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Coronavirus: Die Erntehelfer sind da | BR24

© picture-alliance/dpa

Auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden gehen Erntehelfer aus einem Flugzeug.

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    Coronavirus: Die Erntehelfer sind da

    Trotz der Corona-Krise dürfen dringend benötigte Erntehelfer aus Rumänien einreisen. Sie helfen bei der Spargelernte. Zuerst einmal sollen sie Abstand voneinander halten. Die Landwirte sind erleichtert.

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    Trotz der Corona-Krise dürfen dringend benötigte Erntehelfer aus Rumänien einreisen. Sie helfen bei der Spargelernte. Zuerst einmal sollen sie Abstand voneinander halten.

    Um 18.35 Uhr landet Flug 6G-5482 - etwas verspätet, aber Franziska Gehrer atmet auf. Kurz darauf haben es ihre rumänischen Erntehelfer durch Einreisekontrolle und Gesundheitscheck geschafft. "Wie ich mich fühle? Erleichtert ist kein Ausdruck", sagt die 33-jährige Spargelbäuerin aus Durmersheim. Am "Baden Airpark", wo zuletzt gähnende Leere herrschte, holten Donnerstag viele Bauern ihre rumänischen Helferinnen und Helfer mit Bussen ab. Erwartet wurden etwa 1.300 Personen in mehreren gecharterten Maschinen aus Rumänien. Weitere sechs Flugzeuge sollen heute auf dem kleinen Flughafen landen.

    Die Unsicherheit, ob ihre Leute überhaupt kommen können, hat Franziska Gehrer Nerven gekostet. Erst galt wegen des Coronavirus ein Einreisestopp für Saisonkräfte. Vergangene Woche einigten sich Landwirtschafts- und Innenministerium, dass sie doch kommen dürfen: je 40.000 im April und Mai. Um das Verfahren in Corona-Zeiten zu ordnen, mussten die Betriebe ihren Bedarf auf einem Portal des Bauernverbands anmelden, Personaldaten durchgeben, Flüge buchen. 33 Personen hat Gehrer angemeldet.

    Medizinische Checks bei der Einreise

    Am Baden Airpark macht das örtliche Gesundheitsamt im Sicherheitsbereich einen medizinischen Check und hat sich dafür Unterstützung vom DRK geholt. Man messe Fieber, achte auf Krankheitssymptome, berichtet DRK-Mann Martin Stiebitz. Presse darf dabei nicht zuschauen. Aber Stiebitz Fazit am Abend ist positiv: "Niemand musste zurückgewiesen werden."

    Jetzt liegt die Verantwortung bei den Bauern. Es gelten strenge Hygienevorschriften. Die Saisonkräfte müssen in kleinen Teams organisiert werden, die während der ersten Zeit in Deutschland unter sich bleiben und arbeiten. Spargelbäuerin Franziska Gehrer ist zuversichtlich, dass sie die quarantäne-ähnliche Phase einhalten können: Normalerweise wohnen in der Saison 80 bis 120 Erntehelferinnen und Helfer in mehreren Gebäuden auf ihrem Hof. Weil es jetzt deutlich weniger sind, werden Mehrbettzimmer mit maximal zwei Personen belegt.

    Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

    Dass die Saisonkräfte den Hof für 14 Tage nicht verlassen dürfen, und der Betrieb Einkäufe übernehmen muss, sei kein Problem. Ihre Helfer werden ohnehin mit drei Mahlzeiten versorgt. Jetzt gebe es Essen in zwei Schichten, damit sich die unterschiedlichen Teams nicht begegnen. Am hofeigenen Kiosk gebe es Getränke und Snacks - und falls sie noch etwas brauchen, werde beim Großhandel bestellt. "Niemand muss für Besorgungen vom Gelände", sagt die 33-jährige. "Der Radius ist bei uns auch groß, da fühlt man sich nicht eingeengt."

    Selbstverständlich ist das nicht. Angesichts der Corona-Krise hatte die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt auf beengte Verhältnisse auf vielen Höfen hingewiesen. Auch der Bauernverband appelliert an die Höfe, ihre Abläufe umzustellen, so dass alle Vorgaben des Robert-Koch-Instituts eingehalten werden können. "Wichtig ist es, die Teams möglichst klein zu halten, um ein Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten", sagt Joachim Rukwid, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Bei Anzeichen von Krankheitssymptomen bei einem Arbeitnehmer müsse dann nur ein kleines Team in Quarantäne.

    Helfern fehlte die Erfahrung

    Eine Quarantäne für ihren Hof will Franziska Gehrer auf jeden Fall vermeiden. Sie hatte schon befürchtet, einen großen Teil des Spargels nicht ernten zu können, weil die Helfer fehlten. Zuletzt hatte sie auch Hilfe von Freiwilligen aus der Region angenommen. Die waren motiviert, aber es fehlte an Erfahrung. Über die Solidarität habe sie sich aber sehr gefreut. "Einerseits ist man überwältigt von so viel Hilfsbereitschaft", sagt Gehrer, "andererseits sind wir auch ein wirtschaftlicher Betrieb und müssen unsere Kosten decken."

    Der Spargel müsse sortiert, geschält, verpackt werden, es fallen Kosten für Personal, Material, Vor- und Nachbereitung der Saison an. Was in wenigen Monaten erwirtschaftet wird, müsse für das Jahr reichen. Gehrer zahlt Mindestlohn und Zuschläge nach Leistung. Ihre rumänischen Helfer verdienten deshalb deutlich mehr, und sie kommen seit Jahren zu ihr. Ob diese Saison trotz Corona-Krise zu retten ist, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden. Nach Ankunft ihrer Helferinnen und Helfer ist Franziska Gehrer aber optimistisch.

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