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Schulkinder

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Bildrechte: dpa Peter Keffel
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    Das Corona-Schuljahr geht zu Ende: Ein Rückblick

    Maskenpflicht, Distanzunterricht, verpflichtende Selbsttests – das bayerische Schuljahr 2020/2021 geht heute mit dem letzten Tag vor den Sommerferien zu Ende. Die Bilanz fällt durchwachsen aus.

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    Sebastian KirschnerSebastian KirschnerOrtrun HuberOrtrun Huber
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    Nach den Sommerferien strömen am 8. September 2020 alle Schüler wieder zeitgleich in die Schulhäuser. Die Corona-Zahlen sind anfangs noch auf einem niedrigen Niveau – was sich bald ändern wird. Um den Unterricht im Schuljahr 2020/21 sicherzustellen, wurden laut Kultusminister Michael Piazolo 4.600 neue Lehrkräfte eingestellt. Zusätzlich sollen 800 sogenannte Team-Lehrer, also Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium, eingesetzt werden, um Lehrkräfte, die wegen Vorerkrankungen nicht in die Schule kommen können, im Klassenzimmer zu ergänzen.

    Neuer Rahmen-Hygieneplan

    Zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat das Kultusministerium einen "Rahmen-Hygieneplan" ausgearbeitet, der stolze 30 Seiten umfasst. Geregelt werden darin unter anderem die Maskenpflicht auf dem Schulgelände und im Unterricht, Vorgaben fürs Lüften, zur Einhaltung des Mindestabstands und zum Händewaschen. Ein Drei-Stufen-Plan staffelt diese Maßnahmen – ab einer Inzidenz von 35 soll beispielsweise die Maskenpflicht gelten.

    Schon in der ersten Woche des neuen Schuljahrs müssen sich die ersten Schüler und Lehrkräfte in Bayern in Quarantäne begeben. Coronabedingt werden auch ganze Klassen in Quarantäne geschickt und es kommt immer wieder zu Schulschließungen.

    Notendruck wegen Furcht vor Lockdown

    Aufgrund schwankender Infektionszahlen ist das Geschehen an den Schulen schwer planbar. Für Lehrkräfte steigt dadurch der Druck, möglichst früh schriftliche Noten einzuholen. Viele Schüler stöhnen bereits Anfang Oktober über Extemporalen, Kurzarbeiten und Schulaufgaben, die deutlich früher als in den Jahren zuvor geschrieben werden.

    Der Kultusminister zeigt dafür Verständnis und meint, das werde man nie ganz verhindern können. Der Lehrerverband sieht den Druck auf die Schüler als ein grundsätzliches Problem im bayerische Schulsystem.

    Warme Kleidung und CO2-Ampeln in den Klassenzimmer

    Der Herbst bringt die ersten Regenschauer und stürmische Kälte. Wegen des Lüftungsgebots in den Klassenzimmern gehören zunehmend Pullover, Schals und Decken zur Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler. Neben warmer Kleidung halten in den Klassenzimmern auch die ersten CO2-Ampeln Einzug: Anfang Oktober kündigt die Staatsregierung an, 37 Millionen Euro für mobile Luftreinigungsgeräte und CO2-Ampeln in Schulen zur Verfügung zu stellen.

    Harsche Kritik an Piazolo: Corona-Schulalltag zunehmend belastend

    Im November spitzt sich die Lage zu. In einem offenen Brief bemängeln Schülervertreter in Bayern das "digitale Chaos", die "Notenjagd", "überfüllte öffentliche Verkehrsmittel" und den unzureichenden Einsatz von Luftfilteranlagen. Zudem fordern die Schülervertreter, die Ende 2020 auslaufende Lizenz der virtuellen Besprechungsplattform Teams zu verlängern. Auch von Elternseite kommt es in einem Brandbrief an Kultusminister Piazolo zu heftiger Kritik.

    Unklarheit bei Schulschließungen

    Obwohl der Inzidenzwert in ganz Bayern über 50 liegt – in manchen Landkreisen sogar um ein Vielfaches –, gibt es Anfang November in so gut wie allen Schulen Präsenzunterricht. Lehrerverbände fordern klare Aussagen in der Frage, wann der Distanzunterricht kommt.

    "Man muss sich fragen, ob man noch die richtige Strategie verfolgt mit einem Stufenplan und Grenzwerten von 35 oder 50, die in der Realität aktuell um ein Mehrfaches übertroffen werden." Michael Schwägerl, Präsident Bayerischen Philologenverbands

    Am 2. November geht Deutschland in den Teil-Lockdown, doch die Schulen in Bayern bleiben auch nach den Herbstferien geöffnet. Dafür müssen nun überall, auch in den Grundschulen und im Sportunterricht, Masken getragen werden. Singen ist untersagt, es gibt mehr Aushilfslehrer und einen gemeinsamen Religionsunterricht im Klassenverbund statt nach Konfessionen aufgeteilt. Ob eine Schule geöffnet bleiben kann, entscheiden künftig die Gesundheitsämter vor Ort.

    Digitaler Unterricht: Schulen unterschiedlich gut vorbereitet

    Mitte November steigen die Corona-Infektionen und auch an den Schulen wird klar, dass ein Wechsel ins Homeschooling bald wieder ansteht. Doch noch immer sind nicht alle Schulen auf Distanz- und Wechselunterricht technisch gut vorbereitet. Zwar sind die meisten Schüler, wenn nötig, mit Leihgeräten versorgt. Doch bei den Dienstgeräten hapert es noch.

    Viele Lehrkräfte müssen nach wie vor ihre Privatgeräte im Unterricht nutzen. Und auch die Internetversorgung an den Schulen bleibt schwierig: In 10.000 bayerischen Klassenzimmern gibt es nach wie vor kein Internet. Ein Drittel aller Schulen besitzt kein WLAN und 36 Prozent der Schulen können keine digitalen Endgeräte für Homeschooling bereitstellen.

    Wechselunterricht geht wieder los

    Damit an den Schulen die Kontakte wieder deutlich reduziert werden, beginnt am 9. Dezember für Schüler ab der 8. Klasse in Bayern wieder der Wechselunterricht. Klassen werden also geteilt in zwei Gruppen, von denen eine in der Schule und eine zuhause unterrichtet wird. In Hotspots gibt es gar keinen Präsenzunterricht mehr. Nur Abschlussjahrgänge sind davon ausgenommen.

    Weihnachtsferien starten in Bayern früher

    Bayern zieht wegen Corona die Weihnachtsferien vor: Statt am 23. Dezember beginnen sie schon am 18. Dezember, damit in der fast einwöchigen Karenzzeit zwischen Schulunterricht und Weihnachten das Infektionsrisiko gesenkt wird. Eltern, die ihren Jahresurlaub schon aufgebraucht haben, können wieder eine Notbetreuung für ihre Kinder (Jahrgangsstufe eins bis sechs) beantragen.

    Lockdown: Verwirrung um "Distanzlernen"

    Am 18. Dezember ist es wieder soweit: Die Schulen machen komplett dicht. Für alle Abschlussklassen sowie die Q11 des Gymnasiums gebe es einen "verpflichtenden Distanzunterricht". Für alle anderen Schülerinnen und Schüler seien dagegen laut Kultusminister Piazolo "Angebote zum Distanzlernen" geplant. Dabei gehe es vorwiegend um eigenständiges Wiederholen, Üben und Vertiefen. Unterricht sei nicht geplant. Diese Wortwahl sorgt für Verwirrung. Zum Lockdown-Start fällt die Lernplattform Mebis allerdings wieder aus.

    Lernplattform: Mebis soll nach den Ferien besser funktionieren

    Nach den diversen Zusammenbrüchen der Lernplattform Mebis wird das System in den Weihnachtsferien unter Volllast getestet, damit es im neuen Jahr besser funktioniert - was es dann auch tut.

    Schulstart ins Home-Schooling

    Nach den Ferien ist vor dem Lockdown: Am 11. Januar gehen die bayerischen Schüler wieder in den Unterricht – zu Hause. Das Homeschooling wird die Schulfamilie bis Mitte März begleiten. Um Schülerinnen und Schüler zu entlasten, dürfen Lehrkräfte Schulaufgaben in den Jahrgangsstufen fünf bis zehn reduzieren.

    Test- und Maskenkonzept für Schulen und Kitas

    Die Staatsregierung beschließt Anfang Februar ein Testkonzept für Schulen und Kitas. Sobald Selbsttests zur Verfügung stehen, soll das Personal und auch Kinder an Schulen und Kitas mit Selbsttests für zwei freiwillige Testungen pro Woche ausgestattet werden. Umgesetzt wird dies - allerdings schleppend - erst einen Monat später. Mitte März sind in vielen Schulen noch keine Tests angekommen.

    Distanzunterricht belastet Schulfamilie

    Der wochenlange Distanzunterricht zehrt an den Kräften von Lehrkräften, Eltern und Schülern. Trotzdem bleiben die Schulen im Februar geschlossen. Betroffene sorgen sich um Lernfortschritt, Bildungsgerechtigkeit und die Psyche der Kinder. Wissenschaftler wie der Augsburger Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer warnen vor einer Bildungskatastrophe.

    Debatte um ausgefallene Faschingsferien

    Um versäumten Unterricht nachzuholen, hat die bayerische Staatsregierung die Faschingsferien gestrichen. Dagegen gibt es Proteste von Schülern und Eltern. Auch Verbände, Gewerkschaften und auch die Opposition im Landtag fordern – erfolglos – den Erhalt der Ferien.

    Grundschüler dürfen wieder in den Unterricht

    Ab dem 22. Februar wird für die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundschule und der Förderschule sowie für alle Abschlussklassen Wechselunterricht oder Präsenzunterricht mit Mindestabstand zugelassen. Für die übrigen Klassen und Jahrgangsstufen sowie Schularten bleibt es beim Distanzunterricht.

    Am 5. März gibt es an vielen bayerischen Schulen Zwischenzeugnisse – wegen der Schulschließungen drei Wochen später als geplant. Der Leistungsstand ist bei vielen Kindern schwer zu ermitteln, da sie im Distanzunterricht waren.

    Schulen und Kitas: Bayern will "Impfturbo" einschalten

    Lehrkräfte und Personal in Kitas sollen so schnell wie möglich geimpft werden. Allerdings hapert es Ende Februar noch bei der Terminvergabe. Vereinzelt haben Landkreise selbst die Initiative übernommen. Die Impfpriorisierung gilt übrigens nicht nur für pädagogisches Personal, sondern für alle in Schule und Kitas Beschäftigten, also zum Beispiel auch für Hausmeister oder Bürokräfte.

    Wieder Präsenzunterricht an Bayerns Schulen

    Am 15. März – genau ein Jahr nach dem ersten Schul-Lockdown – dürfen die meisten Schüler wieder zurück in den Unterricht. Manche Schüler haben die Schule seit elf Wochen nicht mehr von innen gesehen. Doch wegen fehlender Schnelltests, mangelnder Strategien für den Umgang mit positiven Corona-Befunden und der geringen Zeit für schwächere Kinder und Jugendliche schlagen Bayerns Lehrerverbände und Gewerkschaften Alarm. Wissenschaftler befürchten, dass aufgrund der zunehmenden Inzidenzwerte die Schulen sehr bald wieder schließen müssen.

    Schule trotz steigender Inzidenzen

    Mit Start nach den Osterferien, zum 12. April beschließt die Staatsregierung eine Corona-Testpflicht an allen Schulen. Das Ziel: Der Unterricht soll trotz steigender Coronazahlen weiter stattfinden können. Dazu sollen sich nun auch Schülerinnen und Schüler in der Klasse am Platz selbst testen, und das mindestens zweimal pro Woche. Nur wer einen negativen Test nachweisen kann, darf am Unterricht teilnehmen. Das Testen zuhause lehnt das Kultusministerium ab, es fürchtet Schummeleien bei den Tests.

    Keine Testpflicht für Abiturienten, kein Notendruck für weitere Schüler

    Genau einen Monat später, zum Beginn der schriftlichen Abiturprüfungen am 12. Mai wird diese Testpflicht für Abiturienten aufgehoben. Die Begründung des Kultusministeriums: Tests können nur dann Pflicht sein, wenn es alternativ Distanzangebote gibt. Weil aber das Abitur aus Sicht des Ministeriums so wichtig ist und in Präsenz stattfinden muss, können die Tests nur freiwillig sein. Für die Schulen ist der damit verbundene Organisationsaufwand beim Abitur enorm. Für alle anderen Schülerinnen und Schüler soll es hingegen nach den Pfingstferien keine Schulaufgaben und damit keinen Notendruck mehr geben, verkündet der Kultusminister.

    Aufregung um das Abitur

    Am 19. Mai ist die Aufregung um das bayerische Abitur groß. Die Mathe-Prüfungen seien viel zu schwer gewesen, heißt es von Schülern, Eltern und auch etlichen Lehrkräften. Mit einer Petition wollen sie eine faire Benotung erreichen. Das Kultusministerium weist die Kritik an der Aufgabenstellung zurück.

    Endlich wieder Schule

    Anfang Juni, nach Ende der Pfingstferien – und Monaten des Homeschoolings kehren viele Schüler ins Klassenzimmer zurück. Überall dort, wo der Inzidenzwert unter 50 liegt, startet wieder der Präsenzunterricht. Gleichzeitig startet das Kultusministerium "gemeinsam.Brücken.bauen". Mit diesem Programm will die bayerische Staatsregierung durch die Schulschließungen entstandene Lerndefizite abfedern: In den Wochen zwischen Pfingsten und den Sommerferien sollen Schüler sich wieder an Präsenzunterricht gewöhnen, verpasster Stoff soll soweit wie möglich aufgeholt werden.

    Maskenpflicht aufgehoben

    Seit 1. Juli gilt neben Grundschulen nun auch an weiterführenden Schulen keine Maskenpflicht mehr am Platz, wenn die Inzidenz unter 25 liegt. In der Woche darauf beginnen die Abschlussprüfungen für die Mittel- und Realschüler. Beim Abitur hat sich inzwischen herausgestellt: Der Notenschnitt ist insgesamt noch besser ausgefallen als in den Vorjahren – wieder einmal, und das trotz Corona.

    Sommerferien mit Sommerschule

    Am 29. Juli endet das Schuljahr 2020/2021. Rund 1,4 Millionen Schülerinnen und Schüler bekommen ihre Zeugnisse. Tags darauf soll die zweite Phase im Förderprogramm "gemeinsam.Brücken.bauen" starten: die freiwillige Sommerschule. Wer möchte, kann in der ersten und in der letzten Woche der Sommerferien Lernstoff nachholen.

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