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Corona-Pandemie: Pflegemangel wird zum Problem | BR24

© picture alliance/Bernd Thissen/dpa

In der Intensivpflege fehlen derzeit bundesweit bis zu 4.000 Fachkräfte

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    Corona-Pandemie: Pflegemangel wird zum Problem

    In der zweiten Corona-Welle wird der Mangel an Pflegekräften zum großen Problem, warnen Ärztevertreter. Beim Pflegegipfel in Berlin dankt Bundeskanzlerin Angela Merkel den Pflegekräften und will sie vor zu hoher Arbeitsbelastung schützen.

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    Bessere Arbeitsbedingungen statt nur Applaus wünschen sich die Pflegekräfte seit Beginn der Pandemie. Erreichen will die Bundesregierung das mit der sogenannten "Konzertierten Aktion Pflege", die sie bereits vor zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Auf einem digitalen Pflegegipfel tauschte sich die Bundeskanzlerin mit Verantwortlichen der Pflegebranche darüber aus.

    Zur Eröffnung der Konferenz sagte Merkel, die Corona-Pandemie habe Mängel zutage gefördert, unter anderem bei der Schutzausrüstung der Pflegekräfte. Eine der großen Herausforderungen sei, das Pflegepersonal vor zu hoher Belastung in der Corona-Krise zu schützen. Sie sagte aber nicht, wie.

    Ärztevertreter warnen vor Pflegemangel

    Der Handlungsdruck wird mit der zweiten Corona-Welle gerade erneut deutlich: Zwar haben die Krankenhäuser im Frühjahr neue Kapazitäten auf den Intensivstationen geschaffen, sodass es trotz der vielen Neuinfektionen derzeit noch keine Engpässe bei den Intensivbetten gibt. Momentan behandeln die Kliniken sogar noch Patienten aus anderen EU-Staaten in Deutschland.

    Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, geht aber davon aus, dass der Personalmangel in den Krankenhäusern bald massiv zutage treten werde. "Sechs bis neun Prozent der Infizierten von heute werden in zwei Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen", sagte Johna. Dann bräuchte es pro schwer krankem Covid-Patient auf der Intensivstation eine Pflegekraft.

    Viele Krankenpfleger sind bereits jetzt wieder im Dauereinsatz. Auch in Bayerischen Kliniken kommen sie vielerorts schon an ihre Grenzen. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, geht davon aus, dass bundesweit 3.500 bis 4.000 Fachkräfte in der Intensivpflege fehlten.

    Lohnerhöhungen in Sicht

    Mit mehr Personal und mehr Geld will die Bundesregierung die Pflege attraktiver machen. Bundeskanzlerin Merkel verwies auf den Tarifabschluss vom Wochenende. Dabei haben die Gewerkschaften erreicht, dass die Pflegekräfte mehr Geld bekommen – in Altenheimen, Krankenhäusern und Gesundheitsämtern. 8,7 Prozent mehr Lohn sind es insgesamt in der Pflege und zehn Prozent in der Intensivpflege.

    Für die Arbeitsbedingungen und das Gehalt ist Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zuständig. Er betonte, auch, dass die Mindestlöhne in der Branche sollen angehoben werden. Denn nicht in allen Einrichtungen wird Tariflohn gezahlt. Ein Kabinettsbeschluss sehe mehrere Stufen vor. Ab April 2022 sollen qualifizierte Pflegekräfte mindestens 13,20 Euro pro Stunde erhalten.

    Maßnahmen der Bundesregierung laufen erst an

    Beim Personal wird es wohl nicht so schnell gehen. Die Ausbildungsstrategie aus dem Familienministerium ist gerade angelaufen. Damit sollen die Einrichtungen in den nächsten drei Jahren zehn Prozent mehr Pflegekräfte ausbilden. Die verantwortliche Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, aus den Bundesländern bekomme sie die Rückmeldung, dass die Initiative wirke. So habe Bayern die zehn Prozent schon dieses Jahr erreicht.

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