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Bildrechte: picture alliance/dpa | Nicolas Armer

Wie kommen Familien gut durch den Lockdown?

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Corona und kein Ende: So kommen Familien gut durch den Lockdown

Schulen zu, Kitas weitgehend dicht: Der Lockdown bringt Familien an die Grenzen der Belastbarkeit – und darüber hinaus. Umso wichtiger ist es, in der Krise einen kühlen Kopf zu bewahren. Mit diesen Tipps überstehen Familien die nächsten Wochen.

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Von
  • Manuel Mehlhorn

Wenn Homeoffice bei Eltern auf Homeschooling bei Kindern trifft, ist Stress programmiert. Da wird beispielsweise der Video-Call mit dem Chef oder Kollegen von den Kindern unterbrochen, die Hilfe bei den Schulaufgaben brauchen. Aber auch wer nicht im Homeoffice arbeitet, spürt den Stress bei den Kindern, die kaum noch Freunde treffen können – und auch bei sich selbst.

Damit Familien gut durch den Lockdown kommen, hat die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) auf dem Portal "Corona und Du" einige Tipps für Kinder und Eltern zusammengestellt. Wir haben mit dem Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie der LMU, Gerd Schulte-Körne, und der Wissenschaftsjournalistin und Erziehungsratgeberin Nicola Schmidt über das Familienleben im Lockdown gesprochen.

1. Fünfe gerade sein lassen

"Ich habe mit meinen Kindern noch nie so viele Filme geschaut, noch nie so viel nachmittags draußen gespielt und noch nie so oft zu meinen Kindern gesagt wie momentan: Wenn Du die Schulaufgaben jetzt nicht schaffst, machen wir so lange etwas anderes", erzählt Nicola Schmidt aus dem Lockdown-Alltag ihrer Familie. Wichtig ist es, den Druck für die Kinder so weit wie möglich zu reduzieren. Um die zusätzliche Belastung zu kompensieren, müssen alle Familienmitglieder nachsichtiger miteinander umgehen. Denn sonst wirkt sich der Stress auch auf die Beziehung der Eltern negativ aus.

2. Die Kinder bestimmen, was gelernt wird

Kein starrer Stundenplan, sondern der Wunsch der Kinder ist das Gebot der Stunde: Bei Nicola Schmidt lernen die Kinder, worauf sie Lust haben. "Wenn sie gar keine Lust haben und ich selbst arbeiten muss, rufe ich die Lehrer an: Bitte motivieren Sie mein Kind!"

3. Klare Tagesstruktur schaffen

Trotzdem ist es wichtig, dass sich die Kinder an klaren Tagesabläufen orientieren können: einheitliche Essenszeiten, ausreichend Schlaf, gemeinsame Familienrituale. Wenn möglich, sollten die Kinder Lernen und Spielen auch räumlich voneinander trennen. Denn in einem separaten Raum fällt es den Kindern leichter, sich auf das Lernen zu konzentrieren.

4. Genug Bewegung

Kein Sportunterricht, kein Schulweg, keine Pausen: Vor lauter Homeschooling und Homeoffice kann sich schnell Bewegungsmangel einschleichen. Sport kann Stress abbauen und damit das Risiko für psychische Erkrankungen verringern. Für Familien sind Sportarten ideal, die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern ausüben können: Joggen, Fahrradfahren, Inlineskaten. Auch in der Quarantäne kann man zu Hause fit bleiben: Zum Beispiel mit YouTube-Trainern, die per Video zur Bewegung animieren.

5. Den Lockdown kindgerecht erklären

Wie erklärt man einer Dreijährigen, was ein Lockdown ist? Nicola Schmidt macht das so: "Im Moment gibt es eine Krankheit, die Virus heißt. Wir wollen den nicht bekommen. Je weniger Leute wir treffen, desto weniger helfen wir dem Virus zu reisen. Der Virus kann alleine nicht reisen. Wir wollen ihm nicht helfen, auf die Reise zu gehen."

6. Den Medienkonsum im Griff haben

Klare Zeiträume, in denen Fernsehen oder Handyspiele erlaubt sind, helfen nicht nur den Kindern. "Wenn wir Erwachsene dann mal Zeit für uns haben, hängen wir auch ganz schnell wieder am Handy oder am Tablet. Worauf wir aber mehr achten sollten, sind klare Zeiträume, um zur Ruhe zu kommen." Nicola Schmidt empfiehlt: keine Bildschirme mehr nach 20 Uhr.

7. Warnsignale ernst nehmen

Wenn die Kinder plötzlich ohne Anlass traurig sind und sich immer mehr zurückziehen, ist Kommunikation wichtig, erklärt Schulte-Körne: "Reden Sie mit Ihrem Kind darüber: Was ist passiert, was beschäftigt Dich? Wie können wir Dir helfen?" Auf dem Portal "Corona und Du" finden Eltern und Jugendliche wichtige Anlaufstellen – zum Beispiel die "Nummer gegen Kummer": Unter der 116111 können sich Kinder und Jugendliche montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr anonym und kostenlos beraten lassen. Egal, ob es um Stress mit den Eltern oder Mobbing in der Schule geht.

8. Auch die Eltern brauchen Freiräume

All das fordert Eltern deutlich mehr als vor der Pandemie. Besonders wichtig ist für die Eltern deshalb, sich immer wieder eigene Freiräume zu gönnen. "Es muss diese Phasen geben, in denen Eltern bewusst sagen: Jetzt muss das Kind auch mal alleine zurechtkommen. Oder: Jetzt muss sich mal mein Partner kümmern", rät Schulte-Körne. Denn nur wenn Eltern auch mal abschalten können, kommen Familien gut und möglichst konfliktfrei durch den Lockdown.

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