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Coronavirus in Brasilien: Bolsonaros Verschwörungstheorien | BR24

© picture alliance / AP Images / Andre Borges

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro sieht in der Coronakrise nichts als Hysterie und Verschwörung.

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    Coronavirus in Brasilien: Bolsonaros Verschwörungstheorien

    Brasiliens Präsident Bolsonaro kämpft in der Corona-Krise vehement gegen Ausgangssperren und verspricht den baldigen Sieg über das Virus. Er sieht nichts als Hysterie und Verschwörung.

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    Er bleibt dabei: Corona, das sei doch nur eine kleine Erkältung. das werde man bald im Griff haben. "Bald ist es besiegt", verspricht Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro. "Unser Leben muss weitergehen, die Arbeitsplätze müssen erhalten bleiben, die Einkünfte der Familien sollten bewahrt bleiben. Wir sollten zur Normalität zurückkehren."

    Andere Regierungschefs wenden sich an Ihr Volk und bitten darum, Regeln einzuhalten. Bolsonaro nutzt eine Fernsehansprache, um gegen die Maßnahmen zu wettern, die einzelne Bürgermeister oder Gouverneure erlassen haben.

    Zum Beispiel gegen João Doria, den Regierungschef von São Paulo. Der hatte für seinen Bundesstaat Ausgangsbeschränkungen verhängt. Bolsonaro hält das für völlig daneben. "Einige wenige Lokalbehörden sollten aufhören mit ihrer Strategie der verbrannten Erde: dem Verbot des öffentlichen Nahverkehrs, dem Schließen der Geschäfte und dem massenhaften Einsperren zu Hause."

    Worauf Bolsonaro vertraut

    Bolsonaro Sicht der Dinge ist einfach: Die Corona-Pandemie sei nur eine Hysterie der Medien, die nur deswegen gefährlich sei, weil sie die Wirtschaft gefährde. Deswegen bleibt Brasilien das einzige Land Südamerikas, in dem es keine landesweiten einschneidenden Maßnahmen gibt. Es genüge, auf Gott zu vertrauen und auf die Forscher in Brasilien und der Welt, so argumentiert Brasiliens Präsident.

    Inzwischen ist daraus ein regelrechter Machtkampf auf offener Bühne geworden. Doria, der angegriffene Gouverneur sagt, er tue das, was eigentlich der Präsident tun sollte. "Leider tut er nichts, und wenn doch, dann macht er alles falsch."

    Bolsonaro keilt zurück: Doria und seine Kollegen vernichteten nur Arbeitsplätze - und zwar aus Machthunger: "Er ist ein Wahnsinniger. Er will politisches Kapital aus diesem Fall schlagen."

    Gesundheitswesen schon jetzt überfordert

    Dabei warnen Fachleute, dass die Pandemie in Ländern wie Brasilien besonders schwer wüten könnten. Das Gesundheitswesen ist schon mit den üblichen Ausbrüchen von einheimischen Tropenkrankheiten wie Denguefieber überlastet. In den dicht besiedelten Favelas ist eine Isolierung der Menschen praktisch unmöglich.

    Und inzwischen sind auch erste Corona-Fälle im Amazonasgebiet aufgetaucht, wo die indigenen Völker in besonderer Gefahr sind. Vor allem die Völker, die den Kontakt mit der Außenwelt meiden. Der Arzt Lucas Albertoni hat lange Indigene für den staatlichen Gesundheitsdienst betreut und, so berichtet er, selbst gesehen, wie hoch das Ansteckungsrisiko einer indigenen Bevölkerung ist, wenn sie mit anderen Gruppen in Kontakt tritt. "Eine einfache Erkältung kann sie in zwei oder drei Tagen töten, und alle werden gleichzeitig krank, was dazu führt, dass sie sich nicht mehr ernähren können - das hat sehr schwere Auswirkungen."

    Die Kritik an Bolsonaros Politik des Nichttuns wächst - fast jeden Abend gibt es inzwischen Unmutsbekundungen gegen den Präsidenten in Brasiliens Städten. Aus Wut schlagen viele Menschen mit Töpfen und Topfdeckeln Lärm.

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