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Countdown Mauerfall: Partei jubelt, Volk flieht | 13.10.1989 | BR24

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Jubiläumsbriefmarke: 40 Jahre DDR

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Countdown Mauerfall: Partei jubelt, Volk flieht | 13.10.1989

40 Jahre DDR! Und eine Westdeutsche wird als 50.000. Besucherin der Jubiläumsschau in Ost-Berlin begrüßt. Ossi Kai Pflaume hat sich da schon verabschiedet und trifft im Westen ein. Der Countdown zur Freiheit: Tag für Tag, auf beiden Seiten der Mauer.

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13. Oktober 1989, ein Freitag. Lehrerin Paula Jaschinski hat mit manchem gerechnet, aber nicht mit Blumen. Sie ist zu Besuch bei ihrer Tochter in Westberlin und macht heute einen Abstecher in den Ostteil der Stadt. Als sie dort das Museum für Deutsche Geschichte betritt, wartet schon ein Empfangskomitee auf sie: Frau Jaschinski ist die 50.000 Besucherin der Jubelschau „40 Jahre DDR“. Dafür drückt ihr der freundliche Ausstellungsleiter einen Blumenstrauß und einen Bildband in die Hand.

Zur gleichen Zeit vermacht in München der Passauer Stadtrat Alois Ortner dem Deutschen Museum zwei besondere Zeitdokumente: Zwei Trabi-Exemplare (Jahrgang 1961 und 1967), mit denen DDR-Übersiedler über Ungarn und Österreich nach Bayern geflüchtet sind.

Es sind noch 27 Tage bis zum Fall der Mauer.

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13. Oktober 1989: Zwei Trabbis fürs Deutsche Museum

Während also an diesem 13. Oktober ein frischer Blumenstrauß und zwei nicht mehr ganz so frische Trabbis mit amtlicher Billigung im Westen ankommen, ist das für die meisten DDR-Bürger noch nicht möglich.

Der Massenexodus hat begonnen

Zwar haben sich seit dem Sommer tausende DDR-Bürger über Ungarn und Österreich - illegal, aber relativ ungehindert - in den Westen abgesetzt. Am 30. September kann Außenminister Hans-Dietrich Genscher ein paar hundert weiteren Menschen, die sich in die Prager Botschaft geflüchtet hatten, mitteilen, dass ihre Ausreise genehmigt wurde - wobei ihm ein Deggendorfer das Megaphon hielt.

Doch noch immer warten in Warschau und in Prag Tausend auf die Erlaubnis, ihr Land zu verlassen. Ganz zu schweigen von den Millionen, die bisher vergeblich hoffen, den Eiffelturm in Paris oder den Onkel in Straubing zu besuchen.

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Zeitreise: 40 Jahre DDR - Jubel und Proteste

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Zeitreise: Via Ungarn rüber in den Westen

"Man verlässt weit mehr als sein Land"

Kai Pflaume ist einer, der den Sprung schon im Sommer gewagt hat. Der spätere Fernsehmoderator ist damals 22 Jahre alt. Über Ungarn hat er es in die BRD geschafft und kommt dort bei seiner Tante unter:

"Man verlässt da weit mehr als sein Land. Man verlässt seine Familie - ich hab meine Eltern zurückgelassen. Man weiß ja auch erstmal nicht, was auf einen zukommt. (...) Ich habe mich trotzdem bewusst dafür entschieden. Meine Eltern haben mir und meinem sechs Jahre älteren Bruder gesagt: Wenn ihr an einen Punkt kommt, wo ihr das Gefühl habt, ihr müsst etwas ändern, in den Westen gehen, dann tut das. Ich war dann sehr froh, dass die Mauer so schnell gefallen ist und ich meine Eltern schnell wiedergesehen habe. "

Sein erstes Geld im Westen verdient sich Kai Pflaume als Lagerarbeiter, bevor er eine Banklehre beginnt und schließlich 1993 als Moderator beim Fernsehen landet. Eine Vorzeigekarriere, wie sie nur wenigen Neuankömmlingen gelingt.

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Angekommen: Kai Pflaume 1996 auf der Münchner Wiesn.

Den vielen anderen gelingt dafür etwas anderes, schier Unglaubliches: Ihre Massenflucht und die Großdemonstrationen in der DDR tragen im Herbst 1989 zum Ende des "kalten Krieges" bei.

…und morgen: Bayerische Helfer im größten Einsatz der Nachkriegszeit. Wie es gelungen ist, die Flüchtlingsströme aus der DDR zu bewältigen .

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

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