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Corona-Trend Hühnerzucht | BR24

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Corona hat ja so manche Folgen: Im Berufsleben, aber auch privat. Einige besinnen sich da auf Selbstversorgung und kommen aufs eigene Huhn für den Garten.

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Corona-Trend Hühnerzucht

Corona löste einen wahren Hühnerhype aus und bescherte Geflügelzüchtern trotz geschlossener Märkte boomende Nachfragen. Bei einigen Interessierten mangelt es schon an Grundkenntnissen in Sachen Hühnerhaltung - andere werden zu echten Hühner-Experten.

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Von
  • Christine Schlech

Schon im Frühjahr gingen die ersten Anrufe bei den Züchtern Ute und Kurt Hudler in Rain am Lech ein. Da hatten sie noch nicht einmal mit dem Brüten begonnen. Bekannt sind sie in ganz Deutschland bei Züchtern für ihre preisgekrönten Zwerghühner. "Typische Anfragen kamen aber dieses Jahr vor allem für Legehühner wie die Niederrheiner. Die liefern im Jahr schon so 200 Eier", sagt Kurt Hudler."Die meisten Interessierten wollen jetzt eben das Frühstücksei-Huhn".

Schon seit Jahren erkennt er einen Trend zum eigenen Huhn im Garten, aber so einen Boom wie zu Beginn von Corona gabs noch nie. "Ich musst wirklich irgendwann mal sagen, jetzt geb ich nichts mehr ab, sonst hab ich selbst nichts mehr zur Weiterzucht!"

Hühner als Corona-Projekt

Gabi Wenger zählt zu seinen Kundinnen. Für die Mutter drei kleiner Kinder war das mit den Hühnern anfangs ganz klar ein Corona-Projekt. "Die Kinder haben erst mal ganz viel Arbeit gehabt mit den Baumaßnahmen - die Voliere, die Legenester, den Hühnerstall innen mit den Sitzstangen – die haben alle fleißig mitgeholfen", so Wenger. Und ganz nebenbei hat die Familie so noch alte Baustoffe und Gerümpel recycelt. Die Voliere zum Beispiel haben sie aus alten Regalen gebaut.

"Zu Beginn des Lockdowns waren ja auch noch die Baumärkte geschlossen, also wurden wir kreativ mit dem was wir hatten" - Gabi Wenger, Hühnerbesitzerin

Tochter Martha hat sogar ein Huhn für einen Balanceakt dressiert und so viel Zeit mit den Tieren im Freigehege verbracht, dass sie schon beinahe zahm sind. "Wir mussten ja ab März immer daheim sein und uns war langweilig und wir wollten spielen. Da kam das mit den Hühnern gerade recht!", so Martha.

Ihr 3-jähriger Bruder Gustav kramt gerade stolz ein Ei aus einer Hecke hervor, nicht immer landen die in den dafür vorgesehenen Legenestern. „Wenn ich die esse und weiß, dass unsere Hühner frei herumlaufen dürfen und so gutes Futter bekommen, dann schmecken die gleich viel besser“, sagt Martha begeistert. Blümchen, Tenga und Co bekommen nämlich neben Körnern auch Brombeeren, Himbeeren, Zwetschgen, Nudeln und eingeweichtes Brot.

Wichtig bei der Hühnerhaltung: Stallbau, Fütterung, Auslauf

Die Wengers wussten auf was sie sich da einlassen und haben sich vor der Anschaffung gut informiert was Stallbau, Fütterung, Auslauf, Lichtverhältnisse und die Wahl der richtigen Rasse angeht.

Das kennen die Züchter Ute und Karl Hudler aber auch anders. "Manche holen das Ei aus dem Nest, braten es sofort in der Pfanne und wundern sich, dass es nicht schmeckt! Ein Ei muss erst mal vier Tage lagern, bis man es zubereiten kann", klärt Ute Hudler auf. Zu Diskussionen kam es auch mit einem Kunden, der befürchtete, seine Hühner seien krank. "Dabei waren sie einfach nur in der Mauser, sahen in der Zeit natürlich auch nicht so ansehnlich aus. Aber das ist ein ganz natürlicher Prozess. In dieser Zeit legen Hühner auch keine Eier. Das muss man alles wissen".

Hühner pflegeleichter als Hunde oder Katzen

Dass der Hype nach Corona wieder abebbt, befürchten die beiden Züchter, die auch beim Verband Bayerischer Rassegeflügelzüchter aktiv sind, allerdings nicht. Zu den Neukunden zählen viele Familien mit Kindern, die begeistert sind wie sehr die Kleinen sich um die Tiere kümmern. "Man ist ja nicht so angehängt wie bei Hund oder Katze. Wenn die Hühner mal 3,4 Tage alleine sind, ist es auch ok".

Und wer einmal eigene Eier auf dem Frühstückstisch hatte, geht nicht mehr gern im Supermarkt einkaufen, ergänzt Ute Hudler.

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