Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Daimagüler: Parallelen zwischen Lübcke-Mord und Taten des NSU | BR24

© Bayern 2

Mordfall Walter Lübcke - die Bundesanwaltschaft stuft den Mord als rechtsextremistisch ein. Ist es die Tat eines einzelnen oder steckt ein Netzwerk dahinter? Mehmet Daimagüler war Nebenklage-Anwalt beim NSU-Prozess.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Daimagüler: Parallelen zwischen Lübcke-Mord und Taten des NSU

Mordfall Walter Lübcke - die Bundesanwaltschaft stuft den Mord als rechtsextremistisch ein. Ist es die Tat eines einzelnen oder steckt ein Netzwerk dahinter? Mehmet Daimagüler war Nebenklage-Anwalt beim NSU-Prozess.

Per Mail sharen

Der NSU-Nebenklageanwalt Mehmet Daimagüler sieht Parallelen zwischen dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und den Taten des NSU. Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt sagte er:

"Zunächst einmal haben wir hier die rechtsextreme Ideologie, aber wir haben auch die Tatausführung. Ein elementarer Teil der Ausführung im NSU war, keine Bekennerschreiben zu hinterlassen, weil das auch nicht notwendig ist. Weil die Zielgruppe sehr genau weiß, woher diese Gewalt kam und dadurch die Verunsicherung noch höher ist, als wenn man sich direkt bekennen würde."

Daimergüler spricht von Netzwerk hinter Lübcke-Mord

Daimergüler glaubt nicht daran, dass für den Mord an Lübcke ein einzelner verantwortlich ist. Auch im NSU-Kontext sei immer von einer isolierten Zelle gesprochen worden. Dies sei "Unfug". "Wir reden hier von Leuten, die innerhalb eines großen Netzwerkes agieren", so Daimagüler.

Lübckes Name stand auf einer Liste des NSU. Daimagüler wirft den Sicherheitsbehörden Untätigkeit im Zusammenhang mit dieser Liste vor. Sie sei seit acht Jahren bekannt. Es würden sehr viele Privatpersonen auf dieser Liste stehen:

"Ich glaube, dass es lokale Helfershelfer gibt, lokale Netzwerke, die eine Todesliste erstellt haben [...] Diese Liste ist nie vernünftig ausgewertet worden, bis heute nicht. Das Resultat ist, dass gerade die Nicht-Prominenten auf der Liste bis zum heutigen Tage völlig ungeschützt sind."

Daimergüler: im Netz öffentliche Aufrufe zum Mord

Zudem seien die allermeisten aus dem NSU-Netzwerk noch auf freiem Fuß und die gesellschaftliche Stimmung habe sich in den letzten zehn Jahren noch einmal angeheizt. Polizei und Verfassungsschutzbehörden würden gleichzeitig behaupten, dies seien alles Einzelfälle. "Ich finde, wir haben total viele Einzelfälle in Deutschland", so Daimagüler.

"Wenn man sich in den einschlägigen Foren umschaut und da die Kommentarlisten liest, da wird öffentlich zu Mord und Totschlag aufgerufen."