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Ein Mädchen lernt zu Hause am Laptop.

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Corona und Homeschooling: So gut läuft es in anderen Ländern

Wegen Corona sind die Schulen in vielen Ländern geschlossen. Deutschland gilt als Nachzügler bei der Digitalisierung der Klassenzimmer: fehlende Rechner, kein Netz, kaum Know-how! Doch es geht auch anders – etwa in Finnland, Tschechien und Indien.

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Von
  • Weltspiegel Digital
  • Stefanie Gentner
  • Sibylle Licht
  • Christian Blenker
  • Danko Handrick

In Deutschland bleiben die Schulen noch bis mindestens Mitte Februar geschlossen. Auch viele andere Länder verschärfen ihre Corona-Restriktionen. Irland und Dänemark verlängern den Lockdown, die Niederlande und Großbritannien haben sich jüngst erneut für Schulschließungen und Distanzunterricht entschieden. Die Umsetzung der digitalen Klassenzimmer ist dabei eine große Herausforderung.

Deutschland bei der Digitalisierung hinten dran

"Deutsche Schulen tun sich schon lange schwer mit der Digitalisierung", sagt Nina Brandau vom deutschen IT- und Telekommunikations-Branchenverband Bitkom dem Bayerischen Rundfunk. Das liege unter anderem am Bildungsföderalismus, der es schwer mache, dass alle schnell und flächendeckend mit digitalen Lerninhalten ausgestattet werden.

"Die Krise hat die vielen Unzulänglichkeiten und Ungleichheiten in den Bildungssystemen in aller Welt zum Vorschein gebracht", betont Andreas Schleicher, Bildungsdirektor der OECD, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Doch in einigen Ländern läuft's richtig gut – überraschenderweise auch da, wo manch einer es vielleicht nicht gleich erwartet hätte.

Hier geht's zur Instagram-Story "Corona & Homeschooling" von Weltspiegel Digital (BR)!

Tschechien: Überall Internet – Bewegungsdaten für Sportlehrer

In Tschechien zum Beispiel wurden die Schülerinnen und Schüler in diesem Schuljahr bislang mehr zu Hause unterrichtet als im Klassenraum. Das funktioniert – weil Internet in Tschechien, anders als in Deutschland, überall verfügbar ist.

Die Lehrkräfte haben sich relativ schnell an die neue Situation angepasst. Das heißt: Etwa vier Stunden am Tag haben fast alle Schüler in Tschechien Online-Unterricht, selbst der Sportlehrer will einen digitalen Nachweis der Bewegungsdaten.

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Wie funktioniert der Fernunterricht in anderen Ländern? Weltspiegel digital berichtet aus Indien.

Indien: Sportunterricht online – Lockdown revolutioniert Lernen

In Indien gehen die Lehrerinnen und Lehrer sogar noch einen Schritt weiter und unterrichten – neben Mathe und Englisch – auch Sport digital. Die Lehrkraft gibt online Anweisungen zu Yoga- oder Taekwando-Übungen. Die Schülerinnen und Schüler müssen Videos einsenden, die dann kontrolliert werden.

In Indien schickt die Mittelschicht ihre Kinder vor allem auf Privatschulen – und die ziehen nach fast einem Jahr Online-Unterricht und Homeschooling eine positive Bilanz. Unterrichtet wurde von der ersten Klasse an. Die Schulen nutzen öffentliche Kommunikationsplattformen wie "Zoom" oder "Microsoft Teams". Datenschutz ist kein Thema. Fazit der Schüler: Sie wünschen sich einen Mix aus Homeschooling und Präsenzunterricht.

Vorbild Australien: Wo Fernunterricht seit 70 Jahren Alltag ist (Bayern 2)

Dänemark & Estland: Lernplattformen und digitaler Unterricht

Die skandinavischen Länder gelten als Vorzeige-Beispiele im Bildungsbereich. Estland beispielsweise gehört zu den führenden Bildungsnationen. Hier waren bereits 1999 alle Schulen ans Internet angeschlossen. Multimedialer Unterricht gehört für die Schülerinnen und Schüler zum normalen Alltag – wie auch in Dänemark, wo digitales Lernen bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie breitflächig etabliert war. 91 Prozent der Schülerinnen und Schüler nutzen dort täglich digitale Medien im Unterricht, das zeigt die internationale Studie ICILS (International Computer and Information Study). Außerdem hat in Dänemark schon lange fast jede Schule eine Lernplattform, auf die Lehrer und Lernende Zugriff haben.

Singapur: Digital besser aufgestellt als Deutschland

Konkrete Zahlen liefert hier eine Sonderauswertung der aktuellen Pisa-Ergebnisse aus dem Jahr 2018: Zum Zeitpunkt der Pisa-Erhebung hatten in Dänemark demnach mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler Zugang zu digitalen Lernplattformen. Ein ähnlich gutes Ergebnis weist Singapur auf. Der OECD-Schnitt liegt bei etwa 54 Prozent. Deutschland landet dabei mit gerade mal 33 Prozent weit hinten. Und die Lernplattform Mebis sorgt hierzulande immer wieder für Unruhe und Verwirrung.

Finnland: Schule mit Beamer statt Kreide

Auch in Finnland klappt das mit der digitalen Schule ganz gut. Statt Büchern, Stiften und Kreide sind hier Computer und Beamer schon längst etabliert. Vantaa, die viertgrößte Stadt Finnlands, hat beispielsweise schon vor drei Jahren in die digitale Ausstattung investiert. Für die Schulen wurden Laptops angeschafft. Lehrkräfte und Lernende bildeten sich entsprechend fort. Der Unterricht ist interaktiv - mit Filmen und Grafiken.

Und die Behörden dort denken schon weiter: Zusammen mit dem Staat will man ein System etablieren, das die Lernerfolge an den verschiedenen Schulen landesweit aufzeigt – in Echtzeit. Mit den Statistiken könnten dann beispielsweise Lehrpläne angepasst werden und somit Schülerinnen und Schüler noch individueller gefördert werden.

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