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Coronavirus in den USA: Amerikas Stimme der Ruhe und Vernunft | BR24

© picture alliance / Stefani Reynolds - Pool via CNP

Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten

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    Coronavirus in den USA: Amerikas Stimme der Ruhe und Vernunft

    Die Corona-Botschaft des amerikanischen Chef-Immunologen Fauci steht in immer schärferem Kontrast zu Trumps Aussagen. Er wird damit immer mehr zur Stimme der Ruhe und Vernunft in den USA.

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    Von
    • Sebastian Hesse

    Kaum war den Amerikanern die Brisanz der Coronakrise bewusst geworden, da hat sich ihr ratsuchender Blick auf einen Mann gerichtet: auf Anthony Fauci, den Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten. Der renommierte Immunologe, der im Laufe seiner Karriere sechs Präsidenten in Krisenlagen beraten hat, verfügt nicht nur über Fachkompetenz, sondern er versteht es, einfühlsam bei angstbesetzten Themen den richtigen Ton zu treffen.

    Das inspiriert den CNN-Moderator Chris Cuomo zu folgendem Vergleich: "Fauci ist so etwas wie Amerikas Großvater geworden", meint Cuomo, "er gibt uns wie kein anderer Gewissheit, Trost und Fakten!" Tatsächlich hat der 79-Jährige das seltene Talent, komplexe Zusammenhänge in verständlicher Sprache zu erläutern.

    Kein Fachchinesisch

    "Man darf die Menschen nicht mit Fachchinesisch verwirren", findet Fauci. Seine sanfte und unaufgeregte Art flößt Vertrauen ein, gerade, wenn er seine Landsleute auf unliebsame Einschränkungen vorbereitet. Doch wer kein Blatt vor den Mund nimmt und unverblümte Worte spricht, der macht sich nicht nur Freunde. Und Fauci hat wiederholt den Präsidenten der Vereinigten Staaten korrigiert. Am deutlichsten, nachdem Trump die Hoffnung auf ein Malaria-Mittel geschürt hatte.

    "Ist es erwiesen, dass das Mittel auch gegen Covid-19 wirkt?", fragt ein Reporter. Und der Immunologe verneint: Es gäbe keinerlei systematischen Nachweis. Über Tage entstand so der Eindruck, Fauci müsse den Präsidenten immer dann im Zaum halten, wenn es mit Trump durchgeht.

    Spekulationen über Zerwürfnis mit Trump

    Als Fauci dann bei mehreren von Trumps Corona-Briefings nicht dabei war, wurde über ein Zerwürfnis gemunkelt. Doch der Wissenschaftler spricht von beabsichtigter Arbeitsteilung: "Ich habe einen rein medizinisch-wissenschaftlichen Standpunkt eingenommen, und der Präsident wollte den Menschen Hoffnung geben." Genau das jedoch gelingt Fauci derzeit besser als Trump.

    Der Wissenschaftler, der aus Brooklyn stammt, hat das Pensionsalter längst überschritten. Doch das sieht man dem drahtigen, feingliedrigen Mann kaum an. Fauci arbeitet in dieser Krisenzeit 15 Stunden und mehr am Tag. Und hält sich mit Joggen fit, erfreut sich am Gesang der Vögel und am Geruch des Grases.