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Countdown Mauerfall: Go, Trabbi, go!| 6.11.1989 | BR24

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Trabant auf der Autobahn nach Frankfurt/Oder (Archivbild 1990)

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Countdown Mauerfall: Go, Trabbi, go!| 6.11.1989

Kaum ein Fernsehbeitrag ohne "Rennpappe": Trabbis umzingeln die Prager Botschaft, belagern die Grenzübergänge, hupen freudig durch Bayerns Städte. Genutzt hat die Gratis-Werbung der Marke Trabant nichts. Ein Rückblick auf das Autoland DDR.

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6. November 1989. Ein Montag. Laut Politbarometer heißen 73 Prozent der Westdeutschen die bisher in die Bundesrepublik ausgereisten DDR-Bürger willkommen. Auch wenn sie sich meist durch großes Geknatter und markanten Geruch ankündigen.

Es sind noch drei Tage bis zum Fall der Mauer.

Auf westdeutschen Autobahnen sind seit dem Wochenende tausende Trab(b)is unterwegs. DDR-Bürger nützen die legale Möglichkeit, über die Tschechoslowakei in den Westen zu fahren. Eigentlich dürften die Zweitakter der Marke Trabant in der BRD gar nicht fahren, weil sie die Umwelt verqualmen, aber das Verkehrsministerium drückt beide Augen zu. Und bundesdeutsche Autowerkstätten haben jetzt sogar Windschutzscheiben für den Winzling auf Lager.

Mit 26 PS geht es in Richtung Freiheit und manchmal auch direkt zum Kaufinteressenten. Das Deutsche Museum in München zum Beispiel beschafft sich gleich zwei Trabbis für seine Sammlung. Schließlich ist der Trabant ein rollendes Industriedenkmal der DDR. Seit 1958 ist er nahezu unverändert in Bau.

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Politik hin oder her: der Trabbi - auch Rennpappe oder Arbeiterporsche genannt - ist der Sympathieträger der DDR; darin nicht unähnlich ...

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... seinem West-Pendant VW Käfer.

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Wie der Käfer für das "Wirtschaftswunder", steht der Trabbi für die "unaufhaltsame Fortentwicklung des Sozialismus".

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Was ihn noch mehr zum Objekt der Begierde macht: Alternativen (wie hier 1984 in der Ostberliner Sophienstraße) sind rar ...

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... die Wartezeit für ein eigenes Auto (hier: in Leipzig 1974) beträgt oft zehn Jahre oder mehr.

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Aber wenn, dann! Trabbis (und ein par Wartburgs) auf einem Parkplatz in Jena (um 1970) ...

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... und am Palast der Republik 1982.

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So schauen Trabbi & Co. in den Werbeträumen der 60er-Jahre aus ...

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... so in der Realität um 1989 ...

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... und 1991 (auf dem Mauerstreifen zwischen Wedding und Mitte).

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Gemein: nach der Wende will ihn keiner mehr haben. Zu Hunderten stehen fertige Trabbis 1990 auf einem Auslieferungsparkplatz in Rostock.

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Dabei war er es doch, der in Sachen Reisefreiheit den Durchbruch gebracht hat, oder nicht?

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1991 wurde die Produktion eingestellt - und der Trabbi von da an peu à peu zum Kultobjekt.

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Seither darf er für alles mögliche Werbung machen ...

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... auch für die Konkurrenz ...

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... und die Berliner "Grüne Woche" 2019. Allerdings: wer von einem Trabbi-Revival träumt ...

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... sollte vorher etwas tüfteln. Die Kunststoffkarosserie ist leicht, aber schwer zu entsorgen, die Abgaswerte sind noch mieser als bei Wessis.

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#BR24Zeitreise: Sachsenwerke Zwickau - hier rollte der Trabbi vom Band

Des Trabbis vergessene Brüder und Schwestern

Der Trabant ist keineswegs das einzige in der DDR produzierte Auto. Einige - etwa der Wartburg 311, der sogar als Cabrio lieferbar ist - sind sogar äußerst elegant. Die meisten Modelle werden allerdings in geringen Stückzahlen ausgeliefert und sind für "Ottonormal-Arbeiter-und-Bauer" nicht erschwinglich. Marken wie Robur und Barkas sind im Westen heute nur noch Auto-Enthusiasten geläufig.

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Eleganz made in GDR: Die von IFA Eisenach hergestellten Wartburgs bieten in den 50er- und 60er-Jahren mit Chrom und Farbe Westlimousinen Paroli.

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1966 löst der etwas abgespeckte Wartburg 1000 das Modell 311 ab. Rationalisierte Serienfertigung soll die gestiegene Nachfrage befriedigen.

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Insgesamt rollen 1,6 Millionen Wartburgs vom Band. Vor allem die Sondermodelle sind bei Sammlern heute heiß begehrt.

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Ähnlich gefragt: die Modelle von Sachsenring Zwickau, die wie Audi auf die Vorkriegsmarke Horch zurückgehen. Hier beide Logos auf einem Kühler.

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Fast amerikanisch mutet der Framo V901 an, den die Barkas-Werke in Karl-Marx-Stadt 1954-1961 produzieren.

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Nutzfahrzeuge wie Busse und Lkw liefern die Robur-Werke in Zittau. Im Bild: ein Bus der Uni Jena, 1961

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1991: Verbesserungen am Fahrwerk, mehr Varianten und günstige Preise sollen die Fahrzeuge im Osten attraktiv halten. Doch der Plan geht nicht auf

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Immerhin: In Görlitz kann man in einem Robur-Bus bis heute Stadtrundfahrten machen.

Wunschobjekt, Auslaufmodell und Kinokult

Trabbis liefen in der DDR etwa drei Millionen vom Band. Im Herbst '89 waren sie für zehntausende Bürger der DDR das einzige, was sie in ihr neues Leben mitnehmen konnten. Nach 1991 aber will ihn kaum noch einer haben.

Einen der letzten ergattert Schauspieler Wolfgang Stumph. Wenig später wird sich Stumph noch einmal in einen Trabbi setzen: Als Hauptdarsteller in der Komödie „Go Trabi Go“.

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Filmszene "Go Trabbi go" mit Wolfgang Stumph (1991)

Klein, aber k.o.

30 Jahre nach dem Fall der Mauer sind in Deutschland noch immer mehr als 20.000 Trabbis unterwegs, meist als Liebhaberstücke.

Dabei wäre der Trabbi - zumindest was seine Maße betrifft - heute als Stadtfahrzeug durchaus eine Alternative. Zum Vergleich: ein Trabant 601 wiegt 650 Kilogramm, ein Audi Q7 bis zu 2.710, also gut das Vierfache. Die Außenmaße des Trabbi: 3,5 mal 1,5 Meter. Das SUV ist gut fünf Meter lang und zwei Meter breit.

…und morgen: Der DDR droht die Entvölkerung – mit dramatischen Folgen.

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

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