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Corona-Umfrage: Soll der Lockdown weitergehen? | BR24

© pa/dpa/Heiko Becker

Corona-Umfrage: Viele gegen langen oder scharfen Lockdown

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    Corona-Umfrage: Soll der Lockdown weitergehen?

    Bund und Länder wollen heute beraten, wie es weiter geht mit den Ausgangsbeschränkungen wegen Corona: verlängern oder gar verschärfen? Laut einer Online-Studie ist nur knapp die Hälfte der Bevölkerung bereit, den Lockdown lange mitzutragen.

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    Wissenschaftler am Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München wollten mit einer Online-Umfrage herausfinden, ob die Bürger bereit wären, längere oder schärfere Beschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise mitzutragen.

    Hier das Wichtigste zum Coronavirus

    Bevölkerung einsichtig und gutwillig

    53 Prozent der rund 15.000 Teilnehmer der Online-Studie zeigten sich zunächst einverstanden mit den Maßnahmen, die derzeit gelten, und 89 Prozent halten sich auch an die Regeln, obwohl 18 Prozent aller nicht hinter ihnen stehen (29 Prozent sind unentschieden).

    Eine hypothetische Verlängerung der Einschränkungen in puncto Kontakt und Ausgang bis Ende Januar 2021 fänden jedoch nur noch 21 Prozent der Teilnehmer richtig - für den Fall, dass diese verlängerten Maßnahmen noch verschärft und strenger kontrolliert werden, sind es nur 19 Prozent. Dennoch sagen heute knapp 49 bzw. 46 Prozent, dass sie sich auch an diese Regeln halten würden.

    Mehrzahl favorisiert kurze, aber einschneidende Maßnahmen gegen Corona

    Die Teilnehmer der Online-Studie von Prof. Mario Gollwitzer sind eher für kürzere und dafür schärfere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. 36 Prozent könnten sich eine drastische Verschärfung der Ausgangsbeschränkungen für wenige Wochen vorstellen und sogar 71 Prozent geben an, sich auch daran halten zu wollen.

    Sozialpsychologie-Professor Mario Gollwitzer interpretiert die Studie so, dass die Bevölkerung eine hohe Bereitschaft hat, die Einschränkungen ihrer Freiheiten zu erdulden, aber sie sollten nicht mehr allzu lange andauern.

    Hohe Akzeptanz für "On-Off-Strategie"

    Zur Wahl stand auch eine Strategie, nach der die Politik die Ausgangsbeschränkungen über eine längere Zeit hin phasenweise verschärft und dann wieder lockert - je nach dem, wie sehr das Coronavirus gerade grassiert und wie stark die Krankenhäuser überlastet sind. Diese Strategie findet fast ein Viertel der Befragten richtig, und zwei Drittel würden die Regeln auch befolgen.

    Große Teilnehmerzahl

    Die Studie ist zwar nicht repräsentativ, weil die Teilnehmer ein höheres Bildungsniveau haben als die durchschnittliche Bevölkerung und weil etwas mehr Frauen als Männer teilgenommen haben. In puncto Alter sei die Studie jedoch durchaus repräsentativ, so Gollwitzer. "Vor allem ist aber erstaunlich, dass an der nur fünf Tage online stehenden Umfrage so viele Menschen teilgenommen haben, dass wir die Antworten von nahezu 15.000 Teilnehmern auswerten konnten", sagt Gollwitzer. Insofern habe die Studie schon einiges an Aussagekraft.

    Herausforderung für die Politik

    In den Augen des Sozialpsychologen ist es nun eine große Herausforderung für die Politik, eventuell unpopuläre Maßnahmen zu verkünden, da weniger als die Hälfte der Menschen die aktuellen Beschränkungen auf lange Sicht mittragen würden.

    Politiker könnten dieses Wissen nutzen, um weniger einschneidende Maßnahmen wie eine Maskenpflicht, eine maßvolle Einschränkung von Kontakten oder die verantwortungsbewusste Beteiligung an einer Corona-App effektiver durchzusetzen, meint Prof. Mario Gollwitzer: "Wenn sie mit härteren Szenarien drohen, gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen sich auch an die Regeln von milderen Maßnahmen halten."

    Teilnehmer der Online-Studie

    Der Online-Fragebogen war vom 1. bis zum 5. April 2020 im Internet abrufbar. 59 Prozent Frauen und 39 Prozent Männer nahmen teil. Die Teilnehmer waren zwischen zehn und 88 Jahre alt, im Durchschnitt waren sie 45 Jahre alt. Von 15.589 Teilnehmern, die den Fragebogen ausgefüllt haben, konnten 14.433 ausgewertet werden.

    Die detaillierten Ergebnisse der Online-Studie sind hier in einem englischsprachigen Artikel des Studienleiters Mario Gollwitzer nachzulesen.

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