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Flüchtlinge in Moria
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Michael Lehmann
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Flüchtlinge in Moria

Ein paar hundert Meter oberhalb von Vathi, dem Hauptort der griechischen Insel Samos, liegt das Registrierungszentrum, eines von fünf in Griechenland. Diese sogenannten "Hotspots" wurden nach dem EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei schnell hochgezogen.

Die Kapazität des "Hotspots" auf Samos beträgt offiziell nicht einmal 700 Menschen. Doch im Laufe der letzten drei Jahre wurden neben dem engen, streng bewachten Wohn-Container-Dorf immer mehr Zelte errichtet. Mehr als 4.000 Geflüchtete leben inzwischen in den Notbehausungen.

Zu wenige Helfer auf Samos

Ein Problem auf Samos sind die fehlenden Helfer. Große Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen" oder das UN-Flüchtlingshilfswerk haben auf der Insel deutlich weniger Personal im Einsatz als auf der weiter nördlich gelegenen Insel Lesbos.

Die etwa 50 Freiwilligen, die sich in der Aktion "Samos Volunteers" zusammengeschlossen haben, versuchen die Not zumindest ein wenig zu lindern, mit trockenen Räumen, einer Bücherei und Sprachkursen.

UN-Flüchtlingshilfswerk: Zahl der Flüchtlinge steigt

In den Athener Büros des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen, des UNHCR, werden die neuesten Entwicklungen an der Grenze zur Türkei jede Woche im Team besprochen.

An der Wand leuchten Diagramme und Kurven, die nach oben zeigen. 50.508 Geflüchtete, die im Jahr 2018 neu nach Griechenland kamen, hat das UNHCR offiziell erfasst. Im Jahr zuvor waren es noch 14.000 weniger.

Besonders auffällig dabei ist die Zahl der Neuankünfte im Evros-Gebiet. Über den Fluss Evros, der die Grenze zur Türkei markiert im Nordosten Griechenlands, sind im vergangenen Jahr mehr als 18.000 Menschen nach Griechenland geflüchtet.

Flüchtlinge kommen auch über das Festland

Die nordöstliche Provinz Griechenlands tut sich mit der stark gestiegenen Zahl von Flüchtlingen besonders schwer, denn die Gegend ist strukturschwach, auch viele Einheimische sind von der Krise besonders hart getroffen worden.

Inzwischen gibt es auch dort ein kleineres Registrierzentrum für Flüchtlinge – allerdings auch massive Probleme mit Schleusern, die vor allem nachts die neu über den Evros geschmuggelten Menschen in Minibussen über die Autobahn unerkannt nach Thessaloniki oder gleich weiter in nördliche Länder bringen wollen.

Eigentlich könnte Griechenland hart sein – und alle Flüchtlinge, die in Schlauchbooten auf den Stränden der Ägäis-Inseln anlanden, sofort wieder zurückschicken in die Türkei. Einmal kurz die Fingerabdrücke abnehmen, den Namen registrieren und dann abschieben - innerhalb von drei Tagen. Ruckzuck zurück – so sollte das gehen mit dem EU-Türkei-Abkommen vom März 2016.

Keine Solidarität in der EU

Doch der griechische Migrationsminister Dimítrios Vítsas winkt ab. Nein, so gehe das eben nicht. Er schüttelt den Kopf. Das verstoße gegen die Genfer Flüchtlingskonvention. Der Minister findet die Zustände in den Lagern auf den Inseln auch schlimm. Er will die Asyl-Verfahren beschleunigen. Vor allem aber fordert er Solidarität von den anderen EU-Ländern. Die sollen bitte direkt aus diesen Lagern Flüchtlinge übernehmen und Griechenland mit seiner EU-Außengrenze nicht im Stich lassen. Doch die anderen EU-Länder winken ab. Mit der Folge, dass jeder Flüchtling, der von der Türkei aus die griechische Küste erreicht, letztlich in Griechenland bleibt.