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Coronavirus-Infektionen steigen nach Schulöffnungen in Israel | BR24

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Seit rund vier Wochen haben die Schulen in Israel wieder geöffnet. In den letzen Tagen steckten sich dort jedoch besonders viele mit dem Coronavirus an.

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Coronavirus-Infektionen steigen nach Schulöffnungen in Israel

Israel kam vergleichsweise gut durch die Corona-Krise. Seit vier Wochen haben dort auch wieder die Schulen offen. In den vergangenen Tagen aber stieg die Zahl der Infektionen wieder - und die Infizierten steckten sich überwiegend in Schulen an.

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Meitar Ofri geht eigentlich in die 12. Klasse eines Gymnasiums in Jerusalem. Obwohl die Schule geöffnet hat, bleibt die Israelin lieber zu Hause. "Ich gehe nicht in die Schule", sagte sie dem israelischen Sender KAN. "Ich habe gehört, was in dem anderen Gymnasium und anderen Schulen in Jerusalem passiert ist. Wir wissen nicht, wo uns das Virus erwischen kann und ich möchte lieber kein Risiko eingehen und die Eltern oder die Familie anstecken."

Mindestens 220 Infektionen an Israels Schulen

Israels Schulen öffneten vor etwa vier Wochen. Erst mit kleineren Gruppen. Später in vollen Klassenstärken. Seitdem wurden bei mindestens 220 Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften Corona-Infektionen nachgewiesen. Besonders schwer traf es ein Gymnasium in Jerusalems Stadtteil Rechavia. Hier gab es über 100 Infektionen.

Ein Schüler des Gymnasiums schrieb auf Facebook, dass sich die Schule nicht an die Regeln des Gesundheitsministeriums gehalten habe. So hätten Schüler sehr nahe beieinander gesessen und Lehrer keine Masken getragen. "Es ist kein Geheimnis, dass uns die Ansteckung in der Jerusalemer Schule große Sorgen bereitet", sagte Israels Gesundheitsminister Yuli Edelstein. "Uns haben Beschwerden erreicht, dass nicht jeder, der es wollte, einen Test machen konnte."

Bis zu 10.000 Schüler und Lehrer in Quarantäne

Israel kam in den Monaten März und April vergleichsweise gut durch die Corona-Krise. In den vergangenen Tagen aber stieg die Zahl der Infektionen wieder. Langsam aber stetig. Und die Infizierten steckten sich überwiegend in Schulen an. Bis zu 10.000 Schüler und Lehrer befinden sich in Quarantäne. Über 40 Schulen und Kindergärten mussten schließen.

Für den Vorsitzenden des Lehrerverbandes für Israels Oberschulen, Ran Araz, gibt es nur eine Option. "Wir fordern vom Gesundheits- und vom Bildungsministerium, den Unterricht vor Ort einzustellen", sagte er dem Fernsehkanal 13. "Wir alle sind in Gefahr: die Schüler, die Lehrer und die Eltern der Schüler."

Nur Schulen mit bestätigten Fällen sollen schließen

Doch bislang will Israels Regierung nur Schulen mit nachgewiesenen Corona-Fällen schließen. Das passt zum vorsichtigen Optimismus, den Premierminister Benjamin Netanjahu verbreiten will. "Habt Spaß", sagte er vor etwa einer Woche in einer Botschaft an die Israelis. Und forderte sie auf, ein Bier trinken zu gehen.

Dov Chernichowski schaut sich den Prozess der Öffnung ganz genau an. Er ist emeritierter Professor für Gesundheitsökonomie am Forschungszentrum TAUB. "Niemand weiß, ob es richtig war, die Schulen zu öffnen. Bei diesem Thema betreten wir Neuland. Natürlich ist es jetzt einfach sich hinzustellen und zu sagen: Wir hätten das nicht tun sollen. Israel war eines der ersten Länder, die die Schulen geöffnet haben. Und wir zahlen nun einen Preis. Ob es ein angemessener Preis ist: Das weiß ich noch nicht."

Der Forscher verweist auf die hohen wirtschaftlichen Kosten, wenn die Schulen wieder schließen würden. Denn viele Eltern könnten dann nicht mehr voll arbeiten. "Wir müssen uns herantasten und die richtige Balance finden", so Chernichowski. "Und es muss weitere Maßnahmen geben. Wahrscheinlich werden die weniger gefährdeten Schüler und ihre Großeltern für einen längeren Zeitraum getrennte Wege gehen müssen. So grausam das klingt. Ich bin selbst ein Großvater." Der emeritierte Professor ist über 70 Jahre alt und gehört damit einer Risikogruppe an. Trotzdem ist er gegen eine erneute Schließung der Schulen.

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