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Corona und Waldbrände: Angst in Tschernobyl | BR24

© ARD-Studio Moskau / Martha Wilczynski

Vor genau 34 Jahren kam es zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Ausgerechnet in dieser Phase wüten in der Sperrzone heftige Waldbrände. Für Einheimische ein Flashback in die Sowjetzeit.

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Corona und Waldbrände: Angst in Tschernobyl

Vor genau 34 Jahren kam es zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Ausgerechnet in dieser Phase wüten in der Sperrzone heftige Waldbrände. Für Einheimische ein Flashback in die Sowjetzeit.

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Seit drei Wochen schon toben Waldbrände in der Sperrzone rund um das 1986 havarierte Atomkraftwerk in Tschernobyl. Immer wieder melden Behörden Löscherfolge, immer wieder tauchen neue Brandherde auf.

Regelmäßig informiert der ukrainische Katastrophendienst über die aktuelle Lage in der Sperrzone um Tschernobyl. "Wir haben Brandherde in der Nähe des Ortes Rossocha entdeckt", heißt es. "An zwei anderen Stellen gehen die Löscharbeiten weiter. Eine weitere Ausbreitung des Feuers konnte verhindert werden. Mehr als 1.050 Personen sind an Löscharbeiten beteiligt."

Gelangen radioaktive Partikel nach Kiew?

Und dann formuliert der Katastrophendienst noch einen Nachsatz: "Die radioaktive Belastung in der Stadt Kiew, in der Region Kiew und in der Sperrzone entspricht der Norm." Ein Nachsatz, der nicht unwichtig ist. Denn genau deswegen machen sich viele Menschen Sorgen: Dass die von den Waldbränden verursachten Rauchwolken auch radioaktive Partikel transportieren könnten, etwa in die nur knapp 100 Kilometer entfernte ukrainische Hauptstadt Kiew.

Besonders als über Tage dicker Smog über der Stadt hing und der Brandgeruch bis in die Wohnungen zog, waren viele Kiewer alarmiert. "Ich rufe alle Bürger dazu auf, nicht in Panik zu verfallen", erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft. "Wir erinnern uns an die Lehren des 26. April 1986. Niemand wird ihnen die Wahrheit verschweigen." Doch genau das befürchten viele.

Tschernobyl: Katastrophenstimmung wegen Corona

Gerade in den sozialen Netzwerken wird das heutige Krisenmanagement immer wieder mit den Vertuschungsversuchen der damaligen Sowjetführung verglichen. Auch Sascha Sirota, der als zehnjähriger Junge die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl unmittelbar miterlebt hat, fühlt sich an die Situation vor genau 34 Jahren erinnert.

"Wir sehen mit eigenen Augen, wie viel Technik und Personal im Einsatz sind – und das seit Wochen. Zeltstädte, in denen heute Retter, Feuerwehrleute und die Nationalgarde wohnen. Es ist fast wie damals", sagt Sirota.

Verstärkt wird seine Erinnerung dadurch, dass alle wegen der Corona-Pandemie Atemschutzmasken tragen: "Das ruft Erinnerungen wach. Und dann diese absolut schräge Kommunikation, bei der nicht klar ist, ob alle Informationen auch weitergegeben werden."

Konkret wirft Sascha Sirota den Behörden vor, so zu tun, als ob sie alles im Griff hätten. Dabei seien es Freiwillige wie er selbst, die die Einsatzkräften vor Ort mit Essen versorgen. Genau das versuche man aber zu dementieren und als Fake darzustellen: "Also einerseits bittet man uns um Hilfe und wir helfen. Andererseits sagt man uns, dass unsere Hilfe gar nicht nötig war und dass auch ohne uns alles gut läuft."

Hilfe von der Bundesregierung bei der Strahlenmessung

Mittlerweile haben die ukrainischen Einsatzkräfte auch Unterstützung aus dem Ausland erhalten – unter anderem schickte die Bundesregierung dutzende Geräte zur Strahlenmessung, Feuerwehrschläuche und einen speziellen Löschwagen.

Dass sich die Situation aber überhaupt so sehr zuspitzen konnte, liegt nach Ansicht einiger Kritiker auch daran, dass die ukrainischen Behörden falsche Prioritäten gesetzt hätten. Sicherheit und Brandschutz seien in den vergangenen Jahren in der Sperrzone stark vernachlässigt worden.

Stattdessen wurde in den Ausbau des Tourismus investiert – allein 2019 gab es dafür umgerechnet drei Millionen Euro staatlicher Fördergelder. 2020 hätten es bis zu 200.000 Besucher werden sollen, wären das Coronavirus und die verheerenden Brände nicht dazwischen gekommen.

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