Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Countdown Mauerfall: Untergrundblätter und Stoßgebete|22.10.1989 | BR24

© dpa

Konspirative Botschaften an der Nikolaikirche Leipzig

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Video-Inhalten

Countdown Mauerfall: Untergrundblätter und Stoßgebete|22.10.1989

Der Westen guckt Formel 1 und experimentiert mit neuen, "transrapiden" Fortbewegungsarten. Im Osten machen sich Umweltschützer nicht nur um die Natur Sorgen: Endet die friedliche Revolution blutig? Wir schauen auf beide Seiten der Mauer.

Per Mail sharen
Teilen

22. Oktober 1989, ein Sonntag. Der Franzose Alain Prost wird zum dritten Mal Formel-1-Weltmeister. Der Liter Normal-Benzin kostet im Schnitt 1 D-Mark 10. Im Emsland macht man sich Gedanken um die Mobilität der Zukunft: Hier dreht die Magnetschwebebahn Transrapid ihre Proberunden - bald, so die Planung der Politik, könnte sie quer durch Deutschland brausen.

Es sind noch 18 Tage bis zum Fall der Mauer.

© dpa

Transrapid-Teststrecke im Emsland

Drüben: Der "Telegraph" bringt Nachrichten aus dem Untergrund

Im Kohlenkeller der Zions-Kirchengemeinde in Ost-Berlin drucken Regimekritiker derweilen eine neue Ausgabe des "Telegraph". Die Untergrundzeitung heißt ursprünglich "Umweltblätter", ist das Sprachrohr der "Umwelt-Bibliothek", einer Gruppe ökologisch und pazifistisch orientierter Ostberliner. Seit Oktober 1989 erscheint das Blatt in Kooperation mit anderen Untergrundredaktionen unter neuem Namen und regelmäßig - übrigens bis heute.

Es sind damals oft nur wenige Seiten, die per Hand verteilt oder in den Kirchen ausgelegt werden. Aber sie helfen bei der Verbreitung der oppositionellen Ideen und Aktionen.

Galerie: Kirchlicher Widerstand in der DDR

© dpa

Kirche, wie sie auch die SED schätzt: In Reih und Glied und auf Harmonie bedacht wie der Thomanerchor in Leipzig. Doch in vielen Gemeinden ...

© dpa

... werden längst andere Töne laut - hier bei einem Konzert staatskritischer Künstler in der Berliner Erlöserkirche am 19. Oktober 1989.

© dpa

Die "Umweltbibliothek" der Berliner Zionskirche prangert seit 1987 den ökologischen Raubbau der DDR an. Hier erscheint auch der "Telegraph".

© dpa

Selbst das gemeinsame Fasten ist jetzt ein Akt des Widerstands - oder wird von der Partei entsprechend gedeutet .

© Demonstration an der Nikolaikirche Leipzig

In Leipzig zählt die Nikolaikirche zu den Zentren des Widerstands. Hier geraten Demonstranten und Staatsmacht 1989 mehr als einmal aneinander.

>>>Hier lesen Sie mehr zur Rolle der Kirchen in der DDR und nach der Wende.

In der Ausgabe vom 22. Oktober bezeichnen die Verfasser die von der DDR-Regierung angekündigten Reformschritte als bloße Mittel zur Volksberuhigung. Und dann folgen Zeilen, die sehr klarsichtig analysieren, welche Möglichkeiten dem Regime jetzt noch bleiben: Entweder die SED gibt scheibchenweise ihre Macht ab - oder aber sie bricht den Widerstand der Bürger mit Gewalt.

Das Vorgehen der Polizei in den vergangenen Tagen gibt wenig Anlass zur Hoffnung.

© BR

#BR24Zeitreise: Oppositionelle beklagen Polizeigewalt

Mompers Stoßgebet: Keine Gewalt!

Die Gefahr einer Eskalation sehen auch die Politiker im Westen. Der damals Regierende Berliner Bürgermeister Walter Momper erinnert sich:

"Du wusstest ja nie - vielleicht versuchen sie es doch nochmal? Der sensibelste Punkt war natürlich die Grenze. Im Februar war Chris Gueffroy noch totgeschossen worden, als er versucht hatte, in den Westen zu flüchten. Diese Sorge hat uns nie verlassen - bis weit ins Jahr 1990 hinein. Da gab es immer noch Situationen, wo die Gewalt knisterte. Aber Gott sei Dank ist sie nie zum Ausbruch gekommen."

…und morgen im Countdown Mauerfall: Tränen der Freude in Budapest - Ungarn ruft die Republik aus und kehrt heim nach Europa.

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

Alle Beiträge und mehr unter br24.de/mauerfall