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In Österreich setzt die Regierung auf Massentests. Die Strategien in der Corona-Krise sind in Europa von Land zu Land sehr unterschiedlich.

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    Corona: Wie ist die Lage in den europäischen Nachbarländern?

    Corona hat Europa wieder fest im Griff. Im Kampf gegen das Virus setzen die einzelnen Länder aber auf teils sehr unterschiedliche Strategien. Wir haben unsere Korrespondenten gebeten, die Situation in ihren Ländern zu schildern.

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    • BR24 Redaktion

    Ausgangssperren, Schulschließungen, Massentests: Im Kampf gegen das Coronavirus setzen die Länder innerhalb Europas auf sehr unterschiedliche Maßnahmen. Den Überblick zu behalten, was wo gilt, ist dabei oft schwierig. Gerade für viele Grenzpendler kann das schon mal zur Verzweiflung führen. BR24 hat deshalb seine Korrespondenten gefragt, wie die Lage in den deutschen Nachbarländern aussieht.

    Online-Unterricht in Polen

    Nachdem Polen im Frühjahr vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen ist, hat Corona das Land im zweiten Anlauf voll erwischt. Mit deutlich über 20.000 Neuinfektionen pro Tag lag Polen zwischenzeitlich über den Werten des nach Bevölkerung doppelt so großen Deutschland, und das bei sehr niedrigen Testraten.

    Es gibt in der EU kaum ein Land, das so wenige Corona-Tests durchführt wie Polen: Zuletzt waren es kaum noch 40.000 Tests pro Tag. Entsprechend groß dürfte die Dunkelziffer sein und die Totenschein-Statistik weist deutlich erhöhte Todesziffern seit etwa September aus, wobei sich dahinter nicht nur hunderte Corona-Tote pro Tag verbergen dürften, sondern auch Menschen, die mit anderen Beschwerden nicht behandelt werden konnten oder sich nicht in Krankenhäuser trauten - angesichts von Fernsehbildern, die Krankenwagen-Staus an den Pforten zeigten und Berichte von stundenlangen Irrfahrten auf der Suche nach einem freien Intensivbett.

    Gemessen an den öffentlichen Angaben gab es zuletzt einen Rückgang der täglichen Neuinfektionen auf Werte zwischen 9.000 und 15.000. Bei der 7-Tages-Inzidenz lag das Land zuletzt aber immer noch bei mehr als 200. Dies dürfte auch der wieder größeren Hygiene-Disziplin vieler Polen geschuldet sein und einem Teil-Lockdown, der allerdings anders gestaltet ist als der in Deutschland: Der Schulunterricht wurde inzwischen wieder flächendeckend auf Online umgestellt, dafür durften Geschäfte in den großen Einkaufszentren unter Auflagen am letzten Wochenende wieder öffnen. Schwimmbäder und Fitnesscenter sind ebenso geschlossen wie Theater oder Kinos, das alles gilt vorerst bis nach Weihnachten.

    Die Skilifte in den polnischen Bergen sind in Betrieb und es wird bereits gestritten, ob dies ein Fehler ist: Denn nach einem Wintereinbruch zeigt sich großes Gedränge an den Eingangsschleusen, obwohl eigentlich Abstandsgebote und Maskenpflicht auch hier gelten sollen. Polnische Medien meldeten aber, dass sich Staatspräsident Andrzej Duda persönliche gegen strengere Regeln eingesetzt habe: Er gilt als begeisterter Skifahrer.

    Jan Pallokat, Polen

    Test-Offensive in Frankreich

    Frankreich hat mit Lockdown Nr. 2 die Pandemie wieder in den Griff bekommen. Die Inzidenz im Landesdurchschnitt liegt derzeit bei unter 100 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern. Die Neuinfektionen wurden von rund 60.000 pro Tag auf nun oft unter 10.000 gedrückt. Die Zahl der Todesfälle und der Patienten auf Intensivstationen sinkt ebenfalls.

    Also: Regeln lockern. Auch die "nicht lebensnotwendigen" Geschäfte sind wieder auf und man darf sich ohne triftigen Grund inzwischen 3 Stunden lang im Umkreis von 20 Kilometern um den Wohnort frei bewegen.

    Besonders erfolgreich war die jüngste Test-Offensive mit 2,3 Millionen PCR-Tests pro Woche Anfang November. Derzeit nutzen die Franzosen aber vor allem die 15-Minuten-Schnelltests – kostenlos und easy in der Apotheke an der Ecke. Frankreich hat eine klare Strategie – liegen die Neuinfektionen bei unter 5.000 am Tag, wird weiter gelockert. Ab 15. Dezember fallen die Ausgangsatteste weg, es wird nur noch eine Ausgangssperre von 21 bis 7 Uhr gelten. Ab 20. Januar sollen die Restaurants wieder öffnen dürfen.

    Das Vertrauen in die Regierung ist durch diese Erfolge gewachsen. Im Januar soll in den Pflegeheimen mit dem Impfen begonnen werden. Doch nur 41% der Franzosen wollen sich impfen lassen. Um Weihnachten sorgen sich alle in Frankreich: Die Regierung empfiehlt maximal sechs Erwachsene am Festtagstisch. Einer Umfrage zufolge planen die Familien von ganz allein kleinere Festrunden: mit durchschnittlich 5 Erwachsenen statt – wie 2019 – mit 8,5.

    Stefanie Markert, Frankreich

    Leichte Entspannung nach Lockdown in Österreich

    Das öffentliche Leben in Österreich wird nach einem mehrwöchigem Lockdown teilweise wieder hochgefahren. Ab 7.12. dürfen die Schulen, der Handel, Museen, Bibliotheken, sowie Betriebe für körpernahe Dienstleistungen wie Friseure wieder öffnen. Allerdings unter strengen Corona-Sicherheitsmaßnahmen. So wird in den Schulen und Universitäten weiterhin auf Distance-Learning gesetzt, einzige Ausnahme: Die Pflichtschule (in etwa Klassen 1 bis 9) sowie die Abiturienten-Klassen.

    Ausgangsbeschränkungen gibt es ab Montag von 20.00 bis 06.00 Uhr. In dieser Zeit ist das Verlassen der Wohnung nur aus einem triftigen Grund erlaubt - Arbeit, Lebensmitteleinkauf oder Erholung an der frischen Luft. Untertags ist es wieder möglich, sich mit einem anderen Haushalt zu treffen, aber auch hier gibt es eine Begrenzung: bis zu sechs Erwachsene und sechs Kinder.

    Die Gastronomie, sowie die Hotels bleiben voraussichtlich bis 7. Januar geschlossen. Eine Abholung von Speisen ist allerdings möglich, sowie ein Lieferservice rund um die Uhr. Die Hotels dürfen Geschäftsreisende beherbergen. Bezogen auf das Thema Skifahren hat die österreichische Regierung am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass die Seilbahnen ab den 24. Dezember wieder öffnen dürfen. Außerdem wurde angekündigt, dass zwischen Mitte Dezember und 10. Januar Einreisende aus Länder, deren 14-Tage-Inzidenz der positiven Corona-Fälle höher als 100 ist, zehn Tage in Quarantäne müssen. Ein Freitesten ist nach fünf Tagen mittels PCR-Test möglich.

    Die aktuelle 7-Tages-Inzidenz in Österreich sinkt langsam und liegt aktuell bei einem Wert von rund 300. Vor einer Woche lag sie noch bei über 400. Laut dem Gesundheitsminister Rudolf Anschober bleibt die Covid-Lage in Österreich weiterhin ernst. Es gibt nach wie vor eine starke Überlastung der Intensivstationen und viele Todesfälle – in den letzten 7 Tagen sind rund 500 Menschen in Österreich an dem Coronavirus verstorben.

    Yvonne Samsarova, Österreich

    Strenge Kontaktbeschränkungen in Belgien

    Vor einem Monat hielt Belgien den traurigen Rekord in der Europäischen Union als das Land mit den höchsten Corona-Fallzahlen. Jetzt bessert sich die Lage dank drastischer Maßnahmen: Bis zum 1. Dezember waren die Geschäfte mit wenigen Ausnahmen geschlossen. Jetzt haben sie wieder offen, aber Einkaufen geht nur alleine und höchstens eine halbe Stunde lang. Restaurants, Cafés und Bars bleiben zu. Auch über Weihnachten gelten strenge Kontaktbeschränkungen - Haushalte dürfen nur eine weitere Person einladen. Nur Alleinstehende dürfen an den Feiertagen zwei Freunde oder Verwandte gleichzeitig empfangen.

    In der vergangenen Woche wurden täglich rund 2.300 Neuinfizierungen bestätigt und 204 Patienten wegen Covid-19 in Krankenhäuser aufgenommen – jeweils Rückgänge um ein Drittel. Aktuell werden 3.700 Patienten behandelt, davon 854 auf Intensivstationen. Impfungen gegen das Corona-Virus sollen in Belgien ab dem 5. Januar beginnen. "Wenn der Impfstoff bereit ist, sind wir es auch", sagt Premierminister Alexander De Croo.

    Belgien hat lange ein bisschen neidisch auf Deutschland geschaut und auf seine vergleichsweise strengen Maßnahmen, die halfen, die Pandemie einzudämmen. Jetzt hat Belgien kritisiert, dass Deutschland über Weihnachten mehr Kontakte zulässt: Unsere Nachbarn tun nicht das, was angebracht wäre, sagt Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. Die Medizinerin und Regierungsberaterin Erika Vlieghe verweist darauf, dass deutsche Ärzte sehr unglücklich seien über die Regel-Entspannung zum Jahresende. Sie sagt: Was Belgien macht, ist streng, aber mutig und richtig. Der flämische Virologe Steven Van Gucht ist besorgt mit Blick auf die deutschen Lockerungen: Da kommen möglicherweise Millionen Menschen zusammen, sagt er, das könnte eine Bombe werden. Van Guchts Ansicht: Lieber ein stilles Weihnachten, aber dafür den möglichen Anfang vom Ende der Pandemie zu Beginn des kommenden Jahres nicht gefährden.

    Jakob Mayr, Belgien

    Geringe Einschnitte in der Schweiz

    Seit Wochen verzeichnet die Schweiz im europäischen Vergleich relativ hohe Infektionszahlen. Der Innenminister Alain Berset bezeichnete die Situation als schwierig. So stehe das Gesundheitssystem unter Druck. Das Personal der Krankenhäuser sei am Anschlag. Einen landesweiten Shutdown gab und gibt es allerdings nicht. Stattdessen setzt man nach wie vor auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger.

    Schweizweit gilt mittlerweile eine Maskenpflicht für öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte, Sportstudios und überall, wo der empfohlene Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Veranstaltungen bis maximal 50 Personen sind weiterhin erlaubt. Für private Treffen gilt die Höchstgrenze von 10 Personen. Singen ist nur im Familienkreis und in Schulen erlaubt. Nach kontroverser öffentlicher Debatte dürfen Skigebiete weiter öffnen, sie benötigen jedoch eine Bewilligung der regionalen (kantonalen) Behörden.

    Einige Kantone haben Regeln erlassen, die deutlich strenger sind, als die Vorgaben der Regierung. So sind in Graubünden Gaststätten geschlossen. In Basel dürfen lediglich Lebensmittelläden und Apotheken öffnen.

    Dietrich Karl Mäurer, Schweiz

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