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Intensivpflege: Patientenschützer sehen Mangel an Fachpersonal | BR24

© dpa-Bildfunk

Eine Pflege-Mitarbeiterin in Schutzausrüstung betreut auf einer Intensivstation einen Corona-Patienten (Archivbild).

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    Intensivpflege: Patientenschützer sehen Mangel an Fachpersonal

    Patientenschützer bezweifeln, dass alle im Register für Intensivbetten angezeigten freien Betten belegt werden können. Es fehle an qualifiziertem Personal. Auch Gewerkschaften und die Bundesregierung sehen den Pflegenotstand in der Corona-Pandemie.

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    • BR24 Redaktion

    Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert für den Kampf gegen die Corona-Pandemie eine Nachbesserung des DIVI-Registers, das die Auslastung der Intensivbetten in Deutschland angibt. "Es zeigt sich, dass das Intensivbetten-Register wenig bringt", sagte der Vorstand der Patientenschützer, Eugen Brysch, der Deutschen Presse-Agentur. Denn es sei zweifelhaft, inwieweit die im Register als verfügbar angezeigten Betten auch tatsächlich belegt werden könnten.

    Intensivbetten ohne Personal bringen nichts

    "Im neunten Monat der Pandemie fehlt schlichtweg qualifiziertes Personal, das die professionelle Hilfe am Schwerstkranken leisten kann." Eugen Brysch, Deutsche Stiftung Patientenschutz

    Im Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Brysch, dass die Krankenhäuser aufgefordert seien, "keine Fake-Zahlen von Intensivbetten zu melden". Gemeint sind damit Betten, die nicht auch versorgt werden könnten.

    Auch die Bundesregierung sieht den Pflegenotstand

    Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, schließt sich den Warnungen vor Personalmangel bei Pflegekräften an: "Beatmungsgeräte alleine können aber Menschen nicht versorgen." Man könne über Nacht keine Pflegekräfte backen. Für den Intensivbereich benötigten Pflegekräfte zusätzlich zur Ausbildung noch eine Weiterbildung. "Das ist eine hochkomplexe Aufgabe", erklärte Westerfellhaus.

    "Ja, der Pflegepersonal-Notstand wird jetzt nochmal richtig unters Brennglas geschoben." Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung

    Man müsse daraus für die Zukunft lernen und für die Menschen im Intensivbereich attraktive Arbeitsbedingungen schaffen.

    Auch Sylvia Bühler, Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi, ist der Ansicht: "Die Pflege ist das Nadelöhr". Erneut komme es jetzt auf die Beschäftigten an. "Diese brauchen jetzt ein klares Signal, dass die Politik die seit Jahren bestehende Überlastung endlich ernsthaft angeht", so Bühler.

    Vorschlag für Verbesserung des Intensivbetten-Registers

    Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz schlägt vor, dass Krankenhäuser künftig auch melden, "ob für die Plätze genügend Fachpersonal bereitsteht". Wenn bei gemeldeter Kapazität Patienten abgewiesen werden, müsse das Konsequenzen für diese Krankenhäuser haben. "Sonst wird das Intensivbetten-Register zu einem Taschenspielertrick. Für die Schwerstkranken wäre das lebensgefährlich", so der Patientenschützer.

    Nach Ansicht von Brysch müsse Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schnell dafür sorgen, dass die Zahlen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) mehr Aussagekraft bekämen. Zudem fordert Brysch, dass auch die Länder die Fakten in den Kliniken ermitteln und Verstöße ahnden.

    Westerfellhaus: Intensivstationen entlasten, planbare OPs verschieben

    In einigen Bundesländern gebe es bei Intensivbetten nicht mehr viel Spielraum, sagte DIVI-Präsident Uwe Janssens der "Bild am Sonntag". "Berlin hat nur noch 14 Prozent freie Intensivbetten, Bremen 17 Prozent", so Janssens. Dies liege auch daran, dass viele Kliniken immer noch ihr Routineprogramm durchführen würden wie zum Beispiel Magen-Bypässe oder Gelenk-Operationen. Vielen Kliniken drohe sonst der Ruin, solange es nicht wie im April Freihaltepauschalen gebe. "Damals war die Situation übrigens viel weniger dramatisch als das, was jetzt auf uns zukommt", sagt der DIVI-Präsident.

    Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung Westerfellhaus hat dazu aufgerufen, Intensivstationen durch Präventionsmaßnahmen und die Zurückstellung planbarer Operationen zu entlasten. "Die Situation ist ernst, aber zurzeit ja noch handelbar", sagte Westerfellhaus heute im ZDF-Morgenmagazin. Die Lage könne sich allerdings erheblich zuspitzen. Man müsse deshalb möglichst viele Aufnahmen auf die Intensivstationen verhindern und überprüfen, ob planbare Operationen zugunsten von Corona-Patienten zurückgestellt werden können. Auch Verdi forderte, planbare Eingriffe in Krankenhäusern schnellstmöglich herunterzufahren.

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