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Countdown Mauerfall: Kühle Küsschen in Moskau | 1.11.1989 | BR24

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Countdown zur Freiheit: 1.11.1989

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Countdown Mauerfall: Kühle Küsschen in Moskau | 1.11.1989

In Halle/Saale entgleist ein Waggon mit Gift. In Moskau bemühen sich zwei Männer, beim Begrüßungskuss ihre Gesichtszüge nicht entgleisen zu lassen. Und weit im Osten Berlins öffnen sich Türen, die lange verschlossen waren ...

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1. November 1989 – ein Mittwoch. Auf dem Güterbahnhof in Halle entgleist ein Waggon mit giftigem Chlor. Die Medien berichten über den Vorfall, auch in der DDR. Ein Novum: Bisher hatte man Umweltschäden drüben konsequent totgeschwiegen.

Es sind noch acht Tage bis zum Fall der Mauer.

Ungleiche sozialistische Brüder: Egon Krenz und Michael Gorbatschow

Größere Schlagzeilen macht hier wie dort eine Begegnung in Moskau. Egon Krenz trifft mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow zusammen. Wie zehn Jahre zuvor Honecker und Breschnew zelebrieren beide für die Kameras den sozialistischen Bruderkuss.

Der Brauch, der auf den russisch-orthodoxen Osterkuss (wahlweise auch die Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts) zurückgehen soll, gilt seit der Oktoberrevolution als fester Bestandteil sozialistischer Staatsakte. Bei der Weiterentwicklung des Wangenkusses zu einem inbrünstigen Begrüßungsritual, das an politische Mund-zu-Mund-Beatmung erinnert, nehmen die DDR-Oberen eine führende Rolle ein.

Galerie: Die Zärtlichkeit der Völker

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Ein Tänzchen in Ehren: 1963 herzt Walter Ulbricht am Flughafen Schönefeld Nikita Chruschtschow

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1979: Erich Honecker knutscht Leonid Breschnew.

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1990 verewigt der Künstler Dmitri W. Wrubel den Kuss auf der Berliner Mauer - und macht ihn so zur Ikone.

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Der "tödliche Kuss" entwickelt sich zu einem der meistfotografierten Grafitti der späteren "East Side Gallery" (hier ein Überblick der Motive).

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1994: Boris Jelzin verabschiedet den Oberkommandierenden der sowjetischen Streitkräfte in Berlin. Kanzler Kohl steht etwas betreten daneben.

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Auch der gesamtdeutsche Kanzler schätzt zupackende Diplomatie, bevorzugt aber wie 1984 mit Francois Mitterand in Verdun eher das Händchenhalten.

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2016 lassen Gegner des Brexit in Bristol den Bruderkuss mit neuen Akteuren wiederaufleben - nämlich Donald Trump und Boris Johnson

Moskau: Fotos ja - Zusagen Nein

Mit den erhofften Zusagen für wirtschaftliche Erste-Hilfe-Maßnahmen der UdSSR hält sich Gorbatschow allerdings merklich zurück. Dennoch schwärmt Honeckers Nachfolger nach Kuss und Aussprache von den freundschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion - und verkauft die Wende in der DDR als Errungenschaft der SED:

"Alles, was sich in der DDR vollzogen hat, ist das Ergebnis der Arbeit des Politbüros und der Arbeit meiner Partei." Egon Krenz am 1. November 1989

Was ja nicht ganz falsch ist.

Berlin: Endzeitstimmung bei der Stasi

Während Egon Krenz in Moskau in die Kameras lächelt, sitzt Manfred Haferburg im berüchtigten Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen in Ostberlin. Der 41-jährige Atomingenieur war im Mai verhaftet worden, als er versucht hatte, über die Tschechoslowakei in den Westen zu flüchten.

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Im sogenannten "Löwenkäfig" des Gefängnisses Hohenschönhausen absolvierten die Gefangenen ihren Freigang. Heute ist hier eine Stasi-Gedenkstätte.

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#BR24Zeitreise: Die Stasi

Mit verbundenen Augen in die Freiheit

An diesem 1. November öffnet sich plötzlich seine Zellentür. Bewaffnete Männer zerren ihn nach draußen, verbinden ihm die Augen und stoßen ihn in ein Auto. Haferburg rechnet mit dem Schlimmsten. Nach kurzer Fahrt ein scharfes Bremsmanöver, die Wagentür geht auf und Haferburg landet auf dem Straßenpflaster. Er hat Platzwunden – aber er ist in Freiheit.

So sieht das aus, wenn in der DDR der soeben beschlossene Straferlass für Republikflüchtlinge in die Tat umgesetzt wird. Manfred Haferburg hat seine Erlebnisse später in einem autobiographischen Roman verarbeitet.

…und morgen: Der Tag der Rücktritte in der DDR.

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

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