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Corona-Tests in einem Altenheim in Hradec Kralove

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    Corona: Tschechien zwischen Hoffen und Bangen

    In Tschechien gibt es nach harten Corona-Auflagen ersten Grund zur Hoffnung: Die Neuinfektionen sind rückläufig. Doch die Kliniken ächzen weiter unter der Zahl der Erkrankten - und die Zahl der Todesfälle ist hoch.

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    Von
    • Peter Lange

    Für Jan Blatny, den tschechischen Gesundheitsminister, ist es eine heikle Aufgabe: Einerseits muss er eine Perspektive aufzeigen, damit die Bevölkerung die Auflagen und Verbote weiter erträgt, die wegen der Corona-Pandemie verhängt worden sind. Also ein bisschen Prinzip Hoffnung: "Wenn wir uns verantwortlich verhalten und falls sich der Trend fortsetzt, können wir im Laufe einiger Wochen ein angenehmeres Leben beginnen." Andererseits darf er nicht zu viel Optimismus zulassen, weil der in neue Leichtfertigkeit münden könnte.

    "Umgekehrt, wenn wir uns nicht verantwortlich verhalten, dann kehren die schlimmen Zustände vielleicht zurück und dann wird Weihnachten nicht schön sein. Es liegt nur an uns." Jan Blatny, tschechischer Gesundheitsminister

    Anteil der Positiv-Befunde sinkt

    Die aktuellen Daten geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Seit etwa 10 Tagen sinkt die Zahl der Neuinfektionen deutlich gegenüber dem Vergleichswert von vor einer Woche. Gestern (Sonntag) wurden knapp 1.900 Infektionen registiert. Das ist der niedrigste Wert seit Anfang Oktober. Allerdings wird an Wochenenden deutlich weniger getestet. Insofern sagt diese Zahl wenig. Interessanter ist, dass der Anteil der positiven Befunde bei den Tests auf 25 Prozent zurückgegangen ist. Vergangene Woche waren es noch deutlich über 30 Prozent.

    Dort, wo die zweite Corona-Welle zuerst hineinschwappte, in Prag, dort ist der Rückgang jetzt am stärksten. Bezogen auf 100.000 Einwohner haben sich in der Hauptstadt im Durchschnitt der letzten sieben Tage rund 200 Menschen infiziert. Vor Wochen waren es noch an die tausend.

    Über 7.000 Infizierte in den Krankenhäusern

    Das eigentliche Drama der Pandemie findet mehr oder weniger unsichtbar in den Krankenhäusern statt: Immer noch 7.200 Menschen haben einen so schweren Infektionsverlauf, dass sie stationär behandelt werden müssen. 1.100 sind in sehr schlechter Verfassung. Am Sonntag sind wieder 65 Menschen an oder mit Covid 19 gestorben. Allein seit Beginn dieses Monats gab es in Tschechien bislang 2.700 Todesfälle im Zusammenhang mit der Infektion.

    Wie schlimm die Entwicklung ist, verdeutlicht ein Vergleich mit Schweden, ein Land mit annähernd gleicher Bevölkerungszahl. Am Ende der ersten Corona-Welle hatte Tschechien etwa 350 Todesfälle zu verzeichnen, in Schweden waren es 3.500. Aktuell hat Tschechien seit Beginn der Pandemie nun 6.200 Corona-Tote zu beklagen - und damit Schweden überholt.

    Die Regierung will Hoffnung machen

    Die Regierung in Prag will nun einerseits ihren Kurs beibehalten und andererseits der Bevölkerung eine Perspektive für die Aufhebung der Verbote und Auflagen aufzeigen, die vor über einem Monat in mehreren Schritten verhängt worden sind:

    Kultur- und Freizeitsektor sowie Gastronomie und ein großer Teil des Einzelhandels sind seit Anfang Oktober geschlossen. Dazu gilt seit über zwei Wochen eine nächtliche Ausgangssperre. Der Notstand soll in dieser Woche noch einmal verlängert werden, wenn es nach Gesundheitsminister Jan Blatny geht, um vier Wochen bis zum 20. Dezember. Ob das Parlament da mitspielt, wird sich am Donnerstag zeigen. Blatny hat unterdessen eine Übersicht veröffentlicht, aus der hervorgeht, bei welchem Grenzwert welche Lockerung eintreten soll.

    Eine erstes Signal der Entspannung gibt es für die Eltern von Erst- und Zweitklässlern. Die Kinder dürfen seit heute wieder in die Grundschulen.

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