit denen die angebliche Gastgeberin aus Polen für den Eingeladenen finanziell bürgt. Mit dem Touristenvisum können die Flüchtlinge dann ganz legal in den Schengen-Raum einreisen.

Prozess gegen Schleuserbande

So brachte ein syrisch-polnischer Familienverband etliche Syrer mit erschlichenen Touristenvisa über Polen nach Deutschland. Die Flüchtlinge zahlten pro Person durchschnittlich 8.000 Euro. In Deutschland angekommen, beantragten sie Asyl. Die Chefin des Schleuserringes ist zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Der Prozess gegen die Bande soll demnächst in Berlin beginnen.

Schleusung durch Scheinehen

Banden- und gewerbsmäßige Schleusung betreibt auch ein deutsch-indischer Schlepperring im sächsischen Eilenburg. Die Schleuser müssen jedoch keine harten Sanktionen fürchten, denn sie nutzen eine Gesetzeslücke. Die Kriminellen arrangieren Scheinehen zwischen rumänischen oder tschechischen Frauen auf der einen und indischen oder pakistanischen Männern auf der anderen Seite. Kostenpunkt: um die 20.000 Euro. Die Scheinehen werden häufig in Dänemark geschlossen, wo die Regelungen für Eheschließungen lockerer sind.

Verfolgung der Banden oft schwierig

Nach der Heirat meldet sich das Neu-Ehepaar bei einer deutschen Ausländerbehörde, meist mit einem Mietvertrag und einem Arbeitsvertrag, die die Schleuser beschaffen. Die Ehefrau aus Tschechien oder Rumänien erhält eine EU-Aufenthaltskarte, die auch für ihren Ehemann aus Indien und Pakistan gilt. Damit leben sie jetzt völlig legal in Deutschland. Für die staatlichen Sicherheitsorgane ist es schwer, auf nationaler Ebene erfolgreich gegen diese Banden vorzugehen.

Schlepper-Netzwerke wachsen schnell nach

Auch wenn es der Bundespolizei in den letzten Jahren immer wieder gelungen ist, Schlepper-Netzwerke zu zerschlagen, wachsen schnell neue Strukturen nach. Schlepper agieren über Ländergrenzen hinweg, die Ermittlungsbehörden können nur mithalten, wenn sie ebenfalls länderübergreifend kooperieren. Dafür bräuchte es den Willen aller europäischen Länder. Außerdem fordern Migrationsforscher, dass sich die irreguläre Migration nur durch eine gemeinsame Bekämpfung der Ursachen für die Flucht lösen lässt.

Lukratives Geschäft mit Menschenschmuggel

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass Menschenschmuggel mindestens so gewinnträchtig ist wie Drogen- und Waffenhandel – mit Gewinnen von bis zu sieben Milliarden Dollar pro Jahr. Im Vergleich: Weltweit werden jedes Jahr sechs Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe ausgegeben. Die Zahl der Flüchtlinge steigt und damit auch die Aussicht auf grenzenlose Milliardengewinne für skrupellose Schlepper.

Intensive Recherche: Insider und Geschleuste berichten

Zwei Jahre recherchierten Reporter des ARD-Magazins "FAKT" im Milieu der Schleppermafia und hatten Kontakt zu den Köpfen der kriminellen Netzwerke. Für die Reportage sprachen sie mit Insidern und Geschleusten. Sie begleiteten auch die Ermittlungsarbeit der Bundespolizei - ein exklusiver Einblick in die Methoden der international agierenden Banden.