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Impfstoff und Spritze (Symbolbild)

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    Corona: Politiker in Sachsen-Anhalt missachten Impf-Reihenfolge

    Nach mehreren bekannt gewordenen Verstößen gegen die Reihenfolge bei der Corona-Impfung in Sachsen-Anhalt, kritisiert die dortige Gesundheitsministerin die Verantwortlichen. Einer von ihnen ist Halles Oberbürgermeister. Der rechtfertigt sich.

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    • BR24 Redaktion

    In Sachsen-Anhalt werden immer mehr Politiker bekannt, die die Impfreihenfolge nicht eingehalten haben. In Wittenberg hat sich der dortige Landrat bereits am 26. Dezember gegen das Coronavirus impfen lassen, einen Tag vor Beginn des offiziellen Impfstarts in Deutschland. In Halle hat Oberbürgermeister Wiegand die schützende Impfung vorzeitig erhalten, auch Stadträte haben sich beim Impfen vorgedrängelt. In Stendal wurden über 330 Polizisten in einem Testlauf geimpft, obwohl sie laut Impfverordnung nicht an der Reihe waren.

    Ministerin: Es gibt keine Spezialkontingente für Polizei oder Politik

    "Ich habe keinerlei Verständnis, wenn bundesweit festgelegte Impfreihenfolgen missachtet werden", sagte Sachsens-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD). "Das gilt für Stendal, das gilt für Wittenberg, das gilt für Halle." Eine abschließende Bewertung sei noch nicht möglich, sie werde sich zunächst Bericht erstatten lassen, sagte Grimm-Benne. "Aber fest steht: Sachsen-Anhalt erhält Impfstoff vom Bund. Und es ist festgelegt, wer diesen in der ersten Priorität erhalten soll." Spezialkontingente für die Polizei oder Politik gebe es nicht. "Und das ist auch gut so."

    Halles Oberbürgermeister spricht von Hexenjagd

    Inzwischen hat sich Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) zu Wort gemeldet. Er und zehn Stadträte haben bereits die Corona-Impfung erhalten. Er habe seine Erstimpfung am 17. Januar in Folge eines zufälligen Auswahlverfahrens aus Restbeständen eines Krankenhauses bekommen, sagte Wiegand auf einer Pressekonferenz. Er stehe zu dem Verfahren und seiner Entscheidung, sagte Wiegand und wies Kritik zurück. Fragen danach, wer aus der Verwaltung außer ihm und den zehn Stadträten schon vorzeitig geimpft wurde, halte er für problematisch. "Man kann fast sagen, das ist eine Hexenjagd auf die Personen, die geimpft sind." Er habe seine Erstimpfung nicht von sich aus bekannt gegeben, da es eine private Angelegenheit gewesen sei. Der zweite Termin stehe noch aus.

    Stadt Halle will keine Impfstoffe verschwenden

    585 Menschen seien bislang in Halle mit übrig gebliebenen Dosen geimpft worden, sagte Wiegand. Vor der Impfung habe er sich mehrfach vergewissert, dass kein Mitarbeiter des Krankenhauses zu dem Zeitpunkt für eine spontane Impfung zur Verfügung gestanden habe, sagte der Oberbürgermeister. Halles Amtsärztin Christine Gröger, die bei der Impfung dabei war, bestätigte das.

    Die Stadt habe das Verfahren zum Umgang mit übrig gebliebenem Impfstoff Anfang des Jahres entwickelt, um zu vermeiden, dass der nur kurz haltbare Impfstoff verschwendet werde, sagte Wiegand. Demnach würden, wenn Dosen am Ende eines Tages übrig bleiben, die Impfteams zunächst Menschen mit der höchsten Prioritätsstufe anrufen. Sollten diese nicht in 15 Minuten zu erreichen sein, werde per Zufallsverfahren aus einem Pool von Rettungsdiensten, Fachärzten, Stadträten und Angehörigen des Katastrophenschutzstabes ein weiterer Kandidat ermittelt.

    Keine Rücksprache mit Gesundheitsministerium

    Das Verfahren war aber nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Sachsen-Anhalt nicht mit dem Land abgesprochen. Die Impfverordnung gelte auch für übrig gebliebene Dosen, sagte eine Sprecherin.

    Ministerin Grimm-Benne, die nach eigenen Angaben ebenso wie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch nicht geimpft ist, zeigte Verständnis für Kritik am Vorgehen der Kreise. "Ich verstehe die wütenden Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern, die für Impfberechtigte keine Termine erhalten können", sagte die Ministerin. "Wenn sich Politikerinnen und Politiker impfen lassen und agieren, als sei die Festlegung des Bundes nicht mehr als eine vage Empfehlung", so Grimm-Benne. "Das erschüttert auch mein Vertrauen zutiefst."

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