Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Countdown Mauerfall: Amnestie für Republikflüchtlinge|27.10.1989 | BR24

© BR

Countdown Mauerfall: Amnestie für Republikflüchtlinge|27.10.1989

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Bildergalerie
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Countdown Mauerfall: Amnestie für Republikflüchtlinge|27.10.1989

Von wegen frei: wer als DDR-Bürger daran scheitert, die Mauer zu überwinden, verschwindet danach oft jahrelang im Gefängnis - bis zu diesem 27. Oktober. Im Westen wird derweil ein anderer Freiheitsbegriff diskutiert: Telefonieren ohne Kabel.

Per Mail sharen
Teilen

Mobil telefonieren ist ein Luxus, den sich Ende der 80er-Jahre nur Politiker und Prominente leisten. Auf der Cebit im März 1989 stellt Bundeskanzler Helmut Kohl zusammen mit Niedersachsens Finanzministerin Birgit Breuel der staunenden Öffentlichkeit ein Autotelefon vor. Das nächste große Ding? Handys gibt es zwar auch schon - aber sehr vereinzelt. Auf einen breiteren Markt zielt das "Handheld-Technophon" der Firma Standard Elektrik Lorenz in Stuttgart ab. Das ziegelsteinförmige "Pocky" kostet bei der Telekom gut 8.000 Mark. Erster Käufer ist der ehemalige FC Bayern-Torwart Sepp Maier.

Doch die Zeiten ändern sich schnell. Die Handys schrumpfen und vermehren sich - bald auch in der dann ehemaligen DDR.

© dpa

CEBIT 1989: Helmut Kohl telefoniert - noch mit Kabel, aber schon im Auto. Ein erster Vorgeschmack auf die heutige Allerreichbarkeit.

© dpa

Ziegelstein für unterwegs: das C-Netz-Mobiltelefon "Pocky" 1989

© dpa

Ost-Berlin 1991: Gegen das beworbene Nokia schaut der Trabbi alt aus. Bei den nach '89 Geborenen löst das Handy bald das Auto als Statussymbol ab

Wenig später ist Kohl der "Kanzler der Einheit", Birgit Breuel bringt als Chefin der umstrittenen Treuhandanstalt insolvente ostdeutsche Betriebe unter den Hammer, und ab 1996 wirbt die 1977 "rübergemachte" DDR-Ikone Manfred Krug für Telekomaktien. Doch all das ist heute noch Zukunftsmusik.

Bis zum Fall der Mauer sind es noch 13 Tage.

Tatvorwurf: "Republikflucht"

Während sich DDR-Bürger über Ungarn und Tschechien weiter scharenweise in den Westen absetzen - und nicht zuletzt nach Bayern, verbüßen in den Gefängnissen der DDR hunderte Häftlinge ihre Strafe wegen "ungesetzlichem Grenzübertritt". Die gebräuchliche Formal dafür lautet "Republikflucht" - eines der bizarrsten Worte der deutschen Sprache.

Schon 1952 hatte sich die DDR systematisch gegen den Westen abgeschlossen. Danach wurden die "Grenzschutzmaßnahmen" und ihre gesetzlichen Grundlagen immer weiter verschärft. Seit 1960 wurde an der 1.400 Kilometer langen Grenze scharf geschossen. Dennoch flohen bis 1989 etwa 95.000 Menschen aus der DDR; rund 800 bezahlten ihre Freiheitssehnsucht mit dem Leben.

© BR

Video: Hier verlief die innerdeutsche Grenze

>>> Mehr zur Mauer und der innerdeutschen Grenze in unserem Webspecial

>>> ARD-alpha: Hüben und drüben - Geschichten von der Zonengrenze (Dok. 2014)

Wer den Fluchtversuch überlebte, ohne es in den Westen zu schaffen, konnte nach § 213 StGB bis zu acht Jahre hinter Gittern verschwinden. Doch die Wende erreicht an diesem 27. Oktober auch die Gefängnisse der DDR.

Amnestie - aber kein Recht auf Ausreise

Um 12 Uhr mittags verkündet der Radiosender „Stimme der DDR“ einen Straferlass für alle Republikflüchtlinge. Diesen Beschluss hatte soeben der Staatsrat der DDR gefasst. Wer jetzt in Freiheit kommt, muss allerdings eine Erklärung unterschreiben, wonach er – Zitat – „keinerlei Angriffe auf die Staatsgrenze der DDR mehr unternehmen werde.“

Denn auch nach dieser Amnestie bleibt die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten dicht. Der Versuch, sie zu überqueren, ist in der DDR weiterhin ein Straftatbestand und lebensgefährlich. Den Toder der "Republikflüchtlinge" wird Erich Honeckers Ehefrau Margot in einer NDR-Dokumentation 2012 so kommentieren:

"Es lässt einen nicht ruhig, wenn ein junger Mensch auf diese Weise ums Leben kommt. Man hat sich vor allem auch immer gefragt: Wieso hat er das riskiert? Warum? Denn das braucht ja nicht sein. Der brauchte ja nicht über die Mauer zu klettern. Diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen, das ist schon bitter." Margot Honecker

…und morgen im Countdown Mauerfall: Wie ein bayerisches Volkslied beim Schmuggel über die innerdeutsche Grenze geholfen hat.

Der Countdown zur Freiheit: täglich auch im Radio auf BAYERN 1. Montags bis Freitags um 17.40 Uhr, am Wochenende um 14.15 Uhr.

Alle Beiträge und mehr unter br24.de/mauerfall