BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Krise: VdK fordert drastische Sozialreformen | BR24

© BR/Ulrich Trebbin

Corona-Krise: VdK fordert drastische Sozialreformen

19
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Krise: VdK fordert drastische Sozialreformen

Die Corona-Krise wird den Staat Milliarden kosten. Der Sozialverband VdK befürchtet negative Folgen für Menschen in finanziellen und gesundheitlichen Schwierigkeiten. VdK-Präsidentin Bentele schlägt nun weitreichende Maßnahmen vor.

19
Per Mail sharen

Mitten in der Corona-Krise fordert der Sozialverband VdK drastische Sozialreformen in Deutschland. Dazu gehören eine einmalige Vermögensabgabe, die Sozialversicherung für alle, eine Pflegevollversicherung und, dass der Staat die Versorgung der Pflegebedürftigen übernimmt. Die Sorge von VdK-Präsidentin Verena Bentele ist etwa, dass der Staat die Tilgung der Corona-Schulden über Kürzungen im Sozialbereich finanziert, und die Krise damit zu Lasten von Menschen in gesundheitlichen und finanziellen Schwierigkeiten geht. Das würde die soziale Ungleichheit verschärfen, so Bentele.

Vermögensabgabe soll Milliarden in Staatskasse spülen

Deshalb fordert die VdK-Präsidentin eine einmalige Vermögensabgabe für Menschen und Betriebe mit großem Vermögen. Dabei solle eine Million Euro des Vermögens ebenso unangetastet bleiben wie eine selbst bewohnte Immobilie. Das würde Beträge im Milliardenbereich in die Staatskasse spülen und könnte die sozialen Folgen von Corona abmildern, so Bentele.

Auch Selbständige sollen in Sozialversicherung einzahlen

Außerdem fordert der VdK, dass Deutschland eine Sozialversicherung für alle einführt. Es sei gerecht, wenn jeder Verdiener in die Sozialversicherung einbezahle. Selbstständige bräuchten den Schutz einer Sozialversicherung, das zeige zum Beispiel das in der Corona-Krise ausbezahlte Kurzarbeitergeld, das für Versicherte derzeit viel abfedere.

Pflegevollversicherung soll alle Kosten übernehmen

Die dritte Forderung des VdK lautet, dass Deutschland eine Pflegevollversicherung einführt, die alle Kosten für die Pflege und Personal übernimmt. In bayerischen Pflegeheimen liege der Selbstzahleranteil derzeit bei 2.018 Euro. Das könnten sich nur wenige leisten. Jeder dritte Heimbewohner lebe von Sozialhilfe, so die bayerische Landesvorsitzende Ulrike Mascher. Sie fordert auch, dass der Staat die Pflege nicht mehr dem freien Markt überlässt, sondern selbst in die Hand nimmt, am besten durch die Kommunen. Private Pflegedienste würden nur dort Leistungen anbieten, wo die Wege kurz und das Personal billig sei, so Mascher.

Laut VdK ist die soziale Not in Deutschland durch die Corona-Krise deutlich gestiegen. Der VdK hatte seit März knapp sechs Prozent mehr Beratungen als im Vorjahreszeitraum. Allein der Landesverband Bayern verzeichnete einen Zuwachs von 23.000 neuen Mitgliedern. Jetzt seien es knapp 730.000.

Lob und Kritik aus der Politik

Die Linken im Bundestag begrüßten den Vorstoß. "Diese Krise muss der Neustart für eine sozial gerechte Gesellschaft sein - die Forderungen des VdK nach einer einmaligen Vermögensabgabe und vor allem die Stärkung der Sozialversicherungssysteme sind dafür richtige Instrumente", sagte die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Susanne Ferschl.

Kritik gab es dagegen aus der FDP: "Eine wie auch immer geartete Steuererhöhung ist Gift für das Wirtschaftswachstum und das völlig falsche Signal", sagte der Vizechef der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer. Und er fügte hinzu: "Die Union muss eine Neidsteuer verhindern."

© BR

Der Sozialverband VdK fordert zur Bewältigung von Folgen der Corona-Krise eine einmalige Vermögensabgabe. Nach seinen Vorstellungen soll bei der Abgabe ein Freibetrag von einer Mio Euro gelten, selbst bewohnte Immobilien sollen steuerfrei bleiben.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!