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Corona: Südostasien ohne Geld aus dem Westen | BR24

© ARD/NDR

Die Länder in Südostasien bekommen schon jetzt massiv die wirtschaftlichen Corona-Folgen zu spüren. Denn in den westlichen Industrienationen wird gespart - auf Kosten der Menschen in Fernost.

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Corona: Südostasien ohne Geld aus dem Westen

Die Länder in Südostasien bekommen schon jetzt massiv die wirtschaftlichen Corona-Folgen zu spüren. Denn in den westlichen Industrienationen wird gespart - auf Kosten der Menschen in Fernost.

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Eigentlich ist die Corona-Krise in Kambodscha glimpflich verlaufen: weniger als 300 Fälle, kein einziger Toter. Doch es sind die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, die den Menschen im Land zu schaffen machen.

Kambodscha ist neben Bangladesch eine der Schneidereien für die ganze Welt. Hosen und T-Shirts, die man in den Bekleidungsketten in Fußgängerzonen von Köln oder Hamburg kaufen kann, stammen überwiegend von hier. Einen Dollar Stundenlohn bekommen die Näherinnen im Durchschnitt - für sie haben die Billigklamotten einen hohen Preis.

Näherinnen ohne Arbeit

Die meisten Fabriken sind wegen der Corona-Pandemie allerdings schon lange geschlossen. Viele Abnehmer in Europa haben aufgrund der Wirtschaftsflaute ihre Lieferverträge gekündigt. Dutzende Näherinnen mit Gesichtsmaske sitzen auf der Straße vor der geschlossenen Manufaktur. Ein Radio spielt, Transparente werden in die Höhe gereckt: "Öffnet unsere Fabrik wieder."

60 Prozent des kambodschanischen Mindesteinkommens hat ihnen die Regierung zugesagt, doch das sei viel zu wenig, sagt die 39-jährige Johanna Chenda.

"Vor Covid-19 habe ich 230 Dollar im Monat verdient für zehn Stunden Arbeit am Tag, sechs Tage die Woche. Jetzt zahlt mir die Fabrik nur noch 75 Dollar." Johanna Chenda, Näherin

Davon könne sie aber nicht leben, weil ihre Kosten weiterliefen und die Preise sogar stiegen. "Mein Leben war vorher schon hart mit drei Kindern - aber jetzt ist es regelrecht entsetzlich. Ich kann nicht einmal genug zu essen kaufen."

Viele Näherinnen bekommen gar kein Geld, denn Unternehmen erneuern einfach auslaufende Verträge nicht mehr. Und wieviele der Firmen nach dem Ende der Pandemie womöglich ihre Pforten für immer schließen, ist ebenfalls nicht ausgemacht.

Schon jetzt leben 1,3 Millionen Kambodschaner in dem ohnehin armen Land in bitterer Armut, ihr Anteil hat sich auf fast 18 Prozent der Bevölkerung verdoppelt.

Gähnende Leere in Touristenhochburgen

Ortswechsel: Bali - die Insel der Götter in Indonesien - ist das Traumziel vieler Deutscher. In dichten Trauben zogen sie sonst durch die Stadt Ubud, Frauen mit dem Kultbuch "Eat, Pray Love" unter dem Arm, beim Yoga auf der Suche nach sich selbst. Jetzt aber herrscht gähnende Leere.

Kadek Adita Pramayana ist Tourguide. Er führt Wanderungen durch die Reisfelder oder auf lokale Märkte. Erst vor zwei Jahren hat er sich selbstständig gemacht. "Jetzt schleppe ich Steine auf dem Bau. Hilfsarbeiten", erzählt er. Wenn er die Leasingraten nicht mehr bezahlen kann, verliert er auch sein Auto - ohne Auto keine Touren mehr, seine Zukunft steht in den Sternen.

Restaurants, Shops, Mopedvermietungen, Taxiunternehmen: Das Geschäft liegt brach. Viereinhalb Millionen Einwohner hat Bali, mehr als die Hälfte von ihnen lebten vom Tourismus.

3.000 Dollar für eventuelle Corona-Kosten

Nicht besser ist die Situation in Thailand: Wie schwer der Wegfall der Urlauber das Land trifft, wird meist nur noch registriert, wenn kuriose Meldungen durch die Welt gehen - von hungernden Elefanten oder Affen, die Dörfer überfallen. Und die Philippinen versinken durch Corona regelrecht im Elend: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 45 Prozent, außerdem fehlt das Geld, das Krankenschwestern, Seeleute oder Handwerker sonst aus dem Ausland nach Hause schicken.

Auch im durch den Zusammenbruch der Textilindustrie ohnehin schwer gebeutelten Kambodscha war der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig. Das Land hat seine Grenzen sogar wieder für Urlauber geöffnet. Die weitgehende Corona-Freiheit könnte ein gutes Argument für das südostasiatische Reiseland sein.

Was viele allerdings abschreckt: Kambodscha verlangt von allen Einreisenden eine nicht rückzahlbare Gebühr von 3.000 Dollar - für eventuelle Behandlungs- oder Begräbniskosten.

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