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Corona: Studie empfiehlt Joggern und Radfahrern mehr Abstand | BR24

© picture alliance/augenklick

Nach einer neuen Studie schleppen Radfahrer, Jogger und sogar Spaziergänger einen „Windschatten“ aus Tröpfchen hinter sich her.

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    Corona: Studie empfiehlt Joggern und Radfahrern mehr Abstand

    Beim Bewegen an der frischen Luft sind offenbar größere Abstände nötig als gedacht. Laut einer neuen Studie schleppen Radfahrer, Jogger und sogar Spaziergänger einen "Windschatten" aus Tröpfchen hinter sich her.

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    • BR24 Redaktion

    "Wenn sie an der Roten Ampel im Auto sitzen und dann die Scheibenwaschanlage benutzen, wird das Auto hinter ihnen nicht nass. Aber wenn sie losfahren und dann die Scheibe anspritzen, bekommt auch das Auto hinter ihnen einige Tropfen ab. Und genau das passiert hier auch", sagt der belgische Physiker Bert Blocken.

    Er hat zusammen mit Kollegen der Universitäten von Leuven und Eindhoven in der nun veröffentlichten Studie Wassertröpfchen im Windkanal beobachtet und die Effekte zusätzlich im Computer simuliert. Das Ganze auf der Basis von umfangreichen Ergebnissen aus Asien – dort wurden schon während der ersten Sars-Epidemie 2002 viele solche Versuche angestellt.

    Bewegt man sich hintereinander, reichen 1,5 Meter nicht

    Blockens aktuelles Ergebnis: Wollen wir beim Laufen oder Radfahren einen Abstand einhalten, der den in Ruhe gebotenen 1,5 Metern Distanz entspricht – werden die Abstände schnell sehr groß. "Für Radfahrer zum Beispiel sind die geforderten eineinhalb Meter völlig okay, wenn man nebeneinander fährt oder schräg versetzt. Aber wenn sie im Windschatten fahren, müssen sie eine Entfernung von 20 Metern einhalten, um auf die Entsprechung der 1,5 Meter zu kommen", so Blocken.

    Für Jogger ist der Wert ähnlich hoch. Und auch für Spaziergänger, die direkt hintereinander gehen, hat Bert Blocken noch vier bis fünf Meter Mindestabstand errechnet. "Um das klar zu stellen: Wir haben keine Versuche gemacht über Infektionsrisikos. Wir haben nur untersucht, welchen Abstand wir in Bewegung brauchen, um genauso wenig Tropfen abzukriegen, wie wenn wir in Ruhe den Abstand von eineinhalb, zwei Metern einhalten", erklärt Blocken.

    Ein Windschatten aus Tröpfchen

    Entscheidend ist laut Blocken der Windschatten. Genauer: eine Art Schleppe von Luft, die jeder hinter sich herzieht, der sich bewegt. Deshalb wird das Problem schon viel kleiner, wenn man schräg versetzt radelt. Auch Menschen, die im Park liegen, während ganze Pulks von Radfahrern an ihnen vorbeiziehen, brauchen sich laut Blocken keine Sorgen zu machen.

    Lieber nebeneinander Radfahren

    Apropos Pulks: Große Radfahrergruppen hält Blocken für besonders gefährdet: "In den vergangenen 15 Jahren hab ich allen Radfahrern immer gesagt: "Bleibt doch im Windschatten!" Jetzt sag ich das Gegenteil. Momentan ist es einfach sehr unklug, mit einer großen Gruppe Fahrrad zu fahren und womöglich für Stunden in einem großen Windschatten zu sein. Das ist nach unseren Erkenntnissen derzeit einfach kontraindiziert.“

    Trotzdem kein Grund, nicht mehr raus zu gehen

    Wobei Bert Blocken immer wieder großen Wert darauf legt, dass er nur die Ausbreitung von Tröpfchen modelliert hat, nicht die von möglichen Infektionen. Und er will auch keinesfalls jemandem abraten, raus zu gehen und sich zu bewegen: "Ich will zwei Sachen nochmal klar sagen: Bitte gehen Sie raus, spazieren Sie, radeln Sie.

    Aber seien sie ein wenig vorsichtig – und höflich zu anderen Leuten, wenn Sie sie überholen. Scheren Sie nicht sofort wieder vor dem anderen Radfahrer ein. Und zweitens: Es ist nicht wahr, dass Jogger oder Radfahrer das Virus verbreiten. Wenn wir zu nah beieinander sind, verbreiten wir alle das Corona-Virus. Das ist alles. Es gibt keinen Grund, Menschen zu beschimpfen, die draußen Sport machen."

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