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Coronavirus: Hotspot Schlachthof | BR24

© pa/dpa/Marco Steinbrenner/Kirchner

Coronavirus: Hotspot Schlachthof

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    Coronavirus: Hotspot Schlachthof

    In Schlachthöfen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sind zahlreiche Corona-Infektionen aufgetreten - beide Länder planen nun Tests in allen Fleischbetrieben. Riskiert die Branche die Gesundheit ihrer Mitarbeiter?

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    Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland den erst am Mittwoch beschlossenen Notfallmechanismus bei einem gehäuften Auftreten von Coronavirus-Infektionen in Kraft gesetzt. Anlass ist das Auftreten zahlreicher Erkrankungen bei Mitarbeitern eines Schlachthofs im Landkreis Coesfeld, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Der CDU-Politiker nannte die Unterbringung osteuropäischer Mitarbeiter der Schlachthöfe als Problem im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

    Bei Mitarbeitern in dem Coesfelder Schlachthof wurden bereits 151 Infektionen festgestellt. Dies führte dazu, dass es laut Laumann im Landkreis je 100.000 Einwohner 61 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen gab. Der von den Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vereinbarte Notfallmechanismus sieht vor, dass ab 50 Neuinfektionen in Landkreisen und kreisfreien Städten Einschränkungen gelten sollen.

    Lockerungen im Landkreis Coesfeld verschoben

    Laumann sagte, dass im Landkreis Coesfeld die eigentlich ab dem 11. Mai landesweit beschlossenen Lockerungen nicht gelten und auf frühestens 18. Mai verschoben werden. Zu den Lockerungen gehören etwa die Öffnungen von Restaurants, die Aufnahme von Teilen des Tourismus oder die Öffnung von Fitnessstudios und Musikschulen. Alleine die Coesfelder Schüler und Kita-Kinder sollen von den im ganzen Land geplanten Lockerungen profitieren.

    Laumann kündigte an, den betroffenen Schlachthof vorübergehend vollständig zu schließen. Es sollten nun alle 1200 Mitarbeiter des Betriebs getestet werden. Wenn die Testergebnisse vorliegen, könne neu über die Dauer der Beschränkungen im Landkreis entschieden werden. Außerdem ordnete Laumann an, in allen Schlachthöfen in NRW die Mitarbeiter testen zu lassen - nach seinen Worten sind dies 17.000 bis 20.000.

    Auch in einem weiteren fleischverarbeitenden Betrieb in NRW wurde eine hohe Zahl von Corona-Infektionen gemeldet. In Oer-Erkenschwick (Kreis Recklinghausen) hätten sich in einem Schwesterbetrieb des Coesfelder Werks 33 von 1250 Mitarbeitern mit dem Virus angesteckt, teilte Laumann mit.

    Laumann nannte die Unterbringung der meist aus Rumänien und Bulgarien kommenden Schlachthofmitarbeiter in Gruppenunterkünften als einen möglichen Grund für den Ausbruch. Es könne sein, dass diese Unterbringungen nicht den in einer Pandemie nötigen Hygienestandards genügen. Das solle nun geprüft werden. Der Fleischfabrikant Clemens Tönnies kritisierte im Bielefelder "Westfalen-Blatt", mit den Kontrollen von Arbeiterunterkünften und den Tests aller Schlachthof-Mitarbeiter werde seine Branche "unter Generalverdacht gestellt".

    Tests in anderen Bundesländern

    Dennoch ziehen nun auch andere Bundesländer mit flächendeckende Corona-Tests in Schlachthöfen nach. So reagiert Schleswig-Holstein auf die vielen Corona-Fälle in einem Schlachthof und lässt die Belegschaften aller großen Betriebe im Land testen.

    Sollten die Beschäftigten in Werkswohnungen oder ähnlichen privaten Gemeinschaftsunterkünften leben und dort weitere nicht im Schlachthof angestellte Personen wohnen, seien diese ebenfalls zu testen, teilte das Gesundheitsministerium in Kiel mit. In einem Schlachthof in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) waren zuvor insgesamt 109 Beschäftigte positiv getestet worden.

    Das Agrarministerium in Hannover teilte auf Nachfrage mit, dass der Ansatz, alle Mitarbeiter in niedersächsischen Schlachthöfen (einschließlich Werkvertragsarbeitnehmer) zu testen, derzeit geprüft werde. Das weitere Vorgehen werde mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt. Derzeit lägen "keine Hinweise auf Corona-Erkrankungen in Schlachtbetrieben oder anderen Lebensmittelunternehmen vor, die Auswirkungen auf die Versorgungssituation oder auf die Lieferketten in Niedersachsen" haben, hieß es weiter.