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Corona: Wie man sich in Krankenhäusern zu schützen versucht | BR24

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Für Kliniken ist es wichtig, mit dem Corona-Virus infizierte Personen schnell zu erkennen und zu isolieren. So können Mitarbeiter und andere Kranke vor einer Ansteckung geschützt werden.

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Corona: Wie man sich in Krankenhäusern zu schützen versucht

In vielen Krankenhäusern wächst bei den Mitarbeitenden die Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. An der München Klinik Bogenhausen wurden nun neue Behandlungs-Standards entwickelt: mit Schutzschilden und speziellen Beatmungs-Geräten.

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Florian Lemmink schiebt einen Patienten in Schockraum 2 des Notfallzentrums der München Klinik Bogenhausen. Lemminks Anweisung ist präzise, seine Stimme klingt angespannt: "Hallo - das ist ein Patient der lag jetzt in der Aufnahmestation, der hat schon über Luftnot geklagt, war bisher aber stabil, hat jetzt zwei Liter Sauerstoff laufen. Wird jetzt zunehmend blau und reagiert jetzt nicht mehr so gut auf Ansprache. Aber er atmet noch." Ein Assistenzarzt übernimmt den Patienten: "Hören Sie mich? Hören Sie mich?"

Notfall-Übungen an Puppen

Florian Lemmink ist Leiter des Intensiv- und Akutbereichs des Notfallzentrums der München Klinik Bogenhausen. Er hat hier gerade keinen echten Patienten in den Schockraum geschoben, sondern eine Puppe, die alle menschlichen Körperfunktionen simuliert. So wie jetzt die Atemnot.

Der vermeintliche Notfall ist ein Training. Ärzte und Pflegekräfte müssen die Puppe intubieren, also künstlich beatmen. Dabei kommen Sie dem Patienten mit ihrem Gesicht sehr nahe. Könnten sich über dessen Atem-Tröpfchen mit dem Coronavirus anstecken.

Arbeit unter "extremen" Bedingungen

Zu ihrem eigenen Schutz rollen sie deshalb Plastikbespannungen über Oberkörper und Kopf des Patienten. Mit ihren Händen unter der Plane führen sie die Intubation durch. Zusätzlich tragen sie Schutzkleidung.

"Es sind extreme Bedingungen, weil die Kollegen ja auch wirklich schwitzen", erklärt Lemmink. "Die haben einen dicken Kittel an, die haben ein Gesichts-Schild an, unter dem man auch eine viel schlechtere Sicht hat. Die haben eine Haube auf, einen wirklich dicht sitzenden Mundschutz, der die Atmung auch erschwert."

Lemmink und sein Kollege Oberarzt Mathias Schmid haben in den letzten Wochen neue Standards für die Behandlung von Covid-19-Patienten entwickelt. Weltweit gibt es dazu bislang kaum Handlungs-Empfehlungen, weil das Virus alle überrascht hat. Dabei ist der Eigenschutz des medizinischen Personals essentiell. In Italien beispielsweise infizierten sich viele Klinik-Mitarbeitende bei der Behandlung von Covid-19-Patienten.

München Klinik hat größte Erfahrung mit Corona

An der München Klinik - mit ihren vier Krankenhäusern in der Landeshauptstadt - hat man deutschlandweit die längste Erfahrung in der Behandlung von Covid-19-Erkrankten. Ende Januar wurden am Klinik-Standort Schwabing die ersten Patienten behandelt. Inzwischen sind es an allen vier Standorten über 600. Die Schutzmaßnahmen werden ständig erweitert.

"Wir testen jeden Patienten, der zu uns kommt", so Dr. Axel Fischer, der Vorsitzende der Geschäftsführung der München Klinik. "Auch die 20-jährige Mountainbikerin, die ihren Knöchelbruch hat und sonst pumperlgesund ist. Auch die testen wir. Um dann wirklich auch im Haus zu separieren."

Computertomograph bietet zusätzlichen Schutz

Betritt man als Patient das Notfallzentrum in Bogenhausen, wird man sofort nach möglichen Corona-Symptomen gefragt. Das gesamte Klinik-Personal trägt Mund-Nasen-Schutz sowie Handschuhe, egal ob sie mit Covid-19-Erkrankten arbeiten oder mit anderen Patienten.

Draußen vor dem Notfallzentrum ist eine zusätzliche Aufnahmestation aufgebaut. An Tagen mit vielen Patienten bietet sie Entlastung. Seit kurzem steht hier auch ein Container der Bundeswehr. Darin befindet sich ein Computertomograph. Patienten mit offensichtlichen Corona-Symptomen können im CT-Container untersucht werden, bevor sie die Klinik überhaupt betreten. Ist ein Patient an Covid-19 erkrankt, zeigt das Bild seiner Lunge krankhafte Veränderungen.

"Ein CT ist relativ schnell gemacht", erklärt Fischer. "Und in einem extra Container vermeiden wir, infizierte Patienten wieder durch das ganze Krankenhaus in die Radiologie zu fahren. So können wir sie gleich abfangen und haben relativ schnell eine Zusatz-Diagnose neben dem Test, der ja erst nach 18-24 Stunden positiv oder negativ ist."

Sauerstoffmangel wird nicht immer bemerkt

Drinnen im Schockraum des Notfallzentrums geht die Schulung der Mitarbeitenden weiter. Die Klinik verfügt inzwischen über sogenannte Niv-Helme: spezielle Beatmungshelme, die den Covid-19-Erkrankten wie Astronauten-Helme über den Kopf gezogen werden und die Atmung unterstützen.

Gleichzeitig schützen sie auch das Personal vor einer Ansteckung. Denn beim Aufziehen der Helme kommen die Mitarbeitenden nicht so stark mit infektiösen Atem-Tröpfchen des Patienten in Kontakt, wie es zum Beispiel bei einer klassischen Intubation der Fall wäre.

Außerdem zählt gerade bei Covid-19-Patienten die schnelle Behandlung, erklärt Schulungsleiter und Oberarzt Mathias Schmid: "Die haben klinisch einen eindeutigen Sauerstoffmangel, merken diesen aber nicht. Das heißt, sie fühlen sich gesünder als sie in Wirklichkeit sind." Viele würden daher auch später oder erst dann kommen, wenn bereits ein rasches Eingreifen, oft mit Unterstützung der Atmung, notwendig sei.

Mechanische Herzdruckmassage bei Corona-Patienten

Auch wenn ein Patient wiederbelebt werden muss, nutzen die Mitarbeitenden jetzt häufig ein technisches Gerät. Die Herzdruckmassage führen sie selbst nur noch möglichst kurz aus. Denn bei der Massage sitzen sie zum Teil auf allen Vieren über dem Patienten, um genug Druck auf dessen Brustkorb ausüben zu können.

Bei Corona-Verdachtsfällen ist hierbei die Ansteckungsgefahr groß. Deshalb schließen die Mitarbeitenden so schnell es geht einen "Lucas" an. So heißt das Gerät, dass um den Brustkorb des Patienten gelegt wird und mechanisch die Herzdruckmassage ausführt.

Die Angst und die Unsicherheit, wie man einerseits Covid-19-Patienten richtig behandelt und sich dabei andererseits selbst am besten vor einer Ansteckung schützt, war unter den Mitarbeitenden anfangs groß, erzählt Oberarzt Mathias Schmid. Durch die Klinik eigenen Schulungen und die Schutzmaßnahmen hätten inzwischen viele an Sicherheit gewonnen. Die erarbeiteten Standards teilt die München Klinik inzwischen mit Krankenhäusern weltweit.

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