Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Countdown Mauerfall: Schul-Aus für Margot H.|31.10.89 | BR24

© BR

DDR-Fibel (ausgestellt im Schulmuseum Pirna)

2
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Countdown Mauerfall: Schul-Aus für Margot H.|31.10.89

Nena aus Hagen nimmt ein Lied über Wunder auf. Für Katja aus Ostberlin ist es ein Wunder, dass sie wieder in die Schule darf. Für Margot aus Halle ist der Unterricht vorbei ... Unser Countdown zur Freiheit: Tag für Tag, auf beiden Seiten der Mauer.

2
Per Mail sharen
Teilen

31. Oktober 1989, ein Dienstag. Zwei Jahre nach der Auflösung ihrer Band ist das erste Solo-Album von Nena fertig. Die Single heißt: Wunder geschehen…

In weniger als zwei Wochen wird Nena das Lied beim ersten und vielleicht größten "gesamtdeutschen Konzert" spielen, das sie mit Nina Hagen, Silly, Udo Lindenberg und vielen anderen in der Berliner Deutschlandhalle gibt.

Es sind noch neun Tage bis zum Mauerfall.

© dpa

"Nur geträumt": Nena 1982 in der ARD-Sendung "Musikladen".

© dpa

"Wunder gescheh'n": Nena 1990 bei einer Autogrammstunde in Ostberlin .

© dpa

"Neues Land": 2011 muss die Deutschlandhalle, in der Nena 1989 mit vielen Ost-Bands aufgetreten ist, zusätzlichen Messehallen Platz machen.

Katja darf wieder zur Schule. Susanne bleibt in Haft

Für Katja aus Ost-Berlin, die 1989 etwas jünger ist als Nena zur Zeit ihres ersten Hits "Nur geträumt", ist es tatsächlich wie ein Wunder. Seit heute darf sie wieder zur Schule gehen. Ein Jahr lang war die Abiturientin suspendiert gewesen, weil sie ihre Meinung gesagt und kritische Fragen gestellt hatte, zum Beispiel zu den militärischen Aufmärschen in der DDR.

Auch und gerade gegen junge Leute geht die DDR schonungslos vor. Während Katja wieder zur Schule darf, sitzt die 19-jährige Susanne im Gefängnis. Verurteilt wurde sie vom Bezirksgericht Berlin-Prenzlauer Berg wegen "öffentlicher Herabwürdigung der Republik": sie hatte auf Flugblättern zur Solidarität mit den Oppositionsgruppen aufgerufen. Dafür muss sie in Einzelhaft. Zuvor haben Stasi-Beamte von ihr wie von vielen Regimekritikern eine Geruchsprobe archiviert, die den Polizeihunden des Staates helfen soll, sie später gegebenenfalls wieder aufzuspüren.

© BR

#BR24Zeitreise: Politische Strafjustiz - der Fall Susanne Böden

Margot H.: Schul-Aus für eine Unbelehrbare

In den Augen von Margot Honecker ist Verhalten wie das von Katja und Susanne unbedingt strafwürdig. Die Gattin des zurückgetretenen Staatsratsvorsitzenden ist bis zu diesem Tag "Volksbildungsministerin" der DDR und bei vielen noch verhasster als ihr Mann. 1949 - im gleichen Jahr, in dem sie Erich kennengelernt hat - ist sie mit 22 Jahren als jüngste Abgeordnete in die erste DDR-Volkskammer eingezogen. Seit 1963 versucht sie als oberste Erzieherin der DDR, die Jugend an den Staat zu binden - notfalls mit Gewalt.

Margot Honecker organisiert Ganztagsschulen mit Schulessen; zugleich führt sie den berüchtigten "Wehrkundeunterricht" an der Waffe ein, konzipiert Ferien- wie Umerziehungslager für aufmüpfige Jugendliche und lässt Kinder von "Republikflüchtlingen" in regimetreuen Familien aufwachsen. Unter Honeckers Leitung werden kritische Schüler zu Hunderten vom Lernbetrieb ausgeschlossen.

© dpa

Miniaturausgaben von Margot und Erich Honecker vor dem "Palast der Republik" (in der Miniaturwelt Mini Big City Berlin)

Noch im Juni verkündet die kommunistische First Lady im Palast der Republik, der Sozialismus habe "unwiderruflich gesiegt". Jetzt wird der Widerstand der Bürger auch an den Schulen massiv. Unter dem wachsenden öffentlichen Druck folgt Margot Honecker ihrem Mann in den unfreiwilligen Polit-Ruhestand.

Gleichzeitig nimmt das Bildungsministerium den Schulverweis für etliche Gymnasiasten zurück. Auch an der nach dem deutschen Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky benannten Ostberliner Schule, die Katja besucht hat. Ab sofort ist sie rehabilitiert und wird nach der Wende ihr Abitur machen. Der 31. Oktober 1989 ist ihre ganz persönliche Wende.

© dpa

Erster Schultag in der DDR, etwa 1984

© dpa

Herbst 1989: Bisher waren "Wandzeitungen" Propagandainstrumente. Jetzt gestalten die Schüler sie selbst.

© dpa

Dezember 1989: Demonstrierende Schüler in Leipzig.

…und morgen im Countdown Mauerfall: Egon Krenz trifft Gorbatschow und stilisiert sich dabei als Initiator der Wende.

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

Alle Beiträge und mehr unter br24.de/mauerfall