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Countdown Mauerfall: Wer zu spät kommt|21.10.1989 | BR24

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Karikatur des in der DDR sehr populären Presse- und Comiczeichners Willy Moese (1927-2007)

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Countdown Mauerfall: Wer zu spät kommt|21.10.1989

Im ZDF bekommt Marcel Reich-Ranicki einen "Bambi". Im diplomatischen Dreieck Berlin (Ost), Bonn und Moskau ist die Wahrheit ein scheues Reh: Selbst Gorbatschows "wer zu spät kommt ..." wird falsch übersetzt. Noch 19 Tage bis zum Mauerfall ...

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Ein Samstag. Kaum jemand hätte es anfangs für möglich gehalten, doch das „Literarische Quartett“ läuft seit eineinhalb Jahren erfolgreich im ZDF – dank Marcel Reich-Ranicki, der dafür an diesem Abend den Medienpreis „Bambi“ bekommt und ihn gern annimmt. Knapp 20 Jahre nach Literatur-Bambi und Mauerfall soll er das "goldene Reh" erneut bekommen - lehnt aber ab und liest dem Fernsehen die Leviten.

Am 21. Oktober 1989 sind noch 19 Tage bis - auch im Westfernsehen - die Mauer fällt.

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Marcel Reich-Ranicki

Ein guter Rat unter Genossen

Auch der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow hat mit Rehen eher wenig am Hut - anders als der fast schon fanatische Jäger Erich Honecker. Nur was politische Reformen betrifft, muss der Russe den ersten Waidmann der DDR zum Jagen tragen. Seinen berühmten Rat an den DDR-Genossen - „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ - hat er so allerdings nie formuliert. Wörtlich übersetzt lautet das Zitat:

„Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren".

Moskau legt nach

Das war vor zwei Wochen, am 7. Oktober, bei Gorbatschows Ost-Berlin-Besuch zur Feier von "40 Jahren DDR". Jetzt legt eine sowjetische Zeitung nach, kritisiert erstmals den Personenkult um Honecker und fasst zusammen: Die DDR-Führung habe eine Mauer ohne Fenster und Türen errichtet.

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Politbüro-Mitglied Günter Schabowski am 21. Oktober 1989 im Gespräch mit Demonstranten

In Ostberlin sind auch an diesem Tag wieder Tausende auf den Straßen: Gegen brutale Übergriffe durch die Staatssicherheit und für Reisefreiheit. Politbüromitglied Günter Schabowski versucht vor Ort zu beschwichtigen. Die Reisefrage sei eine Frage "äußerster Priorität" und daher schon nächste Woche auf der Tagesordnung.

Der eiserne Vorhang hat Risse bekommen, doch wird er sich auch heben über der DDR? An diesem 21. Oktober gibt es darauf noch keine Antwort, oder um mit Reich-Ranicki zu sprechen:

"Wir sehen betroffen / den Vorhang zu / und alle Fragen offen …"

…und morgen: Walter Momper und die Angst vor dem Schießbefehl.

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

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