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Corona-Teststrategie: Virologe fordert kürzere Quarantänezeiten | BR24

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Trotz mehrfacher Ankündigungen gibt es in Deutschland bis heute keine einheitliche Teststrategie. Auch bei den Quarantäneregeln sehen Experten Nachbesserungsbedarf.

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Corona-Teststrategie: Virologe fordert kürzere Quarantänezeiten

Ist eine Quarantäne von 14 Tagen für Corona-Kontaktpersonen wirklich unverzichtbar? Nein, sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Und er macht noch einen weiteren Vorschlag, um das Leben mit dem Virus zu vereinfachen.

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Vinzent und Magdalena sind ein Paar. Beide sind Journalisten. Zusammen flogen sie in den Urlaub an die Algarveküste in Portugal und verbrachten dort drei Wochen auf Campingplätzen. Freier Himmel, seriöse Hygienekonzepte, sehr niedrige Fallzahlen. Vor eineinhalb Wochen kehrten sie zurück und ließen sich am Flughafen München testen.

Nach dem Urlaub positiv auf Corona getestet

Vom Ergebnis waren beide überrascht: "Da war ich dann positiv und mein Partner negativ", erzählt Magdalena. Für Magdalena war klar: Zehn Tage lang würde sie sich in Isolation begeben müssen, die kleine gemeinsame Wohnung also nicht mehr verlassen dürfen. Komplizierter wird es bei ihrem Partner Vinzent. Wie kann es sein, dass er die Krankheit nicht hat?

Infiziert, aber nicht ansteckend - das geht

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg ist wenig überrascht: "Das sieht man nicht selten, gerade auch in Familien, dass sich nicht alle Familienmitglieder infizieren."

Für derlei Fälle gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist laut Schmidt-Chanasit, dass die Erkrankte gar nicht mehr infektiös ist. Das Virus sei zwar noch nachweisbar, aber die Menge an viraler RNA reiche nicht aus, um eine Infektion beim Partner hervorzurufen.

Auf engstem Raum mit infizierter Person

Das Gesundheitsamt in München verschaffte Vinzent einen Termin für einen zweiten Coronatest. Fünf Tage nach dem Test am Flughafen. Auf dem Fahrrad und so gekleidet, dass nur noch die Augen frei waren, fuhr er zum Testzentrum auf der Theresienwiese. Keine 24 Stunden später ist das Ergebnis da, wieder negativ.

Selbst nach so viel Zeit, in der das Paar auf engstem Raum zusammenlebte, bleibt es beim negativen Ergebnis. Für den weiteren Verlauf ist das nicht unerheblich.

Fast vier Wochen Quarantäne für Kontaktperson

Doch die nächste Überraschung kommt für Vinzent mit einem Bescheid des Gesundheitsamtes. Er muss vom 10. Oktober bis einschließlich 3. November in Quarantäne bleiben – insgesamt fast vier Wochen.

Die Begründung: Magdalenas Isolationszeit endet am 20. Oktober. Da sich Vinzent noch an diesem letzten Tag anstecken könnte, rechnet das Gesundheitsamt 14 Tage obendrauf. Also der 3. November.

Virologe plädiert für kürzere Quarantänezeiten

So lange müsste Vinzent nach Überzeugung des Hamburger Virologen Jonas Schmidt-Chanasit nicht in Quarantäne bleiben. Wie sein Fachkollege Christian Drosten von der Berliner Charité ist Schmidt-Chanasit der Meinung, dass statt bisher 14 Tage künftig fünf Tage Quarantäne für Kontaktpersonen von Corona-Infizierten wie Vincent reichen. "Insofern kann man sicherlich auch, wenn man hier mit einer relativ kurzen Inkubationszeit rechnen kann, bei ihm einen PCR-Test durchführen und ihn dann sicherlich auch früher aus der Quarantäne in dem Fall entlassen", so Schmidt-Chanasit.

Wenn also der Test an Tag fünf der Quarantäne noch immer negativ ausfällt, könnte man diese beenden.

Forderung nach einem Grenzwert für Infektiosität

Auch für Corona-Infizierte hält der Hamburger Virologe Erleichterungen für möglich. Er schlägt vor, einen Grenzwert für die Viruslast einzuführen. Wichtig sei es doch, dass die Infizierten in Isolation gehen, die andere Menschen anstecken können. Die anderen, die nicht ansteckenden, könnten weiter am öffentlichen Leben teilnehmen.

Deswegen brauche es einen Grenzwert, der aussagt: "Der ist zwar positiv, aber der ist nicht mehr infektiös. Und dann kann er raus, der muss ja nicht weiter isoliert sein." Denn es gebe durchaus Patienten, bei denen sei das Virus wochenlang nachweisbar, ohne, dass diese infektiös seien.

Allerdings: Auf einen solchen Grenzwert konnten sich Bund und Länder bisher nicht einigen. Dabei würde der nach Überzeugung des Hamburger Virologen auch dazu beitragen, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die verhängten Maßnahmen zu erhöhen.

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