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Countdown Mauerfall: "Wir sind das Volk!"- Wer bitte?|24.10.1989 | BR24

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Original-Protestplakate der Jahre 1989/90 im Deutschen Historischen Museum Berlin

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Countdown Mauerfall: "Wir sind das Volk!"- Wer bitte?|24.10.1989

Eine Parole ist es, die auf den Demonstrationen jetzt alle anderen übertönt. Die Stasi selbst hat sie dokumentiert - ebenso eine Demonstrantin aus Plauen. Wer hat die berühmten vier Worte zuerst gerufen? Was hat er gemeint? Und was meinen wir heute?

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Dienstag, 24. Oktober 1989. Manchmal scheint es in diesen Tagen, Weltpolitik werde überwiegend auf der Straße gemacht. Doch natürlich ringen auch die Volksvertreter und Machthaber in und hinter den Kulissen um den weiteren Fortgang der Ereignisse.

Heute macht der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse eine ungewohnt deutliche Ansage: Er bezeichnet die Invasion Afghanistans als schweren Fehler der UDSSR. Gleichzeitig bietet er dem Westen Verhandlungen über die Auflösung der beiden Militärblöcke Warschauer Pakt und NATO an. Das Volk hüben wie drüben vernimmt die Kunde in der Tagesschau.

Es sind noch 16 Tage bis zum Fall der Mauer.

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Schewardnadse (r.) mit dem deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher (links vorne) bei Abrüstungsverhandlungen im Januar 1989 in Paris.

Vier Worte, die Geschichte machen

Das Volk (Ost) stellt unterdessen fest, dass es am gestrigen Montag in nie gekannter Zahl für mehr Demokratie demonstriert - und sich dabei ungewohnt lautstark artikuliert hat. Vor allem vier Worte sind immer wieder zu hören.

„Wir sind das Volk!“

Subjekt, Prädikat, Objekt. Doch von wem stammt die Parole, die die Mauer öffnen soll, wer hat sie zuerst gerufen? Stasi und Volkspolizei haben im Herbst der Wende mehr als 2.000 verschiedene Parolen der Demonstranten mitgeschrieben. Auf der Gegenseite hält Demonstrantin Anneliese Saupe das Geschehen mit Kamera und Notizblock fest und schmuggelt ihre Aufzeichnungen in den Westen.

© BR

#BR24Zeitreise: Wie Anneliese Saupe aus Plauen die Wende dokumentiert.

Der Ruf „Wir sind das Volk“ taucht in den Aufzeichnungen der Stasi zum ersten Mal am 8. Oktober auf.

Schon zuvor hatten einige DDR-Bürger ...

„Wir sind EIN Volk!“

... gerufen - gemeint als Appell an die Einsatzkräfte, auf Gewalt zu verzichten.

Aus „Wir sind ein Volk“ ist „Wir sind das Volk“ geworden – gerichtet an die Adresse der SED. Nach dem Mauerfall überwiegt bald wieder das "Wir sind ein Volk". Dann geht es um den wachsenden Wunsch nach deutscher Einheit, dem die DDR-Staatsmacht wenig entgegenzusetzen hat.

Und heute?

Mit dem 3. Oktober 1990 sind die Deutschen tatsächlich wieder EIN Volk. Wer DAS Volk sein soll, lässt sich auch 30 Jahre später nicht eindeutig feststellen.

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Demonstration des rechtspopulistischen Bündnisses "Pro Chemnitz" am 7.9. 2018 in Chemnitz (Sachsen)

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Protest gegen eine Pegida-Demo am 26.1.2015 in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg)

…und morgen im Countdown Mauerfall: Wie die Führung der DDR versucht, das Heft des Handelns zurückzuerobern.

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

Alle Beiträge und mehr unter br24.de/mauerfall