BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Restriktionen: Welcher Staat macht was? | BR24

© dpa-Bildfunk/Bernd Wüstneck

Corona-Restriktionen: Welcher Staat macht was?

Per Mail sharen

    Corona-Restriktionen: Welcher Staat macht was?

    Die Zahl der Corona-Infizierten entwickelt sich in vielen europäischen Ländern exponentiell. Diese Staaten schränken deshalb die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger ein. Ein Überblick.

    Per Mail sharen

    Die Lage in Spanien und Portugal

    In Spanien gilt eine zunächst 15-tägige Ausgangssperre. Die Behörden hoffen, dass die Ansteckungswelle bald ihren Höhepunkt erreicht und sich die Entwicklung dann verlangsamt.

    Im Nachbarland Portugal muss ab kommender Woche jeder, der ins Land einreist, 14 Tage in prophylaktischer Isolation bleiben. Portugal hatte am Mittwochabend erstmals in Demokratie-Zeiten den Ausnahmezustand verhängt. Die Regierung in Lissabon kann so die Rechte etwa der Bürger, der Medien und der Unternehmen deutlich einschränken. Eine Ausgangssperre gibt es aber bisher nicht.

    15 Tage Ausgangssperre in Frankreich

    Auch in Frankreich wurde eine 15-tägige Ausgangssperre angeordnet. Über eine Verlängerung wird bereits debattiert. Man darf nur aus dem Haus, wenn es unbedingt sein muss. Erlaubt sind: Lebensmittel einkaufen, Bedürftigen helfen, allein Sport machen oder zur Arbeit fahren. Wer sich nicht an die Regeln hält, muss eine Geldstrafe zahlen, bis zu 135 Euro.

    Das französische Parlament will zudem ein Gesetz zur Ausrufung des "Gesundheitsnotstandes" billigen. Dies soll der Regierung umfassende Sondervollmachten geben. Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye sagte, es sei wahrscheinlich, dass Frankreich die Ausgangssperre verlängern müsse. Dafür hatte zuvor bereits die nationale Gesundheitsbehörde plädiert.

    Belgien: Ausgangssperre seit Mittwoch

    Seit dem letzten Wochenende sind in Belgien alle Kneipen und Restaurants geschlossen. In den Schulen findet landesweit kein Unterricht mehr statt. Eltern können ihre Kinder noch zur Betreuung in die Schule schicken, wenn es wegen der Arbeit nicht anders geht. Seit vergangenem Mittwoch gilt zudem eine Ausgangssperre: Nur zum Kauf von Lebensmitteln, Medikamenten, Büchern und Zeitungen, für Arztbesuche und Besorgungen bei Post und Banken darf man noch aus dem Haus. Sport und Spaziergänge an der frischen Luft bleiben erlaubt - aber nicht in Gruppen. Tausende Polizisten kontrollieren, ob die Anordnungen der Behörden befolgt werden.

    Keine Coffeshops mehr in den Niederlanden

    In den Niederlanden sind sämtliche Schulen und Kitas bereits geschlossen. Dasselbe gilt für Restaurants, Bars und auch für Coffeeshops, in denen Haschisch und ähnliche Drogen verkauft werden dürfen. Allerdings können Kunden Bestellungen aufgeben und abholen. Sportclubs, Saunen und Bordelle mussten ebenfalls dicht machen. Amsterdams bekannteste Museen - darunter das Reichsmuseum und das Van-Gogh-Museum - sind auch geschlossen. Eine Ausgangssperre will die die Regierung bislang nicht verhängen.

    Italien: Kontrollen und Pflicht zur Selbstauskunft

    In Italien darf nur noch raus, wer einen triftigen Grund dafür hat – und den belegen kann. Kontrollen sind relativ häufig, wer aufgehalten wird, muss eine Selbstauskunft ausfüllen. Wer die Regeln verletzt, wird bestraft. Erlaubt sind nur noch der Weg zur Arbeit und zurück, Arztbesuche, ein Einkauf im Supermarkt, in der Apotheke oder beim Zeitungshändler.

    Auch, wer sich um ältere Familienangehörige kümmert oder mit dem Hund Gassi gehen muss, darf raus. Ansonsten gibt es wenig gute Gründe. Joggen oder anderer Sport ist eigentlich auch erlaubt, allein und wenn man genügend Abstand hält. In der Praxis ist das an einigen Orten aber schon verboten. Und auch sonst diskutiert Italien gerade darüber, ob die Einschränkungen noch weiter verschärft werden müssen – dass sie nicht wie geplant Anfang April aufgehoben werden, gilt als sicher.

    Appelle und Beschränkungen in Österreich

    In Österreich gelten Ausgangsbeschränkungen vorläufig bis Ostermontag, den 13. April. Viele Geschäfte sind zu. Die Regierung appelliert immer wieder an die Bevölkerung, nur rauszugehen, um einkaufen, zu arbeiten oder anderen zu helfen. Spaziergänge sind erlaubt - aber möglichst allein. Die Polizei weist Gruppen auf den Straßen darauf hin, nicht zusammen zu stehen.

    Skandinavien: Zu wenige Ärzte in den Dörfern

    In den fünf Skandinavischen Staaten wird auf allen Kanälen immer wieder angemahnt, zu Hause zu bleiben. Die Norweger dürfen nicht in ihre Ferienhäuser fahren, weil es in den Dörfern zu wenig Ärzte gibt. In Dänemark sind nur noch Lebensmittelläden und Apotheken geöffnet. Der Zugang wird reguliert.

    Die baltischen Staaten im Notstand

    In den baltischen Staaten Litauen und Lettland sowie in Estland sind Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen. Auch viele Geschäfte, Restaurants und Freizeiteinrichtungen machen nicht mehr auf. Das öffentliche Leben ist weitestgehend eingestellt. Alle drei Länder haben den Notstand ausgerufen und ihre Grenzen abgeriegelt. Ausgangssperren gibt es bislang nicht.

    Tschechien: Gesichtsbedeckung ist Pflicht

    Auch in der Tschechischen Republik wurde inzwischen der Notstand ausgerufen. Die Bewegungsfreiheit ist drastisch eingeschränkt. Die Leute sollen bis zum 24. März daheim bleiben. Auch hier gelten die üblichen Ausnahmen. Wer älter ist als 70, soll das Haus gar nicht mehr verlassen. In der Öffentlichkeit muss eine Mund- und Nasenbedeckung getragen werden. Es reicht auch ein Schal.

    Drinbleiben auch in der Slowakei

    Abgesehen vom Weg zur Arbeit soll die Bevölkerung auch in der Slowakei möglichst wenig raus gehen. Schulen, Freizeiteinrichtungen und viele Geschäfte sind bereits geschlossen.

    Polen überpüft Quarantäne

    In Polen sind Kindergärten, Schulen und Universitäten geschlossen. Kneipen und Restaurants ebenso, sie dürfen aber einen Lieferservice anbieten. Wer aus dem Ausland zurückkehrt, muss in eine 14-tägige Quarantäne. In Polen wird der Quarantäne-Ort täglich von der Polizei überprüft.

    Slowenien: Kontakt zu Menschen aus anderen Haushalten untersagt

    In Slowenien gilt mittlerweile ein Aufenthaltsverbot im öffentlichen Raum für alle, die nicht im selben Haushalt wohnen. Wer sich allein oder mit seinem Mitbewohner in Parks oder auf Straßen bewegt, soll Abstand halten. Der Gang zu Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Tankstellen, Banken und Postämtern ist indes weiterhin erlaubt.

    Skiort Bankso in Bulgarien unter Quarantäne

    Auch in Bulgarien sind die meisten Läden sowie Lokale, Schulen und Unis geschlossen. Der Skiort Bansko wurde am Dienstagabend unter Quarantäne gestellt - keiner darf ein- und ausreisen. Ausgangssperren gibt es keine.

    Die Nachbarn der EU

    In Serbien gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 20.00 Uhr bis 05.00 Uhr früh. Für Menschen über 65 (im ländlichen Raum: über 70) gilt ein umfassendes Ausgehverbot. Mittlerweile schloss das Land seine Grenzen für jeglichen Personenverkehr. Für Ausländer sind die Grenzen schon seit Wochenbeginn gesperrt.

    Die Regierung in Großbritannien ruft immer wieder dazu auf, soziale Kontakte zu vermeiden und nicht in Pubs, Restaurants, Theater oder Museen zu gehen. Verbote gibt es aber nicht. Die Schulen sind erst seit Freitag geschlossen. Der Bahn- und Busverkehr wird schrittweise reduziert. In London werden dutzende U-Bahn-Stationen nicht mehr bedient. Eine Ausgangssperre schließt Premierminister Boris Johnson bislang aus. Er hofft, die Pandemie bis Anfang Sommer unter Kontrolle zu bringen. Viele Experten halten das für unrealistisch.

    Die Schweiz verzichtet trotz Corona-Krise vorläufig auf rigorose Ausgangssperren. Die Regierung verschärfte am Freitag allerdings die Kontaktregeln: Gruppen mit mehr als fünf Personen in der Öffentlichkeit sind nun verboten. Gleichwohl wurde in der Schweiz bereits der Notstand erklärt. Geschäfte - außer etwa Supermärkte oder Apotheken - sind geschlossen. Man darf raus, aber möglichst nur zusammen mit den Leuten, mit denen man unter einem Dach lebt. Veranstaltungen sind verboten, aber Spielplätze sind offen.

    Was machen die anderen deutschen Bundesländer?

    Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus bleiben in Hessen ab Samstagmittag alle Restaurants und Gaststätten geschlossen. Zudem dürfen sich mit Anbruch des Samstags nur noch maximal fünf statt bisher höchstens hundert Menschen an öffentlichen Orten versammeln, wie der hessische Ministerpräsident mitteilte. Zur möglichen Notwendigkeit von Ausgangssperren sagte Bouffier, diese Frage werde am Sonntag zwischen Bund und Ländern erneut beraten. "Die Ausgangssperre ist eine der letzten Maßnahmen, die man treffen kann", betonte der Wiesbadener Regierungschef. Er setze nun erst einmal auf den Erfolg der aktuellen Maßnahmen.

    Rheinland-Pfalz

    In Rheinland-Pfalz wird die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung ähnlich wie in Hessen und Bayern eingeschränkt. Wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer bekannt gab, seien Ansammlungen von über fünf Personen in Rheinland-Pfalz bis auf weiteres verboten. Restaurants und Cafés werden geschlossen. Straßenverkauf und Lieferservice bleiben aber erlaubt. Ein radikales Ausgangsverbot soll es aber nicht geben.

    Niedersachsen

    Auch Niedersachsen schließt zur Bekämpfung der Corona-Epidemie ab Samstagabend alle Restaurants und Cafés. Das kündigte Ministerpräsident Stephan Weil an. Der Außer-Haus-Verkauf von Speisen soll allerdings weiter möglich bleiben. Es gehe darum, größere Menschenansammlungen in Gaststätten zu unterbinden.

    Der Gastronomie war zuvor bereits auferlegt worden, nur noch von morgens 06.00 Uhr bis abends 18.00 Uhr zu öffnen. Gäste und Restaurantbetreiber hätten sich aber oft nicht an die Auflagen gehalten, unter anderem zum Abstandhalten, sagte Weil. Massive Polizeieinsätze seien deshalb seit Donnerstag nötig gewesen. Weil betonte, eine Ausgangssperre sei in Niedersachsen weiterhin nicht geplant, es gebe bereits weitreichende Ausgangsbeschränkungen.

    Baden Württemberg

    Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann kündigt schärfere Einschränkungen im Kampf gegen Corona an. Zusammenkünfte auf öffentlichen Plätzen von Gruppen sind verboten. Es dürfen sich maximal noch drei Personen versammeln. Durchreisen von Personen aus Corona-Risikogebieten sind untersagt. Alle Restaurants und Gaststätten werden ab Samstag geschlossen. Sie dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen verkaufen.

    Saarland

    Im Saarland will Ministerpräsident Tobias Hans eine Ausgangsbeschränkung. Er werde deshalb dem Ministerrat vorschlagen, eine entsprechende Allgemeinverfügung zu verabschieden und mit sofortiger Wirkung Restaurants im Saarland für Gäste zu schließen. "Gemeinsame Spaziergänge etwa in der Familie mit Abstand zu anderen bleiben weiter möglich. Niemand wird eingesperrt", betont Hans. Das Saarland stehe aber als Grenzland zum französischen Risikogebiet Grand Est vor einer besonders schwierigen Herausforderung.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!