Eine Studie hat ergeben, dass sich der Zyklus der Teilnehmerinnen nach einer Impfung im Durchschnitt um 0,71 Tage verlängert.
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Eine Studie hat ergeben, dass sich der Zyklus der Teilnehmerinnen nach einer Covid-Impfung im Durchschnitt um 0,71 Tage verlängert.

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    Studie: Covid-Impfung kann Menstruationszyklus verlängern

    Studie: Covid-Impfung kann Menstruationszyklus verlängern

    Ein veränderter Zyklus nach der Covid-Impfung: Davon berichteten im vergangenen Jahr immer wieder Frauen - die Studienlage dazu war aber schlecht. Nun gibt es eine groß angelegte internationale Studie, die eine Verlängerung belegen konnte.

    Eine Ende September veröffentlichte medizinische Studie hat ergeben, dass sich der Zyklus der Studienteilnehmerinnen nach einer Impfung gegen Covid-19 im Durchschnitt um 0,71 Tage verlängert hat. Die Wissenschaftler von der Oregon Health & Science University benutzten für ihre Forschung die Daten von rund 20.000 Nutzerinnen einer App für Empfängnisverhütung.

    Schon im vergangenen Jahr berichteten Frauen, dass ihr Zyklus nach einer Covid-Impfung anders ablief. Der #Faktenfuchs griff das Thema auf, damals war die Studienlage aber noch schlecht. Unter anderem, weil in den Zulassungsstudien für die Impfstoffe eine Zyklusveränderung nicht abgefragt wurde.

    Ob diese mit der Impfung zusammenhingen, wie häufig diese auftraten, wie schwerwiegend sie waren oder weshalb sie überhaupt auftraten - zu all diesen Fragen gab es damals keine belastbaren Aussagen. Nur Vermutungen.

    Zyklus verlängert sich um einen Dreivierteltag

    Jetzt liefert eine internationale Studie zumindest auf eine Frage eine Antwort: Der Zyklus verlängert sich nach der ersten Covid-Impfung im Durchschnitt um 0,71 Tage, nach der zweiten Impfung um durchschnittlich 0,56 Tage. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei der Untergruppe von Teilnehmerinnen, die zwei Impfungen innerhalb eines Zykluses erhalten hatten. Bei ihnen verlängerte sich der Zyklus um durchschnittlich 3,7 Tage. Die Dauer der Menstruationsblutungen veränderte sich nach der Impfung allerdings nicht, schreiben die Studien-Autorinnen.

    Die Studie sei aufgrund der erfassten Anzahl an Frauen, Zyklen und Impfstoffen aussagekräftig, schreibt auf BR24-Anfrage Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar. Die durchschnittlichen Zyklusveränderungen seien minimal. Das sei beruhigend, sagt Kiechle, die Inhaberin des Lehrstuhls für Gynäkologie an der Technischen Universität München (TU) ist.

    Keine Hinweise auf Veränderung der Fruchtbarkeit

    Die an der Studie beteiligte Gynäkologie-Professorin Alison Edelmann sagte der US-Gesundheitsbehörde NIH, dass dieser Effekt für die meisten Teilnehmerinnen vorübergehend war und nur einen Zyklus lang anhielt. Außerdem gebe es keine Indizien, dass dies irgendwelche Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit habe, sagte Edelman.

    Auch TU-Professorin Marion Kiechle schreibt: "Die Impfung ist hinsichtlich der Fertilität unbedenklich." Es sei aber wichtig, Frauen auf eine mögliche Zyklusveränderung vor der Impfung hinzuweisen. "Damit kann man vielen Ängste nehmen." Sie habe an ihrer Klinik die Erfahrung gemacht, dass die Besorgnis der Frauen insgesamt abgenommen habe, weil sie über dieses Phänomen schon informiert seien.

    Ursache der Veränderungen ist weiter nicht nachgewiesen

    Die Studie war nicht darauf ausgelegt, andere Veränderungen des Zyklus festzustellen, wie zum Beispiel stärkere Blutungen oder Schmerzen. Diese Aspekte müsse die zukünftige Forschung beachten, stellte das Forschenden-Team fest.

    Die Ursache der Zyklusveränderung stand ebenfalls nicht im Fokus der Studie. Wahrscheinlich sei ein Zusammenhang mit der Aktivierung des Immunsystems nach der Impfung, schreiben die Wissenschaftlerinnen. Das zu beweisen sei aber ebenfalls noch eine ausstehende Aufgabe.

    In der Studie waren die gängigen Impfstoffe vertreten

    Für die Studie wurden die Daten von knapp 20.000 Personen weltweit genutzt, die eine App zur Empfängnisverhütung benutzten und dort Angaben zu ihrem Zyklus und der Impfung anonymisiert eintrugen. Von diesen Personen ließen sich zwischen Januar und Oktober 2021 circa 15.000 gegen Covid-19 impfen.

    In der Kontrollgruppe der Ungeimpften, die mit der Gruppe der Geimpften verglichen wurde, befanden sich über 4.600 Personen. In der Geimpften-Gruppe waren die Impfstoffe von Pfizer-BioNTech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson vertreten. Um die Veränderungen festzustellen, wurden zum Beispiel von allen geimpften Teilnehmerinnen mindestens drei Zyklen vor und ein Zyklus nach der ersten Impfung erfasst.

    Einschränkung: Probandinnen waren höchstens 45 Jahre alt

    Die Studie hat allerdings einige Einschränkungen. So waren die Teilnehmerinnen alle zwischen 18 und 45 Jahre alt. Außerdem benutzten sie keine hormonellen Verhütungsmittel. Im Datensatz waren auch keine Personen mit gynäkologischen Krankheiten sowie unter- und übergewichtige Menschen enthalten. Dadurch seien viele Personengruppen in dieser Untersuchung nicht repräsentiert, so die Autorinnen.

    Zyklusveränderungen seien theoretisch auch bei anderen Impfungen denkbar, "da auch hier eine Immunreaktion ausgelöst wird", schreibt Gynäkologie-Professorin Marion Kiechle auf BR24-Anfrage. Die Impf-Nebenwirkungen Fieber und Unwohlsein könnten zu solchen Verschiebungen führen.

    Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.