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Coronavirus: Ist Deutschland gut vorbereitet - oder nicht? | BR24

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Da täglich viel Verkehr zwischen München und Mailand hin- und herfährt, könnte Corona jetzt von Süden her zu uns nach Bayern kommen. Und dann? Sind Kliniken und Praxen gerüstet?

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Coronavirus: Ist Deutschland gut vorbereitet - oder nicht?

Ärzte und Kliniken müssen sich intensiver auf einen Corona-Ausbruch vorbereiten. Das fordert der Regensburger Internist Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Bayerns Hausärzteverband warnt vor Panikmache.

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Hausarzt Dr. Markus Frühwein ist bei Influenza-Symptomen in diesem Jahr besonders aufmerksam. Bereits am Eingang seiner Praxis versucht der Tropen- und Reisemediziner per Aushang potenzielle Corona-Patienten anzusprechen. Auf einem Tisch vor der Eingangstüre stehen deswegen Schutzmasken und Desinfektionsmittel bereit.

"Das Ziel ist momentan, dass Risikopatienten, sprich Personen, die in einem Risikogebiet waren in den letzten 14 Tagen, oder Kontakt hatten zu einer Person, die nachweislich an Corona erkrankt ist, eigentlich gar nicht in die Arztpraxen kommen." Markus Frühwein, Hausarzt in München

Bei Verdacht ist das Gesundheitsamt die Anlaufstelle

Das bedeutet: Menschen, die vermuten, dass sie am Coronavirus erkrankt sein könnten, sollten nicht zu ihrem Hausarzt gehen und dort weitere Menschen anstecken, sondern vielmehr gleich das Gesundheitsamt aufsuchen.

"Die teilen einem dann mit, wo man den Test durchführen lassen kann und wie man sich verhält. Auf der anderen Seite haben wir dann auch Patienten, die dasitzen und ein Verdachtsfall sind. Die meisten Hausarztpraxen haben die adäquate Schutzausrüstung, um einen Corona–Patienten zu versorgen. Sprich Schutzkleidung, Handschuhe, Brillen und Atemmasken, dass man auch ohne die eigene Sicherheit zu gefährden, einen Corona-Patienten versorgen kann oder eben einen Verdachtsfall." Markus Frühwein, Hausarzt in München

Hausärzte mahnen zum Händewaschen

Bayerns Hausärzte sind auf das Coronavirus gut vorbereitet, sagt der Bayerische Hausärzteverband. Grund zur Panik gebe es also nicht, so der Verbandsvorsitzende Markus Beier auf BR-Anfrage. Die Vorsichtsmaßnahmen gegenüber dem Grippevirus seien im Wesentlichen die Vorsichtsmaßnahmen für den Coronavirus. Nicht zuletzt gehöre dazu regelmäßiges Händewaschen, so der Hausärzteverband.

"Wir müssen eine Stufe hoch in der Aufmerksamkeit"

Eine bessere Vorbereitung auf den Corona-Ernstfall in deutschen Krankenhäusern fordert dagegen der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger.

"Wir müssen eine Stufe höher in unserer Aufmerksamkeit sein und uns auch besser vorbereiten. Das wichtigste ist wohl, dass die Menschen, die aus Italien zurückkehren, ihr Risiko richtig einschätzen." Bernd Salzberger, Deutsche Gesellschaft für Infektiologie

Konkret gehe es darum, dass in den deutschen Kliniken die Abläufe für den Ernstfall gut organisiert werden. Nur wenn alle Abläufe gut durchgeplant seien, sei ein störungsfreier Betrieb in den Krankenhäusern gewährleistet, sollte es tatsächlich zum Corona-Ernstfall kommen, so der Regensburger Infektiologe.

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Der Regensburger Infektologe hält Mundschutz eher für untauglich als Schutz vor dem Corona-Virus. Wichtig sei, Abstand zu halten von Menschen, die husten und niesen. Bestes Mittel gegen Ansteckung sei regelmäßiges und gründliches Händewaschen.

Bayern rüstet sich für mögliche Coronavirus-Fälle aus Italien

Das bayerische Gesundheitsministerium informierte am Montag über die aktuelle Entwicklung in Bayern. Ein Ministeriumssprecher teilte mit, dass nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bis zum Montagmittag keine neuen Coronavirus-Fälle in Bayern bestätigt wurden. Damit hat es bislang (Stand 14:00 Uhr) insgesamt 14 bestätigte Coronavirus-Fälle in Bayern gegeben. Davon befinden sich noch zwei Fälle in der München Klinik Schwabing.

Mit der Coronavirus-Lage in Italien befasste sich am Montag der zuständige Arbeitsstab des bayerischen Gesundheitsministeriums. Das Gremium bereitete das Vorgehen der Gesundheitsbehörden für den Fall möglicher Infektionen von Reisenden vor, die aus Italien zurückkehren. Das LGL stellt ferner Informationen speziell für Italien-Reisende bereit. Wer in Italien mit einem Coronavirus-Fall persönlichen Kontakt hatte, sollte sich umgehend an sein Gesundheitsamt wenden.

Huml: Auch in Bayern "einschneidende Maßnahmen" möglich

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sieht Notmaßnahmen wie sie Italien gegen das Coronavirus ergreift als "Ultima Ratio". Ganze Städte zu Sperrgebieten zu machen, sei der letzte Ausweg, so die Ministerin: "Bevor über die Abriegelung einer Stadt entschieden wird, sollte zunächst auf andere Lösungsmöglichkeiten gesetzt werden."

Oberste Priorität habe immer der Schutz der Bevölkerung, so Huml. Deshalb könne es auch in Bayern "einschneidende Maßnahmen" geben, um eine großflächige Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Wichtig sei dabei aber, immer im konkreten Einzelfall zu entscheiden und mit Augenmaß vorzugehen.

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Mit dem Ausbruch in Norditalien ist die Corona-Epidemie Bayern wieder sehr nah. Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD im bayerischen Landtag, Ruth Waldmann, fordert die Staatsregierung auf, endlich die Notfallpläne zu veröffentlichen.

SPD fordert Informationen von Staatsregierung

Die stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Landtag, Ruth Waldmann (SPD), forderte die Staatsregierung auf, über geplante Notfallmaßnahmen im Falle von verstärkt auftretenden Corona-Infektionen zu informieren. Diese Information sei nötig, um einer Beunruhigung der Bevölkerung vorzubeugen, so Waldmann im BR-Interview. Mit den Todesfällen und den vielen Infektionen in Italien sei das Virus nah an Bayern herangerückt.

Insbesondere fordert Waldmann, Informationen über konkrete Notfallpläne: Wann müsse zum Beispiel ein Zug gestoppt werden, oder was haben die Gesundheitsämter vor? "Worauf muss sich die Bevölkerung einstellen? Wie ist das mit der häuslichen Quarantäne, einer Art Hausarrest, was muss man da beachten, sind die Familienmitglieder genügend geschützt?" Es seien drastische Maßnahmen, so Waldmann, "wenn Menschen in häusliche Quarantäne geschickt werden müssten und Schulen geschlossen werden."

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