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Corona-Tests in einer Teststation.

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Wie aussagekräftig sind die RKI-Zahlen nach Ostern?

Der Corona-Inzidenzwert in Deutschland ist gesunken - von 143,7 am vergangenen Dienstag auf 123 heute. Experten sehen dennoch keinen Grund zur Entwarnung: Denn wegen der Osterfeiertage könnten die Zahlen wenig aussagekräftig sein.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Claudia Kohler

Zuletzt ist die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner deutlich gesunken. Stand heute liegt die deutschlandweite Inzidenz laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 123 - während sie vor einer Woche noch bei 142,7 lag. Allerdings muss das keine Trendwende im Kampf gegen die dritte Corona-Welle bedeuten. Experten halten es sogar eher für wahrscheinlich, dass die Zahlen nach Ostern schnell wieder nach oben gehen.

24 bayerische Landkreise melden keine Neuinfektionen für Ostermontag

Grund sind einige Effekte, die sich an den Osterfeiertagen niederschlagen und auf die auch das RKI auf seiner Homepage verweist: Zum einen gehen an den Feiertagen weniger Menschen zum Arzt. Deshalb werden auch weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt. Und die Fälle, die ans Gesundheitsamt gemeldet werden, werden von dort in dieser Zeit häufig nicht weitergeleitet, weil viele Landesbehörden an den Feiertagen keine Daten ans RKI weiterleiten.

Die Fallmeldungen, die heute aus Bayern beim RKI eingegangen sind, bestätigen diese Einschätzung. 24 Landkreise und kreisfreie Städte meldeten für den Ostermontag keine neuen Corona-Fälle.

Infektiologe Salzberger rechnet mit vier bis fünf Tagen Verzögerung bei den Zahlen

Viele Fachleute gehen davon aus, dass es einige Tage dauern wird, bis die Zahlen des RKI wieder eine verlässliche Einschätzung zulassen. Der Leiter der Abteilung Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg, Bernd Salzberger, sagte im BR-Interview: "Das kennen wir von den Weihnachtsfeiertagen und den Neujahrstagen - das dauert vier, fünf Tage, dann wissen wir, wo wir stehen. Im Augenblick fliegen wir ein bisschen blind."

Die folgende Grafik zeigt, wie Weihnachten und Silvester jeweils zu einer starken Abnahme der Fallzahlen führten. Einige Tage danach stieg der 7-Tage-Mittelwert dann sprunghaft an, bevor der Trend sich normal fortsetzte:

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Auch nach Weihnachten und Silvester waren die Corona-Fallzahlen erst nach einigen Tagen wieder auf einem verlässlichen Niveau.

Auf Anfrage des BR erklärte eine Sprecherin des RKI, man gehe davon aus, dass die verminderte Anzahl an Tests den größeren Einfluss auf die Meldedaten habe, als die in Wochenend- und Feiertagsbesetzung arbeitenden Gesundheitsämter. Gegebenenfalls würden nach Ostern aufgrund von Urlaub und geschlossenen Praxen sogar noch weniger Tests durchgeführt. Das RKI nimmt an, dass erst nach den Ferien, also nach dem kommenden Wochenende, die Testhäufigkeiten wieder auf einem mit den Vorwochen vergleichbaren Niveau liegen.

Corona-Maßnahmen richten sich nach unsicheren Inzidenzwerten

Das bedeutet in jedem Fall, dass die Planung der Corona-Maßnahmen noch für einige Zeit auf der Grundlage besonders unsicherer Inzidenzwerte vorgenommen werden wird.

Ein gutes Beispiel ist bereits jetzt die Stadt München, wo für den Ostermontag ebenfalls kein einziger neuer Fall ans RKI gemeldet wurde. Die letzten Nullmeldungen gab es hier dem Muster entsprechend für den 25.12.2020 und den 01.01.2021. Dennoch hat die Stadt beschlossen, die erst seit Sonntag geltenden strengeren Auflagen auf der Grundlage der Oster-Inzidenzen ab Mittwoch wieder zu lockern.

Eltern, Lehrerinnen und Erzieher sind im Besonderen betroffen, denn für Schulen und Kitas gilt in Bayern jeweils der Inzidenzwert von Freitag als Grundlage für Öffnungen oder Schließungen in der darauffolgenden Woche. Geht man von der Einschätzung der Experten und des RKI und der Entwicklung nach Weihnachten aus, werden die 7-Tage-Inzidenzen in den Landkreisen und Städten am kommenden Freitag höchstwahrscheinlich zu niedrig ausfallen.

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Der NRW-Ministerpräsident hat eine vorgezogene Verhandlungsrunde der Länderchefs gefordert, um einen mehrwöchigen "Brücken-Lockdown" zu beschließen. Dies solle gelten, bis ein größerer Prozentsatz der Deutschen gegen das Corona-Virus geimpft sei.

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