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Corona-Weg: Stimmung in Schweden scheint zu kippen | BR24

© ARD / Carsten Schmiester

Der "Schwedische -Corona-Weg": Die Stimmung in der Bevölkerung scheint zu kippen.

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Corona-Weg: Stimmung in Schweden scheint zu kippen

Noch im April hatte sich die Mehrheit der Schweden hinter den "schwedischen Weg" in der Corona-Pandemie mit wenig Verboten und nur einigen Empfehlungen gestellt. Doch die Zustimmung schwindet zunehmend - auch aufgrund der hohen Zahl an Todesfällen.

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Erst blieb es friedlich, dann wurde es lauter - und am Ende versuchte die Polizei sogar mit Pfefferspray die Menge aufzulösen. "Eine Bombe, die in drei Wochen explodieren könne", so hat ein schwedischer Facharzt für Infektionskrankheiten diese Demo in Stockholm genannt.

Stimmung in Schweden scheint zu kippen

Hunderte meist junge Leute waren am Mittwoch auf die Straße gegangen, um nach dem gewaltsamen Tod des US-Amerikaners George Floyd gegen Rassismus zu protestieren. Das an sich war nicht strittig, aber die Tatsache, dass gegen das Verbot von Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern verstoßen wurde. Das kam bei vielen Corona-besorgten Schweden nicht besonders gut an. Die Stimmung scheint zu kippen.

Laut einer neuen Umfrage des öffentlich-rechtlichen Senders SVT ist das Vertrauen in die schwedische Regierung und die Gesundheitsbehörde eingebrochen. Der Anteil derer mit großem oder relativ großem Vertrauen in die Corona-Maßnahmen sei um rund 20 Prozent gesunken. Gründe dafür könnte die hohe Zahl von Toten, vor allem unter Älteren, sein, sowie mangelnde Information über den Verbreitungsgrad von Corona.

Vertrauen in Gesundheitsbehörden deutlich gesunken

Noch im April hatten sich 63 Prozent der Befragten klar hinter den eher entspannten "schwedischen Weg" mit wenigen Verboten und nur einigen Empfehlungen gestellt. Aktuell sind es laut SVT nur noch 45 Prozent. Auch das Vertrauen in den Zivilschutz und die Gesundheitsbehörde ist deutlich zurückgegangen.

Hat Anders Tegnell, der Staatsepidemiologe, vielleicht doch nicht alles richtig gemacht? Er selbst übte in einem Radiointerview erstmals so etwas wie Selbstkritik: "Es gibt sicher Verbesserungspotential. Es wäre gut, wenn man genauer wüsste, was man noch hätte schließen sollen, um die Ausbreitung effektiver zu verhindern."

So könnten Kitas und Grundschulen bis zur neunten Klasse möglicherweise noch schließen. Restaurants und Geschäfte haben dagegen noch immer geöffnet.

Noch immer nur wenige Corona-Testmöglichkeiten

Da es bis jetzt nur wenige Testmöglichkeiten gibt, wurde die Medizinprofessorin Harriet Wallberg als neue "Testkoordinatorin" der Regierung berufen, dies zu ändern. Doch sie gab ihren Job nach nur drei Wochen wieder auf. Freiwillig oder frustriert vom Apparat? Das ist unklar. Im Sender TV4 warnte sie: "Wir liegen immer noch auf hohem Niveau, was Infizierte und Tote angeht. Die Zahlen müssen runter. Dazu müssen wir breit testen, und zwar alle mit Symptomen. Außerdem müssen alle Positiven isoliert und Ansteckungsketten ermittelt werden."

Reisebeschränkungen sollen aufgehoben werden

Auch die bisher zahme Opposition kritisiert inzwischen die rot-grüne Minderheitsregierung und fordert unter anderem mehr Tests, die fix versprochen wurden. Ministerpräsident Stefan Löfven steht unter Druck und er versucht es mit Schadensbegrenzung. Mit der Aufhebung der Reisebeschränkungen für Schweden im eigenen Land. Ab Mittwoch kommender Woche fällt die Zwei-Autostunden-Regel, aber nur für Gesunde, wie immer man das sicher wissen soll. Und er hat für den Sommer eine Untersuchungskommission versprochen, die den schwedischen Corona-Weg kritisch unter die Lupe nehmen soll.

Doch das Problem könnte werden: Schweden macht im Sommer nahezu geschlossen Ferien und steht dann zehn Wochen lang praktisch still. Ob Testen oder Untersuchen, es stellt sich die Frage: Wenn die meisten weg sind, wer soll das dann machen?

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