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Corona-Strategie: Mehr und zielgenauere Tests und Abstand halten | BR24

© dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Drive-in-Corona-Teststation in München

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    Corona-Strategie: Mehr und zielgenauere Tests und Abstand halten

    Deutlich mehr testen. Kontaktpersonen noch konsequenter ausfindig machen – auch digital. So die Strategie des Bundesinnenministeriums, um Corona-Infektionen einzugrenzen. Kann das funktionieren? Und was bedeutet das für jeden einzelnen?

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    Von
    • Katrin Schirner

    Das Bundesinnenministerium hat gemeinsam mit Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) ein Strategiepapier zum Kampf gegen das Coronavirus erarbeitet. Kern der Strategie: Bis Ende April sollen pro Tag 200.000 Menschen auf das neue Coronavirus getestet werden. Im Moment sind es deutlich weniger.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, CDU, sprach von derzeit etwa 200.000 Tests pro Woche, dies könnte man nach Aussage des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, kurzfristig auf etwa 350.000 Tests pro Woche steigern.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Mehr Coronatests, aber zielgerichteter – ein Widerspruch?

    Das Robert-Koch-Institut empfiehlt zudem, zielgerichteter zu testen, da im Moment von zehn Proben neun negativ sind. Wie passt die Forderung nach mehr Tests und gleichzeitig zielgenaueren Tests zusammen?

    Vorbild Südkorea?

    In Südkorea ist es gelungen, die Kurve neuer Infektionen deutlich abzuflachen, ohne dabei rigorose Ausgangssperren zu verhängen. Dafür werden die Kontaktpersonen von Infizierten konsequent ermittelt und isoliert – auch mit Hilfe von Handy-Bewegungsprofilen.

    Das Ziel ist, jedes Aufflackern eines lokalen Infektionsherdes zu ersticken. In Südkorea kann deshalb viel gezielter getestet werden. Und damit ist schnell klar, wer in Quarantäne muss und wer nicht. Es geht also nicht darum, die gesamte Bevölkerung durchzutesten – das ergäbe ohnehin nur eine Momentaufnahme. Vielmehr soll ein genaueres Bild der Verteilung der Infektion in der Bevölkerung entstehen. Insofern ist die Aussage "Mehr testen – aber zielgerichtet!" kein Widerspruch.

    Test-Kapazitäten ausweiten – geht das?

    Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst, hält das für unmöglich. Auch die Experten des RKI und Bundesgesundheitsminister Spahn geben zu, dass es im Moment an den Materialien mangelt. Man versuche aber, Abhilfe zu schaffen.

    Auch seien die jetzigen Labore an ihrer Kapazitätsgrenze. Andererseits erklärt der Virologe Christian Drosten, im Prinzip könnten alle Labore diese Tests durchführen. Nordrhein-Westfalen etwa hat angekündigt, ab sofort auch Labore für Veterinär-Untersuchungen oder chemische Labore einzubinden. Die Geräte seien vorhanden, die Möglichkeit für die sichere Durchführung des Tests grundsätzlich gegeben, die Mitarbeiter ausgebildet.

    Auch die Kliniken rüsten auf. Etwa in Weiden in der Oberpfalz, das in Bayern besonders viele Corona-Fälle hat. Dort gibt es seit heute ein mobiles Labor, das täglich etwa 100 zusätzliche Tests ermöglicht.

    Digitale Überwachung versus Datenschutz

    Seit Tagen wird in der Politik darüber diskutiert, ob man auch Handy-Daten nutzen sollte, um ein Infektionsgeschehen genauer abzubilden. In einer anonymisierten Form stellen die Telekommunikations-Unternehmen solche Daten dem RKI bereits zur Verfügung. Die Daten sollen helfen, zu sehen, ob sich Infektionen an einem bestimmten Ort häufen. Dann könnte man dort gezielter testen, punktgenauer Kontakt- oder Ausgangssperren verhängen.

    Bundesgesundheitsminister Spahn glaubt, dass man auf eine noch genauere digitale Erfassung von Infektionsgeschehen nicht verzichten kann. Das RKI plädiert dafür, auch die unmittelbaren Kontakte von Infizierten zu erfassen. Denn die Gesundheitsämter stoßen an ihre Grenzen, bisher müssen sie Kontakte eines Infizierten in persönlichen Gesprächen ermitteln. Mit dem digitalen Tracking wäre das auch per SMS möglich.

    Bundesjustizministerin Christine Lambrecht, SPD, ist aus Datenschutzgründen strikt gegen ein solches Tracking.

    "Stopp-Corona-App" für Datenschutzbeauftragten okay

    In Österreich können die Bürger seit dieser Woche eine "Stopp-Corona-App" installieren. Freiwillig wohlgemerkt, dabei müssen keine personenbezogenen Daten preisgegeben werden.

    Die App registriert in einer Art Tagebuch die persönlichen Kontakte des Nutzers. Falls der Nutzer positiv getestet wird, kann er über die App selbst eine anonyme Meldung an seine Kontakte der letzten Tage senden. Mit einer solchen App - freiwillig und anonym - könnte sich auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, anfreunden.

    Überwachung wie in Südkorea kaum denkbar

    Ein Vorgehen wie in Südkorea ist in Deutschland schwer vorstellbar. Dort werden neben den Mobilfunkdaten auch Überwachungskameras und Kreditkarten-Daten genutzt, um nachzuvollziehen, wo sich Infizierte vorher aufgehalten haben.

    Lockerung der Kontaktsperre? Noch kein Datum, aber Gedankenspiele

    Können wir in absehbarer Zeit das öffentliche Leben langsam wieder hochfahren, ohne dass es zu neuen Ansteckungswellen kommt? Das ist die zentrale Frage. Nach Ansicht aller Experten ist es im Moment zu früh, um über eine der Lockerung der Maßnahmen etwa nach Ostern zu spekulieren.

    Aber – auch das zeigt das Strategiepapier von Bundesinnenministerium und RKI: Politik und Forschung machen sich Gedanken darüber, wie man, wenn nötig auch über Monate, neue Infektionswellen kontrollieren kann.

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