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Corona-Testlabor: "Wir arbeiten gerade absolut am Limit" | BR24

© dpa/Sven Hoppe

Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) überprüft Tests von Verdachtsfällen

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    Corona-Testlabor: "Wir arbeiten gerade absolut am Limit"

    Aktuell wird immer wieder die Forderung nach flächendeckenden Corona-Tests laut. Doch Meldungen über lange Wartezeiten auf Tests sowie deren Ergebnisse häufen sich. Mediziner und Laborleiter Stefan Kopf erklärt die aktuelle Situation.

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    In Bayern können nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit (LGL) mittlerweile pro Tag mehrere tausend Corona-Tests ausgewertet werden. Deutschlandweit gibt es laut einem Sprecher des Bundesverbands der deutschen Laborärzte (BDL) ungefähr 350 ambulante Labore und circa 1.400 Labore in Kliniken. Davon könnten insgesamt 200 bis 300 Labore eine Testung auf SARS-CoV-2 durchführen. Mittlerweile könne man täglich zwischen 20.000 und 30.000 Tests durchführen.

    Stefan Kopf, ein Münchener Mediziner und Geschäftsführer von Staber, einem der größten privaten Testlabore in Deutschland, berichtet im Interview mit Bayern 3, dass sein Labor im Moment durchschnittlich 500 Tests pro Tag auswerten könne. Mehr schaffe das Team nicht. "Wir arbeiten gerade absolut am Limit. Wir müssen einige Anfragen auch negativ beantworten“, erklärt Kopf. Laut eigenen Angaben arbeite sein Team seit Wochen Tag und Nacht, um Tests auszuwerten.

    Begrenzte Kapazitäten und Test-Stau

    Auf Grund der begrenzten Kapazitäten - sowohl beim Personal als auch bei den Materialien - sowie der sich anstauenden Tests, die ebenfalls noch ausgewertet werden müssten, hält der Laborleiter es derzeit für nicht möglich, flächendeckende Tests in der Bevölkerung umzusetzen.

    Er selbst habe viel Kontakt zu anderen Laboren – dort herrsche im Moment überall der gleiche Zustand, so Stefan Kopf. Alle seien weit über der Kapazitätsgrenze hinaus belastet.

    Laut einem Sprecher des Bundesverbands der deutschen Laborärzte (BDL) dürfe man nicht vergessen, dass auch der "normale" Betrieb in Laboren während der Corona-Krise weiterginge und besonders in Krankenhäusern Labor-Untersuchungen bei verschiedenen akuten Erkrankungen notwendig seien, zum Beispiel auch bei grippalen Infekten.

    "Schnelltests nicht zuverlässig"

    Von Schnelltests, die innerhalb von 45 Minuten ein Ergebnis bringen sollen, rät der Mediziner und Laborleiter Stefan Kopf ab. Da müsste man sehr vorsichtig sein. "Diese Tests bringen oft nicht dasselbe Ergebnis wie die derzeit benutzten PCR-Systeme.“ In sogenannten Selbsttest-Kits würden oft falsch negative Testergebnisse angezeigt.

    Der eigentliche Test dauert vier bis sechs Stunden

    Die derzeit in den Laboren angewandte Corona-Test-Methode basiert auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), ein Standardverfahren der Labordiagnostik, das auch für Erbkrankheiten oder Vaterschaftstest angewandt wird. Hierbei werden DNA-Stücke kopiert und vervielfacht, um nach speziellen DNA-Stücken, zum Beispiel des Coronavirus zu suchen. Das Verfahren zeigt auch an, wie viele Erreger im Körper sind. Im Labor dauert ein Test zwischen vier und sechs Stunden.

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