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Coronavirus: Die Rolle der Boulevardpresse in Großbritannien | BR24

© dpa-Bildfunk/Jonathan Brady

Corona: Die Rolle der Boulevardpresse in Großbritannien

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    Coronavirus: Die Rolle der Boulevardpresse in Großbritannien

    Die aktuelle Corona-Pandemie ist ein gefundenes Fressen für die Boulevardmedien. Täglich neue Schlagzeilen, die die Aufregung befeuern. Ihre Macht auf die Politik ist immer noch beträchtlich - die finanziellen Verluste der letzten Jahre aber auch.

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    Die Corona-Krise ist ein Megathema, das der Boulevardpresse täglich neue Schlagzeilen liefert: "Wenn Du hustest, bist Du weg", heißt es da oder "Das Virus wird uns nicht besiegen".

    Hier das Wichtigste zur Coronapandemie

    Grundsätzlich gesprochen ist die Position der Tabloid-Formate nach wie vor stark, meint Prof. Steven Barnett, Medienwissenschaftler an der University of Westminster. Die Boulevardpresse beeinflusse die öffentliche Meinung – wenn auch wahrscheinlich weniger als in der Vergangenheit: "Offensichtlich ist aber, dass die Presse einen großen Einfluss auf die Nachrichtenagenda hat. Und in dieser Hinsicht ist die Boulevardpresse immer noch genauso bedeutend wie vor 15 oder 20 Jahren", so Barnett.

    Die Macht der Boulevardpresse

    Es sei auffällig, dass diese Zeitungen im Grunde von jeder Radio- und Fernsehredaktion gelesen würden, und dieser Umstand bestimme die Themensetzung, erklärt Barnett weiter. Und wenn dann am Ende alle Medien eine Sache zum Thema machten, beeinflusse das auch die Politik. Macht hat die Boulevardpresse also noch, aber Tatsache ist auch, dass sie am Markt zu kämpfen hat.

    Trotz Meinungsmacht: Auflagen sind halbiert

    In Großbritannien hat sich die Auflage der Zeitungen in den letzten zehn Jahren in etwa halbiert, bei einigen Blättern sind die Verluste noch größer. Hatte das meistverkaufte britische Boulevardblatt "The Sun" 2010 noch eine Auflage von gut drei Millionen, waren es im Februar dieses Jahres nur noch 1,2 Millionen. Damit liegt jetzt das Konkurrenzblatt "Daily Mail" fast gleichauf.

    Reichweite durch Online-Angebote

    Allerdings kann die "Sun" darauf verweisen, dass im Monat rund 33 Millionen Menschen ihre Website besuchen. Die sinkenden Auflagen führen also nicht automatisch zu einer sinkenden Reichweite, aber auf der Einnahmeseite macht die Verlagerung ins Internet einen riesigen Unterschied für die Zeitungen, sagt Medienwissenschaftler Barnett. Sie könnten die finanziellen Verluste nicht kompensieren: "Was sie mit Online-Werbung einnehmen, ist ein Bruchteil dessen, was sie mit Werbung in ihren Printausgaben erzielen konnten." Er schätzt diese Werbeeinnahmen auf nur noch etwa 10 Prozent.

    Boulevardpresse: Bisher keine bezahlten Webseiten

    Dieses Problem haben Qualitätszeitungen bekanntlich auch und richten deshalb zunehmend Paywalls, also Bezahlschranken ein. Das aber, sagt Medienexperte Barnett, sei für die britischen Boulevardblätter keine Option. Keine der Boulevardzeitungen habe eine Paywall. Das funktioniere für sie in der Regel nicht. Denn wer bezahle, sei wirklich an den Informationen interessiert. Das seien meist höher Gebildete, die mehr Geld zur Verfügung hätten, so Barnett: "Boulevardzeitungen sind für ihre Leser eher Zerstreuung und Spaß. Das ist nichts, wofür man viel Geld ausgeben würde, denn das braucht man für andere Dinge."

    Barnett: In einer Krise wollen Leser seriöse Informationen

    Im Augenblick wird angesichts der Corona-Krise viel Geld benötigt. Welche Medien von der Epidemie profitieren werden, muss sich erst noch zeigen. Prof. Barnett glaubt aber nicht, dass die Tabloids das Rennen machen werden. In einer echten Krise wollten die Leute keine Halbwahrheiten und Sensationslust, sondern seriöse Informationen.

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